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gestaltung des Landsturms
in die rechten Wege zu leiten
und alles zu beschleunigen.
Denn die Zeit drängte, und
die Gefahr für Berlin wurde
gerade im Mai wieder
größer.
Zum Kommandeur
über das für den Schutz
Berlins aufgestellte Heer
war Generalleutnant von
Bülow ernannt worden.
Er war ein schlichter, ehr—
licher, wahrheitsliebender
Mann, kein Freund von un—
nützen Redensarten, aber
schwierig zu behandeln, da
er über vieles seine eigene
Meinung hatte und ge—
wöhnt war, ihr in scharfen
und oft verletzenden Worten Ausdruck zu verleihen. Mit Blücher.,
zu dessen Stab er eine Zeitlang kommandiert war, hatte er
sich vollständig überworfen. Die Großzügigkeit und der Wagemut
eines gottbegnadeten Feldherrn fehlten seiner Natur. Er war be—
dächtig und namentlich anfangs von übergroßer Vorsicht. Aber er
besaß trotzdem Mut und Tapferkeit, und sein Zögern ging viel—
fach aus dem Gefühl der großen Verantwortung hervor, die auf
ihm lag. Er sollte noch zur Genüge beweisen, wie ernst es ihm mit
seiner Aufgabe war, die Hauptstadt zu schützen, und wie er im rechten
Augenblick alles Zaudern zu vergessen und auch gegen überlegene
Kräste mit schneidiger Entschlußkraft vorzugehen vermochte.
Jetzt mußte er erst seine Truppen ineinander gewöhnen, um
so mehr, da die neue Einrichtung der Landwehr noch nicht richtig
arbeitete und man den so schnell ausgebildeten und notdürftig be—
waffneten Mannschaften vielfach mißtraute. Am 1. April hatten
seine Truppen vor dem König Parade abgelegt, dann war er zur
Beobachtung Magdeburgs ausgezogen, um, hierin von den Russen
unter Woronzow abgelöst, weiter südlich vorzugehen. Er hatte bald die