Nr. 2
α«
Sonntagmorgen im Münchner Bahnho
das kommt eben dahet, weil's keine richtige
Polizei mehr gibt! Schlagen sich ein paar
Lcut' den Kopf mit Maßkrügen ein, gleich
nischt fie sich 'rein, die Polizei, wo sie doch
o eine gemütliche Auseinandersetzung gar nix
angeht. Aber den Wintersport, den Unfug,
den erlgubt s'! Da sieht sie nix und hört sie
nix! Ganz preußische Zuständ' kriegen mir
ioch in Bayern. Endlich sitzt Herr Obermeier
im Coupé. Nichts wie Stier, Schlitten sieht
er vor den Augen. Alle Gepäcknetze liegen voll
»on dem Teufelszeug. Und das Geschnatter!
Was sie nur so vergnügt zu sein haben, das
sunge Gschwerl, wo's Bier immer teurer wird,
und auch der Schnupftabak und überhaupt alle
wichtigen Nahrungsmittel. — „Grüß Di Gott,
Sustlh!“ ruft ein junger Bursch zum Coupé—
Also
vwohin?
Berliner uustrirte Zeitung.
Zeichnung
von Rein⸗
old Pfeiffer
2
2904
— 04αααααα
Auszug der Sonntags⸗-Skifahrer nach den ober—⸗
bayerischen Wintersportplätzen.
Zeichnung von Reinhold Pfeiffer.
fenster hinaus. „J bab scho glaabt, Du ver—
säumst den Zug! Komm nur 'rei', s' is no
Platz herin!“ Jetzt da hört sich doch alles auf!
Noch Platz herin! Wo der ganze Zug schon
voll ist von dera Wintersportsbagagen! Noch
mehr zusammen rucken soll er! Gar kein Re—
spekt mehr hat's, die heutige Jugend, vor
einem asthmatischen Bierbauch. Is schon ein
Wunder, daß der Staat überhaupt noch zu—
sammen hält! Und giftig, in sich hinein—
schimpfend, zieht sich das lendenlahme Phi—
listerium in den äußersten Entrüstungswinkel
zurück, während die frische, lachende Jugeud
dem klaren Wintertag entgegenjauchzt: uns
Jungen gehört die Welt!
Karl Ettlinger-Muünchen.