fullscreen: Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 18.1911 (Public Domain)

retteten nahm sich Herr Pfarrer Hellerhof im benachbarten 
Langenhagen, ein Ttudiengenosse des oersiorbenen Ober- 
pfarrers Herold an. Die Leichen der Verunglückten wurden 
vorläufig im Strandhotel aufgebahrt. Die unglücklichen 
^pfer werden jedenfalls in Strausberg beigesetzt werden, 
wo sich das Grab des Pfarrers Herold befindet. Die 
Borbereitungen der Bestattung hat der Bruder der Frau 
Herold, Or. jur. Hankwitz in Tempelhof übernommen, der 
von Pfarrer Hellterhof telegraphisch nach Deep gerufen 
worden ist. — Frau verw. Oberpfarrer Herold bewohnte 
seit Sept. o. Js. hier im Gartenhaus Cranachstr. 16 eine 
Wohnung. Ihr Gatte. Oberpfarrer Herold, amtierte zuletzt 
in Kremmen in der Mark; vorher war er lange Jahre in 
Rerchenberg bei Bornim, wo auch die beiden Kinder ge 
boren sind. Außer den oben bereits genannten Kindern 
gehören zur Familie noch zwei Söhne. Ein 23 Jahre 
alter Sohn ist in Thorn beschäftigt, der dritte 21 Jahre 
alte Sohn Helmut studiert in Berlin Rechtswissenschaft 
und verbrachte seine Ferien in Greifswald. Er wollte 
gleichfalls mit seiner Mutter und seinen Schwestern am 
Montag nach Friedenau zurückgekehren. 
o Eine verhängnisvolle Verwechselung hätte 
um ein Haar dem in der Ringbahnstr. 116 wohnhaften 
Eisenbahnarbeiter Adam Morrisch das Leben gekostet. M. 
wollte von einem Schrank ein Medizinfläschchen nehmen, 
griss in der Dunkelheit aber daneben und erwischte eine 
Flasche mit Chloroformäther. Noch ehe er den Irrtum 
bemerkt hatte, nahm der Bedauernswerte einen herzhaften 
Schluck von der ätzenden Flüssigkeit. Sofort stellten sich 
furchtbare Schmerzen ein und der Unglückliche wäre den 
erlittenen schweren inneren Verletzungen zweifellos erlegen, 
wenn nicht die Rettungsabteilung der Wilmersdorfer 
Feuerwehr mit Hilfe eines Arztes sofort wirksame Gegen 
maßnahmen ergriffen hätten. In schwerkrankem Zustande 
wurde Morrisch schließlich dem Elisabeth-Krankenhause 
zugeführt. 
o Verdorbenes Kasseler. Heute Vormittag wurden 
auf dem Wochenmarkt an der Lauterstraße vom Polizeitier 
arzt Herrn Kreistierarzt a. D. Dr. Schaefer an zwei Ständen 
IV3 Pfund und 41/4 Pfund verdorbenes Kasseler (Schuft) 
beschlagnahmt. 
0 Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: Eine Brosche. Die rechtmäßige Eigentümerin 
wird aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei Monaten 
im hiesigen Amtsbüro, Feurigstraße 8, Zimmer 8, geltend 
zu machen, da sonst anderweitig über den Fundgegenstand 
verfügt werden wird. 
