Ungleich schwieriger liegen bei der Handwcrkerschule die Verhältnisse
insofern, als sie viel mehr Schüler hat als die Gemeindeschulen, als
die höheren Anstalten. Die Lehrerschaft, meine Herren, wechselt häufig;
sie hat keinen festen Lehrerstamm wie die zuerst genannten Schulen;
die Disziplin ist daher viel schwieriger aufrecht zu erhalten in der
Handwerkerschule. Wenn sic annehmen, welche Fülle kostbaren Lehr
materials in der Handwcrkerschule aufgespeichert wird, so wird Ihnen
auch einleuchten, daß hier eine Ausnahme nicht gemacht werden soll,
daß mich hier der Leiter der Anstalt in dem Hanse selbst, auf dem
Grundstücke selbst wohnen möge.
Welches sind die Gründe des Magistrats, sich von unserer Ansicht
abzuwenden? Der Herr Banrath sagt mit Recht: das Gebäude wird
im großen Stile erbaut, nach großen Verhältnissen. Das ist richtig,
meine Herren. Er sagt: die Wohnung, die da hineingelegt wird,
könnte nur unwohnlich sein, müßte in jedem Falle aber auch sehr
theuer zu stehen kommen. Das Letztere hat für mich keine Wichtigkeit;
wenn das Interesse der Schule die Hi nehm erleg im g der Wohnung
erfordert, so spielt der .Kostenpunkt nur eine untergeordnete Rolle.
Mag die Wohnung auch nach mancher Richtung hi» nnwohnlicher
sein als manche andere, so spielt auch das keine Rolle; das Interesse
der Schule erfordert es eben.
Nun möchte ich betonen: die Frequenz der Schule wird hoffentlich
in nächster Zeit steigen. Es betrug im Jahre 1897/98 an den Sonn
tagen, den Maximaltagen, wo die Frequenz also am größten ist, die
Zahl der Schüler 1150. Die Räume aber, die uns zur Verfügung
bleiben, wenn wir die Wohnung einrichten, sind im Stande, nach
Kursen geordnet, 1600 Schüler aufzunehmen. Wenn wir, meine
Herren, mit dem Herrn Referenten und mit dem Herrn Baurath
hoffen und wünschen, daß die Frequenz recht schnell steigen möge, so
brauchen wir, wenn sie die Zahl 1 600 erreicht hat, die Wohnung
noch lange nicht zu kassiren; denn dann wird es der Lehrerschaft der
Handwerkerschule ein Leichtes sein, die Kurse, von denen ich sprach,
zu kombiniren; dann werden in vielen Fällen die zum Theil über
großen Lehrräume leicht im Stande sein. Doppelklassen aufzunehmen;
Die Wohnräume also können dann noch lauge bestehen bleiben.
Meine Herren, es liegt nach diesen Darlegungen für uns eigent
lich gar kein Grund vor, von einer Ansicht abzugehen, die mir als
richtig erkannt haben, einer Ansicht, die aus unserer Mitte heraus
begründet ist durch eine Fülle der ausschlaggebendsten Argumente.
Ich möchte Sie daher dringend bitten, den Ausschußantrag, wie er
hier vorliegt, abzulehnen, dagegen den Magistrat zu ersuchen, daß er
die Handwerkerschule nach den hier vorliegenden Plänen erbaut, in
jedem Falle aber die Wohnung, die in de» Plänen selbst vorgesehen
ist, mit hineinnimmt zum Besten unserer Handwcrkerschule, für die
wir eine so große, eine so stolze Summe zur Verfügung zu stellen
bereit sind.
Stadtbaurath Hoffman»: Meine Herren, wenn bei einem
öffentlichen Gebäude die Grundstücksverhültnisse es gestatten, eine
Direktorwohnnng in einem besonderen Gebäude oder Gebändeflügel
unterzubringen, dann ist technischerseits nichts dagegen einzuwenden.
Wen» aber wie hier ein Theil des eigentlichen Schulgebäudes dazu
benutzt werden muß, dann tritt doch die Frage an uns heran, wie
die dadurch entstehenden Kosten im Verhältniß stehen zu den dadurch
etwa entstehenden Vortheilen. Ich habe genau berechnet, wie viel
Quadratmeter Wohnungsfläche und Grundfläche durch die Wohnung
benutzt werden; es werden im Ganzen 716 qm beansprucht.
