Unparteiische Zeitung für kommunale
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Leo Schultz in Friedenau.
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Leo Schultz in Friedenau.
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Kr. 146.
Friedenau, Montag dm 25. Juni I960
7. Kahrg.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Das diesjährige Ober - Ersatz - Geschäft findet in der Zeit vom
10. bis 13. Juli er. im Restaurant Albrechtshof in Steglitz statt.
Die Gestellungs-Ordres werden den Militärpfiichtiqen, welche,
vor der Ober-Ersatz-Kommission zu erscheinen haben, zugestellt werden
Diejenigen Militärpflichtigen, welche mit äußerlich nicht wahr-
nehmbaren, sondern nur durch längere Beobachtung zu konstatirenden
Fehlern, als Epilepsie, Krämpfe, Taubheit usw. behaftet sind und
welche das Vorhandensein derselben beim Ersatzgeichüft nicht genügend
haben nachweisen können, müssen die erforderlichen Atteste der Orts-
Polizeibehörden, bezw. der Herren Prediger und Lehrer der König!.
Ober-Ersatz-Kommission spätestens im Musterungstermin vorleg-n,
widrigenfalls auf ihre Angaben keine Rücksicht genommen werden
Nach § 65,6 der Wehrordnung ist der Beweis, daß ein
Militärpflichtiger wirklich an Epilepsie leide, nur dann als geführt
mrzusehen, wenn mindestens 3 glaubhafte Zeugen protokollarisch an
Eldesstatt erklären, daß und in welcher Weise sie selbst die epileptischen
Zufalle wahrgenommen haben.
Gleichzeitig werden die Militärpflichtigen noch besonders
Darauf aufmerksam gemacht, daß sie an den Gcftellungs-
ragen pünktlich zu erscheinen haben und sich sowohl auf
Rückmärsche als auch während ihres Auf-
enthaltes in Steglitz anständig und gesittet betragen müssen,
wrvrrgcufalls sie unnachfichtlich Bestrafung zu gewärtigen
haben.
Friedenau, den 15. Juni 1900.
Der Gemeinde-Vorstand.
Roenneberg.
Bekanntmachung.
Die diesjährige öffentliche unentgeltliche Impfung der Erst-
rmpflinge findet wie folgt statt:
Jmpfbezirk I (Jmpfarzt praktischer Arzr vr. Wagner, Würz
burgstraße Nr. 1)
umfassend die nordwestlich von Bahnstraße, Kaiser Wilhelm-Platz,
Akazienstraße und Belzigerstraße belegenen Stadttheile einschließlich
dieser Straßen am 29. 6., 30. 6., 3. 7., 4. 7., 6. 7. von 10'/, Uhr
Bormittags bis 12 Uhr Mittags, am 7. 7., 10. 7., II. 7. von
10>/z Uhr Vormittags bis 6'/^ Uhr Nachmittags, am 13. 7., 14. 7.,
17. 7., 18. 7. von IO 1 /. Uhr Vormittags bis 11 Uhr Vormittags.
Jmpfbezirk II (Jmpfarzt, praktischer Arzt vr. Roeseler, Goltz
straße Nr. 32), umfaffcnd die übrigen Stadttheile, am 29. 6., 30. 6.,
3. 7., 4. 7 von II Uhr Vormittags bis 12'/, Uhr Nachmittags,
am 6. 7., 7. 7., 10. 7., 11. 7. von 11 Uhr Vormittags bis 6*/, Uhr
Nachmittags, am 13. 7., 14. 7., 17. 7., 18. 7. von I I Uhr Vormittags
bis 11'/, Uhr Vormittags.
Jmpfpflichtig sind:'
1. Alle Kinder, welche im Jahre 1899 geboren sind,
2. diejenigen Kinder, bei denen die erste, sowie eine etwaige zweite
Impfung ohne Erfolg war.
Das Jmpflokal für diejenigen Kinder aus dem Jmpfbezirk I be-
findet sich im Restaurant Neumann, Goltzstraße 9/10.
Das Jmpflokal für die Kinder aus dem Jmpfbezirk II im
Restaurant zum schwarzen Adler, Hauptstraße 134.
Es wird den Eltern, Pflegeeitern und Vormündern der iinpf-
pflichtigen Kinder möglichst eine besondere Aufforderung zugestellt
In dem iS'slUe vv» Barem Max' Tode würden Titas Hcirath
und die Existenz ihres Svhncs natürlich vvr aller Welt bekannt
gegeben.