Lichtenstein, dem die Residenz eine ihrer Hauptzierden ver 
dankt, war ein Hamburger, 1780 in der alten Hansastadt 
geboren. Er studierte in Jena und Helmstedt Medizin, 
und sein Beruf als Arzt führte ihn frühzeitig in die weite 1 
Söelt, die damals für einen unbemittelten Mann nicht 
ganz leicht zu durchqueren war. Als zweiundzwanzig- 
jähriger junger Mediziner, der eben promoviert hatte, 
erhielt er eine Stelle als Hausarzt beim holländischen 
Gouverneur der Kapkolonie. Dort fand er Gelegen 
heit, das Innere der Kolonie gründlich zu durch 
streifen und seine naturwissenschaftlichen und namentlich 
zoologischen Kenntnisse zu erweitern. Nach zwei Jahren 
ward er Stabsarzt bei einem Bataillon der holländischen 
leichten Infanterie und bald darauf als Regierungs 
kommissar im Dienste der batavischen Rupublik zu den 
Batschuanen gesandt. Als die Kolonie von den 
Engländern erobert wurde, kehrte er 1806 nach Deutschland 
zurück und lebte zunächst in Göttingen und Jena, wo er 
seine Sammlungen und sein handschriftliches Material 
ordnete. Im Jahre 1810 ging er dann an die neu 
gestiftete Universität Berlin, um hier Vorlesungen zu 
halten, wurde bereits 1811 ordentlicher Professor der 
Zoologie und übernahm zwei Jahre später die Leitung 
deS Zoologischen Museums, dem er zu großem Ansehen 
verhalf. Mit der Absicht, einen zoologischen Garten zu 
begründen, mag sich der verhältnismäßig junge Gelehrte 
frühzeitig getragen haben, aber seine Pläne kamen erst 
nach Jahrzehnten zur Verwirklichung. Im August 1840 hatte 
er einen Aufsatz verfaßt, der den Titel führte: „Gedanken 
über die Errichtung zoologischer Gärten bei Berlin/ Durch 
Vermittlung Alexander von Humboldts wurde die Ab 
handlung dem König vorgelegt, der von dem Plane so 
eingenommen war. daß er bereits am 31. Janunr des 
folgenden Jahres in einer Kabinettsorder die Einwilligung 
zur Begründung des Instituts gab. Gleichzeitig stellte er 
das Gelände der König!. Fasanerie zur Verfügung und 
ließ den größten Teil deS Tierbestandes deS Königlichen 
Gartens auf der Pfaueninsel nach Berlin überführen. Im 
August 1844 konnte der Zoologische Garten bereits er 
öffnet werden. WaS er im Laufe der Zeit aus be 
scheidenen und kleinen Anfängen wurde, weiß jeder 
Berliner. ES war ein Glück für das Institut, daß Lichten- 
steinS Nachfolger in der Leitung des Gartens von gleicher 
Wissenschaftlichkeit und Umsicht waren wie der Begründer, 
der auf einer Reise auf einem Postdampfer am 2. Sep 
tember 1857 starb. 
Schöneöerg. 
—o Die Grundsteinlegung für die neue evangelische 
Kirche in der Heilbronnerstraße findet am 26. September statt. 
—o Handelsgerichtliche Eintragungen. Nr. 38 063 
Firma: Karl Welzel in Berlin. Inhaber Karl Welzel, 
Fabrikant, Schöneberg. Bei Nr. 35 075. Kommanditge 
sellschaft Arthur Schürer & Co. in Berlin. Sitz jetzt in 
Schöneberg. 
—o Ueber den Nachlaß des am 20 Juli 1911 zu 
zu Berlin, An der Apostelkirche 3., seinem letzten Wohn 
sitze, verstorbenen Töpfermeisters August Jdeler ist Nach- 
laßoerwaltung angeordnet. Nachlaßverwalter ist der Ge 
werbeassessor Edmund Zirner in Schöneberg, Thorwaldsen- 
straße 5. 
Aertin und Aororle. 
o Wilmersdorf. Der Magistrat hat beschlossen, zu 
dem im Septembtr in Dresden stattfindenden Interna 
tionalen Kongreß für Feuerbestattung die Stadträte Fuhr 
mann und Brohm sowie den Stadtbaurat Herrnring zu 
entsenden. Die Eindrücke und Erfahrungen, die die Herren 
in Dresden gewinnen, sollen bet dem Bau des Wilmers 
dorfer Krematoriums verwendet werden. 
Der Begründer des Zoologischen Härtens. 
ES find jetzt gerade hundert Jahre her, daß der Be- 
gründer deS Zoologischen Gartens an der Berliner Universität 
eine ordentliche Professur erhielt, das Amt, daS in ihm 
wohl zuerst den Gedanken entstehen ließ, der preußischen 
Hauptstadt einen Zoologischen Garten zu schaffen. Der 
Name des verdienstvollen Mannes ist nicht recht volks 
tümlich geworden. Unweit des großen Raubtierhauses 
steht seine Büste — daß die Lichtensteiner Allee, die vom 
Tiergarten nach dem Zoologischen Garten führt, und die 
Lichtensteiner Brücke nach ihm ihren Namen führen, ist 
nicht vielen Berlinern bekannt. Martin Heinrich Karl 
Bekanntmachung 
Nach den gesetzlichen Bestimmungen müssen alle' diejenigen Kinder 
ru"Michaelis d. IS. eingeschult «erden, welche in der Zeit vom 1. April 
bis 30. September 1911 6 Jahre alt geworden find oder werden, sowie 
diejenigen Kinder, welche bisher wegen Krankheit oder aus anderen 
Gründen vom Schulbesuch drfteit waren. 
