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Siebentes Kapitel

Full text: Die Belowsche Ecke / Hirschfeld, Georg (Public Domain)

Sie sah Rudolf fast nicht mehr. Seine ständige 
Entschuldigung war: „Ich habe zu viel zu tun.“ 
Wenn Martha ihn in der „Union Berlin“ besuchte, 
ließ er sie deutlich merken, daß sie ihm dart 
nicht willkommen war. Sie verstand allmählich, 
weswegen. Er fühlte sich durch sie gedemütigt. Er 
wollte eine andere, eine glänzende Frau dort sehen 
lassen, keine, deren Vorzüge den Leuten erst begreif— 
lich gemacht werden mußten. Aber noch hoffte 
Martha. Sie rechnete auf seinen Ueberdruß, 
der von Blume zu Blume taumelte und schließlich 
alles verwarf. Wenn er nur sein Haus rein 
hielt. Das war Marthas Bitte, vor der ihr Stolz 
Wache hielt. 
Eines Abends glaubte Rudolf sie bei einer 
Jugendfreundin in Zehlendorf. Aber die Ver— 
abredung hatte sich gerschlagen, und Martha 
kam unerwartet nach Hause. Im Vorgimmer 
hingen Hut und Mantel einer fremden Dame. 
Martha sah ruhig und prüfend hin. Es waren 
weit kostbarere Sachen, als sie zu tragen 
pflegte. Joseph, der Diener, drückte sich mit ver— 
kniffenem Lächeln herum. Sie hatte sich schon 
über seine Verblüfftheit geärgert, als er ihr 
die Tür geöffnet hatte — nun merkte sie, daß er 
diskret verschwinden wollte und zugleich auffällig 
blieb. 
„Wartet 
spät noch?“ 
jemand auf mich?“ fragte sie fest. „So 
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