Aber wen» der Baron davon käme — was jedoch jetzt uii-
niöglich schien — dann mußte das Stillschweigen der Wittwe
erkaust werde».
Frau Bleinfeld verstand die Absichten und Gedanken des
Advokaten so genau, als ob er sie ihr mitgetheilt hätte; aber
ihre Selbstgefälligkeit und Befriedigung tvnrden dadurch nicht
beeinträchtigt.
Wenn Baron Max stürbe, würde sie Fcrnwald heirathen
und in diesem Falle Herrin von Schloß Trenemvcrth werden,,
und als solche wären Titas Geld und Billa überflüssig für sie
Wie immer auch die Dinge sich wenden mochten, sie glaubte
sich eines besonderen Glückes sicher.
Dita hielt im Gegensatze zu der prunkvollen Wittive an ihrer
Trauerkleidung fest, ja sie schien in tieferer Trauer zu sein, als
je zuvor.
Ihre schlanke Gestalt schien bedeutend dünner geworden zn
sein, ihre großen, schivarzen Augen innren von dunkeln Ringen
umgeben, und ihr matter olivensarbiger Teint war bleicher und
durchsichtiger geworden. Sie sah ans wie Jemand, dessen Tage
sehr kummervoll und dessen Nächte schlaflos sind. '
werden, jedoch erfolgt auch die Impfung derjenigen Kinder kostenstei,
deren Eltern pp. eine solche Aufforderung wegen unbekannten Wohnungs
wechsels nicht zugehen kann.
Diejenigen Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche diese Ge-
legenheit zur unentgeltlichen Impfung der in Betracht kommenden
Kinder nicht benutzen wollen, werden hierdurch aufgefordert, die letzteren
vor Ablauf dieses Jahres anderweit impfen zu lassen und den Nach-
weis der Impfung oder der erfolgten Befreiung durch Vorlegung des
Impfscheines oder des Befreiungsscheines bis zum Jahresschluß bei
dem zuständigen Polizei-Reviere zu führen.
Schönederg, den 21. Juni 1900.
Königliche Polizei-Direktion
Hammacher.
Einladung
zu einer
außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten
am Mittwoch, den 27. Juni 1800, Nachmittags 5 Uhr.
Tagesordnung:
1. Einführung des Stadtverordneten Gavandi und Bericht des
Ausschusses zur Vorprüfung der Giltigkeit der Stadtverordiieten-Wahlen.
Die Wahl-Akten liegen in Gemäßheit des § 16 der Geschäftsordnung aus.
Berichterstatter: Stadtverordneter Bartelt.
2. Bericht des Ausschußes für Rechnungssachen über a. den Haupt-
Abschluß der JahreS-Rechnung für 1898/99, d. die Haupt-Jahres-Ab»
schläfst der Stadt-Haupt- und der Stcuer-Kasse für 1899.
3. Petition Nr. 6 folgender Vereine: a) des Vereins der Kohlen
händler der westlichen Vororte, b) des Vereins selbstständiger Holz-
und Kohlenhändler zu Charlottenburg, c) des Vereins selbstständiger
Holz- und Kohlenhändler im Norden von Berlin, d) deS Vereins
selbstständiger Kohlenhändler Moabits, e) des Vereins Hand in Hand
des Ostbezirks, betreffend die Beseitigung von Mitzständen beim Ver-
kauf von Cvaks in der Englischen Gasanstalt Hierselbst. Berichterstatter
des Ausschusses für Petitionen: Stadtverordneter Schulz.
4. Beschlußfassung über die Vorlage des Magistrats, betr. Nach
bewilligung von 1 796,81 M. zu Titel IV, Pos. 7b des Bau-EtatS
für 1900. — Beiträge für Aufnahme der Abwässer in die Charlotten-
burgcr Kanäle.
5. Desgl., betr. Nachbewilligung der durch Herstellung von
8 Kloseis im II. bis IV. Stock des Feuerwehrgebäudcs entstandenen
Mehrkosten in Höhe von 86,29 M.
6. Desgl., belr. Festst: ung der Kosten für die Asphaltirung der
Martin Lutherstraße zwischen Grunewald- und Apostel Paulusstraße.
7. Beantwortung der Anfrage der Stadtverordneten Fr. Richter
und Gen., betr. die Vergebung von Pflasterungsarbciten und Wahl
von drei Stadtverordneten in die Bau-Deputation, Abtheilung für
Tiefbau.