(Hört, hört!)
Wenn ich nun den Werth des Grundstücks und die Baukosten
berücksichtige, so entfallen auf 1 qm zusammen 170,so M. Es würde
sonach die Wohnung im Ganzen kosten 122 000 Jt, und das giebt
bei Zugrundelegung eines Prozentsatzes von 4 pCt. eine Jahres
miethe von 4 880 Jt und von 5 pCt. eine Jahresmiethe von 6 100 Jt.
Die Miethe würde also entsprechen dem Gehalt, das der Direktor
bezieht. Wenn Sic bedenken, daß der Direktor einer Handwerker
schule 900 Jt Miethseutschädigung erhält, so würde das 4 bis 6mal
so viel sein, als von Ihnen in anderen Fällen als für diesen Zweck
geeignet erachtet wird. Ich glaube, daß es unter diesen Umständen
wohl berechtigt sein würde, sich zu überlegen, ob die Vortheile, die
diese Wohnung bringt, so groß sind, daß man eine solche Summe
dafür aussetzt. Der Magistrat ist der Ansicht gewesen, daß, nachdem
sich gezeigt hat, daß bei der anderen Handwerkerschnle ein sehr guter
Betrieb ist, ohne daß die Wohnung im Gebäude ist, das auch hier
möglich ist; deshalb hat er beschlossen, davon abzusehen.
Stadtverordneter Kleefeld: Meine Herren, ich halte mich
für verpflichtet, noch einige Worte hierzu zu sagen, weil ich hoffe,
daß Sie unserem Antrag auf Ablehnung der Magistratsvorlage zu
stimmen werden. Ich habe geglaubt, der Herr Baurath werde noch
neues Material für seine Anschauung vorbringen. Er hat sich im
Wesentlichen darauf beschränkt, ein rechnerisches Ergebniß festzustellen.
Darin stimme ich mit Herrn Ulrich vollständig überein, daß wir hier
nicht markweise den Preis abwägen können, wenn es sich darum
handelt, ein bestimmt vorausgesehenes Erforderniß zu erfüllen.
Meine Herren, es hat mich überrascht, in den Ausführungen nicht
mit einem Worte erwähnt gefunden zu haben, daß das Kuratorium
der Handwerkerschule einstimmig beschlossen hat, die Direktorwohnung
hineinzulegen. Wohl war der Herr Baurath schon damals dagegen,
und es beschlich diejenigen, die ihn kennen, ein leises Ahnen, daß er
seine Meinung durchsetzen wird. Aber wir haben in das Kuratorium
Personen gesandt, von denen Sie nach Ihrer Wahl annehmen konnten,
daß sie dem Handwerkerstand durch ihre Kenntniß förderlich sein
wollten, und daß sie auch die Bestrebungen der Schule nach Kräften
fördern wollen. Darunter befinden sich nicht nur Schulmänner,
sondern neben Schulmännern Bauverständige, Großindustrielle, die
ganz gewiß auch wußten, daß diese Wohnung theurer werden würde
als in einem anderen Gebäude, und dennoch waren sie einstimmig
der Ansicht, daß es im Interesse der Sache erforderlich war, die
Wohnung hineinzulegen.
Meine Herren, in der Begründung ist nicht gesagt, daß es ab
fohlt unmöglich sei; es ist nur darauf hingewiesen, daß die Wohnung
gewisse Mängel haben würde, die sie nicht wohnlich erscheinen lassen.
Der Herr Direktor, der da hineinziehen wird, wird sich gewiß auch
bald in die Verhältnisse hineingefunden haben.
Andererseits ist aber eigenthümlicher Weise noch angeführt: die
Anwesenheit einer Dienstwohnung in diesem Gebäude erhöht die
Fencrsgefahr. Wenn das hineingesetzt wurde, hätte auch hinzugefügt
werden müssen: der Schuldiener wohnt auch da, aber die Schul-
diener sind vorsichtiger mit Feuer und Licht als der Direktor. Denn
es ist doch Thatsache, daß der Schuldiener auch eine Dienstwohnung
in dem Gebäude hat. Das sind Merkmale einer nicht stichhaltigen
Begründung, und ich hätte gewünscht, der Herr Banrath wäre uns
in dieser Hiniicht entgegen gekommen und hätte nicht die von Ihnen
eingesetzte Instanz für die Förderung der Handwerkerschnle so des-
avouirt, daß nun der Magistrat sagt: er will es nicht.