Die Anmeldung hat zu erfolgen: 
für die Vorschule des Gymnasiums bei Herrn Direktor Dr. Busch, in der 
Sprechstunde von 10 bis 11 Uhr, im Gymnafium, 
für die Königin-Suise-Schule bei Herrn Direktor Hannemann, in der 
Sprechstunde von 12 bis 1 Uhr im Echulhause, Goßlerstraße 15, 
für die Gemeinde-Knabenschule bei Herrn Rektor Kaul, in der Sprech- 
b*. stunde von 11 bis 12 Uhr im Echulhause. Albestraße 32 
für die Gemeinde-Mädchenschule bei Herrn Rektor Jaeschke, rn der Sprech- 
stunde von 11 bis 12 Uhr im Schulhause, Rheingaustraße 7. 
Die Anmeldung »«fc spätestens bis zu« 1. September 
erfolgt fein. . 
Es sind folgende Papiere mitzubrrngen: 
2. der Taufschein 'oder eine Bescheinigung der Zugehörigkeit zu einer 
Religionsgemeinschaft. . „ . v , , r , 
3 der Geburtsschein, falls das Kind nicht m Friedenau geboren ist. 
Sollte die Einschulung wegen Krankheit oder zurückgebliebener 
körperlicher Entwickelung nicht angängig erscheinen, so muy dies unter 
Beifügung einer ärztlichen Bescheinigung über die Notwindigkelt rer 
Zurückstellung bis spätestens 1. Oktober d. Js. hierher mitgeteilt werden. 
Netleyt die Absicht, das Kind in eine Privatschule einzuschulen oder 
privatim unterrichten zu lassen, so ist unter Beifügung des Ausnahme- 
b<>.>ns t>er Nrivatfchule bezw. unter Angabe von Name und Wohnung 
fctrm V I DUobn d. Js. hierüber Mitteilung 
^ Friedenau, den 17. Stufluft 1911. 
Die Schuldeputation. 
*o Eine Ergänzung der Zusammenstellung der auf den Eisen 
bahnverkehr bezüglichen Bestimmungen der Zoll- und Handelsverträge 
des Deutschen Reichs und ihrer Schlußprotokolle, gibt der Minister 
v. Breitenbach bekannt. Im Handels- und Schiffahrtsvertrag mit 
Schweden vom 2. Mai 1911 lautet Artikel 12 des Handelsvertrages 
wie folgt: Auf Eilenbahnen soll weder hinsichtlich der Beförderungs 
preise noch der Zeit und Art der Abfertigung ein Unterschied zwischen 
den Bewohnern der Gebiete der vertragschließenden Teile gemacht 
werden. Insbesondere sollen für schwedische oder aus Schweden 
kommende, nach einer deutschen Station oder durch Deutschland be- 
förderte Gütersendungen auf den deutschen Bahnen keine höheren 
Tarife angewendet werden, als für gleichartige deutsche oder aus 
ländische Erzeugnisse in derselben Richtung und auf derselbe» 
Verkehrsstrecke. Das gleiche soll auf den schwedischen Bahnen für 
deutsche oder aus Deutschland kommende Gütersendungen gelten, die 
nach einer schwedischen Station oder durch Schweden befördert werden. 
Ausnahmen sollen nur zulässig sein, soweit es sich um Transporte zu 
ermäßigten Preisen für öffentliche oder milde Zwecke handelt. 
"o Wunder der Natur. Im Golf von Mexiko liegt eine Insel, 
die infolge Ebbe und Flut^ihre Färbung am Tage ändert. Bei ein 
tretender Ebbe ist der Strand dieser Insel mit Millionen winziger 
purpurroter Schnecken bedeckt. Sobald nun wieder die Flut eintritt 
und diesdr gelbe Sand von den Wellen auf die am Strande lagernden 
unzähligen Schnecken geworfen wird, dann glaubt man, das Meer- 
wasser sei mit einer Unzahl von Goldfäden durchzogen. In der 
Südsee befindet sich eine Insel, die eine Bambusart, Karimara 
genannt, hervorbringt, welche bei einigem Reiben zu brennen anfängt. 
