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Zweites Buch. Das politische Leben Turner und Burschenschafter. Zustände nach 1815, Jahn und Sand

Full text: Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit / Hermann, Georg (Public Domain)

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dieselbe, welcher ein Menschenalter später ein Gervinus das Ehren— 
zeugnis ausstellte: „Wohin sich die Burschenschaft ausbreitete, von 
Freiburg bis Königsberg, haben die besonnensten Männer ihren Mit—⸗ 
gliedern das Zeugnis des ehrenhaften Geistes, des wissenschaftlichen 
Ernstes, der sittlichen Reinheit und Tüchtigkeit des Charakters geben 
müssen. Der französischen Sittenlosigkeit gram, waren diese Jünglinge 
wie ihre Lehrer Fichte, Luden, Fries usw. der Voltaireschen Aufklärung 
und dem herzlosen Rationalismus wie dem lichtscheuen Pfaffenwesen, 
das die Religion zur Parteisache machte, gleich abgeneigt. Fand diese 
feurige Kraft und Begeisterung Beschäftigung, Anleitung und selbst 
nur eine sichere Aussicht, so war sie zu jeder verständigen Richtung 
und rühmlichen Anstrengung zu gewinnen.“ 
Aber trozzdem, daß sie von dem allen das Gegenteil fand, war die 
Idee, welche den Lebenskern bildete, doch nicht zu unterdrücken. Ver— 
folgt, verstümmelt, verleumdet und von den härtesten Strafen bedroht, 
lebte die Burschenschaft auf den meisten deutschen Universitäten, und 
so auch in Halle, fort, und wenn auch nicht im Lichte vollster Offent— 
lichkeit, so doch auch nicht im eigentlichen Sinne im geheimen. Denn 
- und dies darf als eine eigentümliche Signatur der damaligen Zeit gel— 
ten * der Reaktion und ihren törannischen Befehlen mangelten die zur 
pünktlichen Vollziehung bereitwilligen Schergen unter den Professoren 
und Universitätsbehörden. Zwar eine offen organisierte Burschen⸗ 
schaft bestand damals in Halle nicht, während die Gegner derselben, 
die Landsmannschaften - obschon in dem offiziellen Verbote aller Ver⸗ 
bindungen miteinbegriffen - ihre festgegliederten Verfassungen offen 
zur Schau trugen und tragen durften. Aber Prorektor und Senat wuß⸗ 
ten, daß eine Art von Burschenschaft fortbestand; sie kannten, genauer 
oft als viele derjenigen Studenten, welche, wie der Ausdruck lautete, 
„sich zur Burschenschaft hielten“, die Persönlichkeiten, welche, an Zahl 
gering, aber an Charakter und Tüchtigkeit ausgezeichnet, den Kern und 
Halt des großen exoterischen Kreises der burschenschaftlichen Gemeinde 
bildeten, die nach vielen Hunderten zählte. Sie verhandelten sogar zu⸗ 
weilen bei wichtigen Gelegenheiten, wie bei Vorbereitung allerhöchster 
Geburtstagsfestzüge und anderen Anlässen, mit denselben, um eine Ge⸗ 
meinsamkeit herzustellen oder Zerwürfnisse auszugleichen. Die schwarz⸗ 
rot⸗goldenen Bänder und Abzeichen waren ausdrücklich als Embleme
	        
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