8. Beantwortung der Anfrage der Stadtverordneten Wagner und
Gen., betr. die Umpflasterung der Sponholzstraße.
9. Beschlußfassung über die Vorlage des Magistrats, betr. die
Pensionirung eines Magistratsdieners zum 1. Oktober d. Js.
10. Bericht des Ausschußes für anderweitige Ordnung des auf
Kosten der Stadtgemeinde auszuführenden Begrabnißwestns.
Berichterstatter: Stadtverordneter vr. Richter.
11. Kenntnißnahme von der Vorlage des Magistrats, betr. die
Genehmigung des Orlsstatuts für die Anstellung und Versorgung der
Kommunal-Beamten und sonstigen Bediensteten der Stadtgemeinde
Schöneberg.
12. Beschlußfassung über die Vorlage de-s Magistrats, betr. Ver-
zichtleistnng auf die 'vertragsmäßige Linie Eichhornstr.—BezirkS-
Jn dem tiefen, dunkeln Schatten, unter dem schwarzen
Bogen der hohe» Waldbänmc, im Schutze der Abteiruinen
wandelte die arglose Marie Deckert mit Titas Kind in ihren
Armen.
Und in dem tiefen Schatten, welcher den Mönchsgang wie
eine schwarze Blauer umschloß, lauerten die drei Feinde des
Kindes mit angehaltenem Athem und gierigen Händen, auf den
Moment lauernd, wo das Weib auf seinem Rückwege an ihnen
vorbei käme.
Und drinnen in der Abtei, an dem anderen Ende des
bewohnten Theiles, saß Dita in dem prächtigen Speisesaale an
dem Tisch, welcher mit seinen schimmernden Silbergeschirren,
Krystallen und Porzellan, mit den duftenden Blumen und
lachenden Früchten des Treibhauses ein Bild des Reichthumes
und Ueberflusses bot. Die Lichter verbreiteten milden Schein;
das Feuer flackerte im Kamin.
Aber in ihrem großmüthigen Verlangen, ihren Kummer vor
Arnold Reinhard zu verbergen, der selbst so schiver litt, hatte sie
eine Heiterkeit angenommen, die jeden minder Scharfblickenden
als ihn getäuscht hätte. 12s
Als das Speisen vorüber war, begab die Gesellschaft sich
fe den Salon.
Dita. deren Gedanken bei ihrem Kinde verweilten, daS mit
seiner Pflegerin im Mönchsgange war, setzte sich vor den Kamin
in einen großen Lehnstuhl und beschäftigte sich mit einer Bunt
stickerei.
Reinhard nahm ein Buch zur Hand und machte Bemer
kungen darüber. _ Frau Meinfeld setzte sich an den großen
Flügel, spielte einige Takte aus einer neuen Oper und dann,
da sie ihre Gesellschaft sehr langweilig fand, erinnerte sie sich,
daß sie Briefe zu schreiben hatte, und ging auf ihr Zimmer.
Ditas Arbeit entsank ihren Händen, als die Witwe verschwand.
Reinhard legte sein Buch mit traurigem Lächeln zur Seite.
„Es ist eine harte Arbeit, dieses Versuchen, ein Interesse
für Dinge zu zeige», die uns gleichgiltig sind," sagte er. .Ich
weiß, woran Du denkst. Dita."
Kommando gegen Durchführung der LinieWeddingplatz—Gr. Görschenstr.
nach der General Papestr.
13. Desgl., betr. die Anstellung eines Bureau-Assistenten.
14. Desgl., betr. die Anstellung eines Oberfeuermanns. Zu Punkt
7, 13 und 14 liegt das Protokoll des Ausschusses für die Wahlen
unbesoldeter bezw. Anstellung besoldeter Gemeindebeamten aus.
15. Kenntnißnahme von der Vorlage des Magistrats, betr. dir
Anfrage der Stadtverordneten Wagner und Gen. — Förderung der
Kanalifationsangclegenheit. —
16. Beschlußfassung über die Vorlage des Magistrats, betr. die
Genehmigung der Bauprojekte und Kostenanschläge für die Schulneu
bauten in der Feurigstraße und im Friedenauer Ortstheil. (Pläne
und Kostenanschläge liegen im Stadtverordneten-Bureau und wahrend
der Sitzung aus.)
17. Desgl., betr. die Genehmigung des für das Westgelände der
Gemarkung Schöneberg umgeänderten Bebauungsplanes und hierzu
Berichterstattung des zu diesem Zwecke eingesetzten Ausschuffes. (Der
Plan liegt im Stadtverordneten-Bureau und während der Sitzung aus.)
