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Erstes Buch. Die Kultur Dichterprofile

Volltext: Das Biedermeier im Spiegel seiner Zeit / Hermann, Georg (Public Domain)

α αÄασαα Oανιανιαααα αειαν 94 νανα α αιασ αα ÄÊαXOeäůäαÄöÛÆäöÛäαα 
Um drei Uhr ließ ich mich bei Tieck melden. Er empfing mich freund⸗ 
lich, und nach den ersten allgemeinen Redensarten waren wir bald in 
einem inhaltsvollen Gespräche, in dessen Gewebe Immermann, Goethe, 
Grabbe, Euripides und seine Kritiker, Aristoteles und meine Arbeiten 
die Einschlagsfäden bildeten. Ich mußte ihm gefallen haben, denn erst 
nach einer Stunde entließ er mich mit dem Zusatze, daß er ‚,Männern 
meines Schlages in seinem Leben gern begegne“', und daß er mich 
auf heute abend zum Tee im Salon bei sich erwarte. So ging ich denn 
um 6 Uhr wieder hin in das unscheinbare alte düstre Eckhaus am alten 
Markte. Durch einen alten Waterialladen mit allerhand Kram⸗ und 
Tonnenwesen auf dem Flur, parterre, gelangt man auf einer dunklen 
Treppe in das zweite Stock, wo ein winkliger enger Diminutivvorplatz 
die Dunkelheit nur zu einer Art Dämmerung lichtet. Der Gegensatz 
zu Goethes heller, lichterfüllter Mohnung, ihrer stillen Ruhe und ängst⸗ 
lichen Sauberkeit bietet sich von selbst. Das Gesellschaftszimmer, ein 
geräumiges Quadrat, war noch leer. Nur das Arrangement der Sofas 
und Tische nebst den zahlreichen im Kreise gesetzten Armstühlen und 
Sesseln, die vielen Lampen und Lichter und der brodelnde Teekessel 
deuteten auf die zahlreiche erwartete Gesellschaft. —Ich hatte Muße, 
mir Tiecks Marmorbüste von Davied und die zahlreichen Bilder und 
Kupferstiche anzuschauen, von denen alle Wände bedeckt waren. Bald 
trat die alte Gräfin Finkenstein herein, an den Augen leidend, mit 
grünem Schirm, und mit ihr begann, nachdem sie sich auf dem Sofa 
etabliert, ein allgemeines Gespräch, das indessen durch Tiecks Eintritt 
bald unterbrochen wurde. Tieck ist klein von Gestalt. Der etwas starke 
Oberkörper wird von einem sehr schwachen Piedestal nur mühsam ge⸗ 
tragen. Die Haltung des schönen Kopfes ist ganz nach der linken Seite 
hin gebückt. Stehend gewährt er den Eindruck eines schwachen Greises, 
die ganze Gestalt drückt Leiden aus. Sitzend dagegen verschwindet dies, 
wie ich schon bei meinem ersten Besuch bemerkte, wo er mich in seinem 
Arbeitszimmer empfing, im Schlafrock, die zwei Finger der Linken 
gegen die Wange gelegt, stützend, die rechte ruhig herabhängend. — Ehe 
die Gesellschaft sich mehrte, hatte ich Gelegenheit, an seiner Seite unser 
Gespräch fortzusetzen. Bald indes nahmen die Eintretenden einen Teil 
seiner Aufmerksamkeit in Anspruch. Einheimische, besonders Damen, 
und Fremde stellten sich ein, ich bemerkte einen Geh. Rat v. Ungern⸗
	        
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