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Erstes Buch. Die Kultur Die Cholera und der Aberglaube

Full text: Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit / Hermann, Georg (Public Domain)

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ben besonders liegt ihm ein Auszug aller feinen Kräfte der NVatur. 
Einfache Kräutermischungen und gewisse Fetteile des Tieres, Biber⸗ 
geil, zerriebene Gallensteine oder ähnliche Mischungen scheinen ihm 
allein bestimmt, den Heilsegen Gottes zu tragen. Und das Allerheil⸗ 
samste bleibt dem Volk das Wunder. Die Simpathie entfernt die 
Rose, die Warzen, die Ausschläge und greift in den Organismus der 
Schöpfung selbst ein. Die medizinische Polizei ist beständig auf der 
Jagd gegen die Volksärzte, aber sie entstehen doch immer wieder in den 
Winkeln und Hinterhöfen und einsamen Vorwerken vor den Toren. 
MWan tritt bei solchen unzünftigen Arzten ein. Sie sitzen bei ihrer sonst 
üblichen Gewerbesarbeit und fahren uns rauh und hart an, wenn wir 
von ihnen Bewährung ihrer Heilkraft erbitten. Teils ist dies die Furcht 
vor Verrat, teils aber auch der alte schon in Delphi bekannt gewesene 
Drang der sträubenden Ablehnung jeder übernatürlichen Zumutung 
von seiten solcher Ubernatürlichbegabten. Allmählich beschwichtigt man 
die Polternden, und sie rücken mit ihren Künsten hervor. So lernte der 
Knabe einst eine Art von Hexe kennen und sogar eine, die dicht im 
Schatten des Domes und des Königlichen Schlosses wohnte. 
Die altersgraue, von Bäumen beschattete Hofapotheke liegt in dem 
mittelalterlichen Flügelreste des Schlosses. Neben dieser Werkstatt As⸗ 
kulaps, wo mit scheuer Ehrerbietung die ausgestopften Vögel des Vor⸗ 
gemachs bewundert wurden, bis die Arzeneien durch das Fenster des 
Provisors abgeliefert waren, lag die bescheidene Hütte einer Heilkun⸗ 
digen, die sich geradezu als eine Zauberin dem Kinde darbot. An 
derselben Stelle, wo jetzt die Grundmauern des Kamposanto sich er⸗ 
heben und die kleine, Laufbrücke“ nach der Burgstraße noch nicht ge⸗ 
schlagen war, stand im Schutze des neugebauten Domes ein Durch⸗ 
einander kleiner Hütten und Baracken, und dicht hier am Schlosse, 
dicht an einer zünftigen Werkstatt Askulaps, dicht an der Hof⸗ und 
Domkirche vertrieb eine alte, lange, hagere Frau, der man sich nur nach 
vielem Betteln und Bitten um Hilfe nähern durfte, den Kindern die 
Drüsen, drehte ihnen die steifen Hälse um, „hob die Zapfen“, wahr⸗ 
sagte aus Karten oder Kaffeesatz, lehrte Sümpathie mit rohem Fleisch, 
das in die Erde unter eine tröpfelnde Dachrinne begraben wer⸗ 
den mußte, und trieb ähnliche wunderbare Abrakadabras der Volks⸗ 
heilkunde. An derselben Stelle, wo Cornelius die Heilwunder Christi
	        
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