Die Eingeborenen schneiden dieses Bambusrohr in dünne Streifen 
und reiben dieselben aneinander, bis ein Flämmchen entsteht. Auf 
dieser Insel wächst auch ein Baumharz, das den Bewohnern als Fackel 
dient. So dient ihnen die eine Pflanze zum Feueranzünden und das 
andere Naturprodukt als Lichtspender. Diese Fackeln aus Baumharz 
sollen ein sehr gleichmäßig brennendes und Helles Licht abgeben. In 
den Felsengebirgen von AderSbach und Weckelsdorf gibt es ein sieben 
faches Echo. Weit übertroffcn wird jedoch dieses seltene Echo durch 
dasjenige im Park zu Woodstock. Es gibt 17 Silben wieder. In 
Närö gibt es ein neunfaches Echo und in Wales ist ein 25faches Echo 
zu finden. In der Schweiz verändert der Moralsee seine dunkle 
Färbung alle zehn Jahre in ein leuchtendes Rot. Die eigentümliche 
Naturerscheinung rührt von einer winzigen Pflanze her, die jedoch so 
klein ist, daß man sie ohne Mikroskop nicht erkennen kann. Welch 
erstaunliche Gewalt die Meereswogen auszuüben verstehen, darüber 
gibt am besten ein Beispiel Aufschluß, das von Augenzeugen berichtet 
wird. Am Strand von Biarritz wurde ein dort befindlicher mächtiger 
FelSblock infolge eines Meeresnurmes vpn der.Brandung viele Meter 
Deschintz. 
Das Verfahren zum Zwecke der 
Zwangsversteigerung deS in Friede- 
nau, Rheingau- Ecke Odenwald- 
straße IS belegenen, im Grundbuche 
von Friedenau Band 32, Vlatt 
Nr 1422 auf den Namen des Archi 
tekten Arwed Krumbholz zuFriedenau, 
Peter Vischerstraße 20 eingetragenen 
Grundstücks wird aufgehoben, da 
die Antrazstelleiin, offene Handels 
gesellschaft in Fa. Hahn, Herxheimer 
& Co. in Berlin, Markgrafenstr. 22 
den Antrag auf Zwangsversteigerung 
zurückgenommen hat. Der auf den 
1. November 1911 besttmmte Termin 
fällt weg. - Akte.izeichcn 10 K. 
154. 11. 
Schöneberg, den 19. August 1911. 
Königliches Amtsgericht. 
Bertin-SchSneber!, Abt. 10. 
Neu eröffnet. 
Psycho - therapeutisches Institut, 
Heilung von Nervenlähmungen, 
Herzleiden und Neurosen. [6712 
Stierstr. 16, II. 
Sprechstunden 10—11, 4—5 Uhr. 
frrtiiicdiimgril 
ernste und heitere Vorträge, Tafel 
lieder, Tischreden, Hochzeitszeitungeu 
rc., auf die Personen paffend, schnell 
gut, bill. Wilhelm Hauffstr. 7» 111. 
Versteigerung. 
Am DienStaq, den 29. Sluguft 1911, 
nachmittags 3 Uhr werde ich in 
Friedenau, Rheinitr. 28 folgende 
Gegenstände: 
die kompl. Einrichtung eines 
ButtergefchäftS, Regale, 3 
Wiegeschalen. Konserven. 4 
. Vvgenlampen, Schaufenster, 
-inrichtung. 2 Markisen, 
Jnnenbeleuchtnng, Rektamr- 
sacheu u a. 
öffentlich meistbietend gegen so 
fortige Barzahlung versteigern. 
Zühlke, Gerichtsvollzieher, 
6783s Echöneberg, Ebersstr. 89. 
west ins Land Hineingeworfen. Man Hat später der Wiffenschast 
Halber diesen Block gewogen. Der Hatte das riesige Gewicht von 
63 Zentnern. Hieraus kann man sich wohl erklären, daß es den vom 
Sturm gepeitschten MeereSwellen ein Leichtes ist, Küstenstädten übel 
mitzuspielen, wie fich dies z. B. in Messina, Catania, Reggio und 
zuletzt auch in Triest während der süditalienischen Erdbebenkatastrophe 
gezeigt hat. 
"o Arthur Schopenhauer, seit dessen Tode nun schon ein halbes 
Jahrhundert veiflossen ist, entstammte einer geistig sehr kräftigen und 
eigenwilligen Familie. Schon der Urgroßvater des berühmten 
Philosophen, der in der alten Reichsstadt Danzig wohnte, war alles 
andre als ein .Schablonenmensch"; er lebte gerade so, wies ihm 
gefiel, wenig aber, wie es anderen gefällig war. Einst kehrte Zar 
Peter mit seiner Gemahlin Katharina bei ihm ein. Doch das dem 
Zar paffende Zimmer war nicht nur daS kälteste im Hause, sondern 
ihm fehlte auch ein guter Ofen. Was tat nun „Andreas" Schopen 
hauer? Er ließ ein paar im Kell-r liegende Fäßchen Branntwein 
heraufbringen und goß deren Inhalt über die Steinfliesen de« Zimmers. 