18. Wahl von Armen-Konimissions-Vorstehern für den IX. XIII.
und XXI. Bezirk. -
19. Beschlußsaffung über die Vorlage des Magistrats, betr. Erlaß
von Pflasterungskosten' für die östliche Erbreiterung des FahrdammS
der Rubenllr. um daS Maaß von l w.
20. Desgl., betr. Versicherung der städtischen Gelder gegen Diebstahl.
21. Ein Unterstützungsgesuch und hierzu Bericht des Ausschußes
für Petitionen.
Schöneberg, den 23. Juni 1900.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
Gustav Müller.
Bekanntmachung.
Der zwischen Neue Winterfeldt- und Hohenstaufenstraße liegende
Theil der Martin Luiherstraße wird für Fuhrwerke und Reiter während
der Dauer der Asphaltirungsarbeiten hiermit bis auf Weiteres gesperrt.
Schöneberg, den 21. Juni 1900. '
Königliche Polizei-Direktion.
Hammacher.
Bekanntmachung.
Unter den Kühen des Molkereibesitzers Haenschke zu Berln, Ratibor-
staaße No. 3 ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schöneberg, den 16. Juni 1900.
Königliche Polizei-Direktion
Hammacher.
Bekanntmachung.
Die Mitglieder der Sterbekasse für die Schöneberger Gemeinde-
beamten pp. werden gemäß §13 Abs. 2 deö Statuts zur ordentlichen
General-Versammlung am
Sonnabend, den 30. Juni d. Js. Nachmittags 3 Uhr
nach dem Stadlverordneten-Sitzungssaal hiermit eingeladen.
Tagesordnung:
1. Bericht deS Vorstandes über den Zustand der Sterbekaffe.
2. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern, von denen mindestens je
zwei der Lehrerschaft und der Beamtenschaft angehören müssen.
Schöneberg, den 23. Juni 1900
Der Vorstand der Sterbekaffe für die Schöneberger Gemeindebeamten pp.
I. V.: Gerhardt.
Herr Weiten war längst wieder nach Br. zurückgekehrt,
aber Arnold Reinhard nahm seinen alten Platz ein und Frau
Meiiifeld war die Dritte und Letzte der Gesellschaft. Die
Ereignisse der letzwergaugeneu Wochen hatten eine große Ver
änderung in jedem Blitgliede der kleinen Gruppe hervor
gebracht.
Arnold Reinhard sah um viele Jahre gealtert aus; er war
sehr ernst und ruhig, und seine Züge trugen den Stempel eines
liefen Seelenkummers. Das vermeinte Geschick Clara von
Lindaus drückte ihn schwer darnieder, obwohl ihr Name nur
selten über seine Lippen kam.
Frau Meinseld hatte beschlossen, ihre Abreise von der
alten Abtei bis nach dem erwarteten Ableben von Baron
Max von Treuenwerth zu verschieben und bis »ach der AuS-
sührnng von Fernwalds Plänen bezüglich Ditas Kind zu warten.
Sie wußte, daß ihre Anwesenheit in der Abtei der jungen
Herrin derselben höchst widerwärtig war, aber die junge Wittwe
besaß nicht das geringste Zartgefühl und dachte nur an ihren
Vortheil.
Sie trug ein blaßlila Seidenkleid und einen Perlenschmuck
und sah größer und stattlicher aus als je zuvor, während ihr
Gesicht einen Ausdruck von Hochmuth und Selbstbewußtsein
hatte, der unter anderen Umständen für Dita ungemein be
lustigend gewesen wäre.
Es gab auch noch einen anderen Grund für den ver»
längerten Aufenthalt der Wittwe in der Abtei. <
Die kleine Angelegenheit ihres vergrößerten Einkommen-
und die Uebertragung der Villa auf sie war noch nicht voll
ständig geordnet.
Herr Westen hatte nach reiflicher Ueberlegung Dita gerathen»
sich Frau Bleinields räuberischen Forderungen 511 fügen und hatte
beabsichtigt, unverzüglich die erforderliche Besitzübertraguiig aufs
die Wittwe einzuleiten, aber Baron Max von Trcncnwerths un»
erwartete Krankheit hatte die Angelegenheit hinausgeschoben. y
Wenn der Baron stürbe, wäre es nicht mehr nothwendig, '
das Slillschweiaeii der Wittwe zn erkaufen.