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Erstes Buch. Die Kultur Biedermeier geht aus. Konditoreien, Restaurants, Gartenlokale

Full text: Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit / Hermann, Georg (Public Domain)

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aber der Standpunkt des Altpreußentums wird allem dem gegenüber 
nicht aufgegeben, es bleibt hartnäckig, starr, zähe, unumstößlich. 
Ein lautes Reden ist beinahe unerhört und könnte allgemeinen Un⸗ 
willen erregen. Die Garçons treten kaum hörbar auf. Die alten Herren 
sitzen da, wie die römischen Senatoren, als sie mit feierlichem Ernste 
und unbeweglich den Einbruch der Gallier erwarteten. 
Einen ganz anderen Charakter prägt, der Spargnapanischen Kon⸗ 
ditorei gegenüber, die Stehelÿsche am Gendarmenmarkte aus. 
Ihre Lage, dem Schauspielhause schräg gegenüber, berechtigt sie von 
vorneherein, ein Sammelplatz der literarischen und künstlerischen Ele⸗ 
mente Berlins zu werden, und eine Geschichte der Stehelÿschen Kon⸗ 
ditorei schreiben, hieße nichts anderes, als die Geschichte der Berliner 
Literaturzustände geben. Hier war es, um nur bei der letzten Periode 
zu bleiben, hier war es, wo T. A. Hoffmann phantasierte und seinen 
Spuk trieb, wo die Teelöffel vor ihm tanzten und die Kaffeekannen ein 
Ave⸗MWaria beteten, hier war es, wo Heine seine Baisers verzehrte und 
die ganze Berliner Welt, besonders aber den Herrn von Raumer, 
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rezensententum seine Huldigungen entgegennahm, wo eine Kritik über 
die Sontag das Herz des alten Europa im tiefsten Innern erschüttern 
machte; hier war es, wo die Julirevolution und die Hegelsche Philo⸗ 
sophie vom Jungen Deutschland entbunden wurde und das ganze 
Koteriewesen seinen Mittelpunkt fand. Hier war es, von wo aus die 
eine Partei im Jungen Deutschland die andere zu bekämpfen suchte, 
hier war es, wo der „Standpunkt des Jungen Deutschlands zuerst 
überwunden wurde“, hier war es, von wo aus die „Hallischen Jahr⸗ 
bücher' und die „Rheinische Zeitung“ ihr Geschütz bezogen, und hier 
eben waltet der Kreis, von dem Deutschlands Zeitungen ihre Berliner 
Korrespondenzen erhalten. Schon diese kurzen Andeutungen zeigen, 
wie wichtig die Kenntnis der Stehelischen Konditorei für die Erkennt⸗ 
nis der Berliner und der deutschen Kultur⸗ und Literaturzustände ge⸗ 
worden ist. Man kann es ohne Anmaßung sagen, das junge Volk, die 
neue Zeit, hat gesiegt bei Stehelh. Diese Konditorei ist der Gegenpol 
von Spargnapani geworden. Zwar zeigt sich auch hier noch dann und 
wann eine Gestalt des ancien régime, aber sie wagt sich entweder nicht 
weiter, als bis in die Vorhalle, oder sie zieht sich in den Hintergrund
	        
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