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Berliner Illustrirte Zeitung.
allerwärts ist das Seebad ein bloßes
Heilmittel — in Ostende allein ist es
zudem noch ein Vergnügen. Keine
Schranken, keine Polizeiverordnungen
hemmen die Unterhaltung, den Ver—
kehr zwischen Menschen und Menschen
im freien Meere. Die kindlichste Harm⸗
losigkeit sucht sich hier ihre Stätte so
zut wie die ausgemachte Leichtfertigkeit,
und jeder duldet fröhlich die andere
Das Bad ist hier ein leichtes, liebens⸗
vürdiges Spiel. Den Strand zur
Badezeit zu betrachten, ist ein ange—
nehmer Zeitvertreib. Als ob es zu
rinem Feste ginge, erscheinen die grazi⸗
öͤsen Französinnen in seidenen, bänder⸗
geschmückten Badekostümen mit großen
Badehüten oder Hauben. Vom Arm ihres
Begleiters gestützt, schreiten sie den bran—
denden Wogen entgegen oder schwimmen
dinaus in die klare wellige Flut.
Ostende ist nicht nur das Paradies
der Großen, sondern auch das der
Kinder. Die Burgenbauten im feuchten Sande des Strandes, die bunten Fähnchen: das
alles findet man hier wie in jedem Seebade. Aber in Ostende haben diese Spiele einen
janz anderen Charakter. Das Zusammenströmen von Angehörigen aller Völker der
Erde gibt auch dem Kinderleben einen ganz anderen Ton. Man beobachtet mit Vergnügen
die Mannigfaltigkeit der Temperamente, man studiert die Eltern an der Art, wie sie
ihre Kinder kleiden, sie erziehen, an der Freiheit, die sie ihnen lassen. Vom scheuen, ver—
schüchterten deutschen Backfisch bis zum übermütigen äffisch herausgeputzten jungen Pariser und
his zum selbstbewußten, in Kleidung und Manieren schon die Großen nachahmenden amerika⸗—
nischen Boy sind hier alle Typen vertreten.
UVon der grossen Ruderregatta in Grünau bei Berlin.
Scene aus dem Rennen um den zweiten Junior-Vierer. (R.eC. Wiking-Berlin Sieger.)
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Nr. 25
Interessserte Zuschauer.
STpeise wasen dritter RKlasse.
Ruderregatta jn Grünau. Am Landungssteq.
Im Frühjahr und Sommer, wenn die Ferien—
reisen beginnen, pflegt stets im Publikum das
Interesse an Eisenbahn-Reformen zu erwachen. Zu—
mal diejenigen, die der Weg ins Ausland führt
sind in der Lage, Vergleiche anzustellen, und Vor—
züge wie Nachteile der deutschen und fremdländischer
Eisenbahnen gegen einander abzuwägen. Wer nach
Italien oder Frankreich gereist ist, wird mit den
deutschen Bahnverwaltungen recht zufrieden sein,
denn es gibt in keinem der zu den Großmächten
zählenden Ländern miserableres Bahnwesen, als in
Frankreich und Italien. Deutsche Eisenbahnen
'ahren durchschnittlich schneller, halten die Fahrzeiten
pünktlicher ein, und bieten den Reisenden größere
Bequemlichkeiten. Wer von Rußland heimkehrt, stell
mit Bedauern fest, daß dort die Kupees geräumiger
sind, und wen sein Weg nach Schweden geführt hatte,
der weiß nicht genug die bequemen schwedischen
Schlafeinrichtungen zu rühmen. Am ,lehrreichsten
aber ist das Ergebnis eines Vergleiches mit England
Dort übertrifft die Geschwindigkeit der Züge die der
unseren wesentlich, und an die Bequemlichkeit sowie
den Komfort der englischen reichen unsere deutschen
Bahnen nicht heran. England besitzt keine Staats
bahnen, sondern viele Privatgesellschaften haber
die Linien in Pacht. Und damit diese nich
wie in Frankreich aus Unternehmer-Habsucht
Has Wettgehen wird epidemisch: Start Condoner Geishas zu einem Distanzmarsch