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Erstes Buch. Die Kultur Malerei und Plastik

Full text: Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit / Hermann, Georg (Public Domain)

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dann sah, wie gefaßt er ihn zu verbergen weiß, so konnte er mir als 
ein Vorbild gelten. Hoffentlich wird ja der Kronprinz einmal zur Re⸗ 
gierung gelangen und diese, wie so manche andere Gefangene befreien. 
Ich befand mich unter den Leuten sehr wohl, ich habe doch eigent⸗ 
lich eine wahre Narrenneigung zur bildenden Kunst; sie kamen mir 
gut und zutraulich entgegen und hätten mich wohl gerne dort behalten. 
Sie klagten alle über den WMangel eines fröhlich zusammenlebenden 
und Produktionen austauschenden Zirkels. 
Von sonstigen Berliner Portraits und Begegnungen notiere ich noch 
Alexander von Humboldt, den ich mehrmals sah. Die enorme Gelehr⸗ 
samkeit, die Eleganz der Mitteilung, das Streben, sich über jedes, 
wovon er irgendeine Bereicherung für sich selbst hoffen durfte, au fait 
zu setzen, machten mir diese europäische Figur sehr interessant. Leider 
ist er Mode und Höfling, diese Verhältnisse zwingen ihn in Verbin⸗ 
dung mit seinem eigenen Naturell, oft den Unterhaltenden zu spielen, 
d. h. Anekdötchen zu erzählen und Späßchen zu machen. 
Eines Mittags fragte ich ihn aber, da ich wieder in meinen Gedanken 
auf Montezuma gefallen war, über Mexico aus, und da ergoß er sich in 
einen wahren Strom bedeutender Notizen und lichtvoller Andeutungen. 
Graf Redern hatte ihm vom neuen Hofer gesagt, und sogleich hatte 
er gegen ihn den Wunsch ausgesprochen, denselben kennen zu lernen. 
Ich nahm dies anfangs für ein Kompliment und wollte die Sache ab⸗ 
lehnen, allein Redern sagte mir, daß es Humboldts Ernst sei, und 
daß er nach allem Neuen, wovon er etwas erwarte, das lebendigste 
Verlangen hege. Er äußerte sich nach der Vorlesung so, daß ich merkte, 
daß er gefolgt war. 
Humboldts Außeres hatte ich mir etwas anders, höfischer, vorneh⸗ 
mer, parlamentarischer, möchte ich sagen, gedacht. Er hat etwas, was 
zwischen Abbé und französischem Waĩtre mitten innesteht. 
Steffens ist sehr viel in Gesellschaften, war daher, außer unter vielen, 
wenig zu haben; doch machte ich mit ihm einen Spaziergang à deux 
im Tiergarten. Ein ausdrucksvoller Kopf, feine Stirn, schöne Nase, 
etwas norwegisch⸗dänischer Anflug im Sprechtone. Sehr lebendig. viel 
redend, dozierend. 
Er sagte mir unter anderem, daß er den jungen Leuten immer vor⸗ 
halte, Philosophie sei keine Elementarwissenschaft; erst wenn man sich
	        
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