Aus allen diesen Gründen bitte ich Sie: nehmen Sie unsern
Antrag auf Ablehnung an!
Stadtverordneter l>i\ Schwalbe: Meine Herren, die Sache
ist nicht so einfach, wie sic aussieht. Wir haben damals in der Ver
sammlung nach reiflicher Ueberlegnng ziemlich einstimmig beschlossen,
eine solche Direktorwohnung da hineinzulegen, und zwar aus rein
sachlichen Gründen. Eine Schule wie die Handwerkerschnle kann
nur gut und richtig geleitet werden, wenn ein Direktor darin wohnt.
Gerade dieses Argument, das der Magistrat anführt, daß bei der
ersten Handwerkerschule keine Wohnung wäre, ist meiner Ansicht nach
zu Ungnnsten des Magistrats ausgefallen. Denn da hat sich gezeigt,
welche Schwierigkeiten vorhanden sind bei Herrn Direktor Jessen, um
die Leitung der Handwerkerschule so durchzuführen, wie es geschehen
ist; es ist nur mit der größten Aufopferung möglich gewesen. In
der That, es ist die Dienstwohnung nicht eine Gefälligkeit gegen den
betreffenden Herrn, sondern es ist meiner Ansicht nach die ganze
Dienstwohnnngsangelegenheit aus der Nothwendigkeit hervorgegangen.
Nun möchte ich noch — ich habe bereits allen Verhandlungen
beigewohnt mit Ausnahme der Ausschnßberathung — Einiges an
führen, was damals auch zur Sprache gekommen ist. Herr Ban
rath Hoffmann war an und für sich nicht abgeneigt, dieser Forderung
nachzugeben. Er wies darauf hin, daß das natürlich Schwierigkeiten
haben würde bei der Höhe der Räume; aber die Maße, die jetzt ge
nannt wurden, stimmen, glaube ich, nicht ganz mit den ursprünglichen;
es sind, wenn ich nicht irre, die Korridore mit eingerechnet und Alles,
was zu der Dienstwohnung führt. In anderen Dienstwohnungen
sind ja die Räume größer als hier, wo, wir mir mitgetheilt worden
'ist, für die eigentliche Dienstwohnung nur 205 qm erforderlich wären,
und die übrigen sich auf die Zugänge u. s. w. erstrecken.
Nun muß ich weiter sagen: wenn der Magistrat solche Argumente
angeführt hat wie die Fencrsgefahr, so ist das höchst eigenthümlich.
Nicht allein der Grund, den Herr Kollege Kleefeld genannt'hat, spricht
dagegen; nein, ich möchte den Beweis irgendwie beigebracht haben,
ob in irgend einer Wohnung, wo Direktoren wohnen, die Feuers
gefahr größer geworden ist; der Beweis ist überhaupt noch nie er
bracht worden. Ich muß mich ausdrücklich gegen eine solche Sache
erklären, die, rein aus der Luft gegriffen, nachher benutzt wird, um
eine Sache zu stützen, die damit nicht gestützt werden kann.
Ganz ebenso ist es mit den anderen Gründen, die der Magistrat
vorbringt; ich meine aber, alle diese Gründe können nicht so schwer
wiegen wie der Beschluß der Versammlung. Was kann uns bewegen,
von diesem Beschluß abzugehen. Es ist dieselbe Sache, die wir in
früheren Jahren und Jahrzehnten erlebt haben, daß, wenn die Ver
sammlung an einer Skizze zuerst etwas geändert und einen Wunsch
ausgesprochen hat, im Magistrat die Sache wieder ganz dem entgegen
geändert wird. Ich meine, wir können ruhig die Dienstwohnung
bewilligen. Der Magistrat wird damit zurechtkommen, und Sie
werden der Handwerkerschule und ihrem Gedeihen große Vortheile
darbieten. Die Besorgniß, daß die Frequenz so groß würde, daß die
Wohnung geräumt werden müßte, ist vollständig unbegründet. Wir
haben neben der Handwerkerschule die Fachschulen, den Gewerbesaal,
und es ist nicht zu erwarten, daß in der Gegend die Frequenz so
hoch steigen würde, daß wir in Verlegenheit kämen. Im Interesse
der Handwerkerschnle und der Entwickelung dieses Unterrichts möchte