Dann findete er den .Branntweinteich" an. Mit einem Male war 
das Zimmer von einem lodernden Feuer erfüllt, daß das Haus zu 
zersprengen und auch schließlich weiterzugreifen drohte. Mit größter 
Mühe ließ sich der Brand eindämmen. Da erschien aber auch schon 
der Zar, entzückt über den mächtigen Brand und die originelle Art 
der Erwärmung. Er schlief mit seiner Gemahlin trotz des SchnapS- 
dunstes vorzüglich in diesem Zimmer. — Eigenwillig und trotzig, ja, 
wenn's drauf ankam, schroff, war auch der Sohn geartet, dessen Sohn 
wieder auch nichts in den genannten Eigenschaften zu wünschen 
übrig ließ. Arthur Schopenhauers Vater war ein sehr schwerhöriger 
Handelsherr. AIs dieser nun eines Tages mit der frohen Botschaft, 
ihm sei ein Knabe geboren, ins Kontor trat, meinte ein witziger Buch- 
Halter, seinen Kollegen gut hörbar: „Na, wenn er dem Papa ähnlich 
wird, so muß er ein schöner Grobian werden!" Und Arthur wurde 
ihm ähnlich. Vieles wäre von den Sonderbarkeiten Arthur Schopen- 
Hauers zu erzählen. AlS der Weise von Frankfurt an der Hoteltafel 
spelste, legte er eine zeitlang ein Goldstück vor sich hin, um es nach 
der Tafel wieder zu sich zu stecken. Befragt, was das bedeuten solle, 
meinte der Denker: er habe dieses Goldstück vor sich hingelegt, um eS 
der Armenbüchse zu opfern — unter der Voraussetzung aber, daß die 
stets um ihn sitzenden Herren Offiziere einmal von etwas anderem 
reden würden als von den Frauenzimmern, den Pferden und den 
Hunden. Leider habe er auf diese geistige Vertiefung bisher umsonst 
gewaltet und das Goldstück sei nach der Tafel wieder in seine Tasche 
spaziert. — AIs der große Philosoph gestorben und sein Testament 
eröffnet wurde, fand sich, daß Arthur Schopenhauer seinem treuen 
weißen Pudel, der nach seiner Aussage für ihn belehrender war als 
Scheitlnq und Hegel, eine Rente ausgesetzt hatte. 
'o Rollende Paläste. Der neue Salonwagen, den fich der ver 
storbene König Eduard hat bauen lassen, übertraf an Pracht und 
Eleganz der Ausstattung alles bis dahin gewesene. Der Wagen ist 
ein Meisterwerk in jeder Hinsicht. Er enthält außer einem Vorsaal 
ein Rauchzimmer, Salon-, Speise- und Schlafzimmer, sowie ein An- 
kleide- und Dienerzimmer. Die Länge des Wagens beträgt 20'/, 
Meter, seine Konstruktion ist so vortrefflich, daß jede Erschütterung 
beim Fahren vermieden wird. Der Wagen ist auf einen Stahlrahmen 
gebaut, der auf zwei dreiachsigen Drehgestellen ruht. Selbstverständlich 
ist daS Gefährt mit allen Bequemlichkeiten sowie mit Luftheizung, 
elektrischer Beleuchtung usw versehen. Die Zeitung des Ver. d. Eisen- 
bahrnVerw. beschreibt die kostbare innere Einrichtung der verschiedenen 
Räume aus's eingehendste. Der Rauchsalon, dessen Wände aus Eichen 
holz mit Einlagen von Buchsbaum bestehen, ist im Stil Jacob I. 
eingerichtet. Alle darin befindlichen Polstermöbel find mit rentier- 
farbigem Plüsch überzogen. Der Salon besitzt Wände aus poliertem 
Ahorn und zeigt in seinen Möbeln den Stil Ludwig XVI. Die Möbel 
sind hierin sämtlich aus hellem Mahagoni angefertigt. Die Stoffe 
für die Sessel usw. bestehen aus Seidenbrokat. Das Schlafzimmer 
hat weiß emaillierte Wände und Mahagonimöbel mit rosafarbigem 
Eeidendamast. Im Waschraum find die Wände mit Cipolino-Marinor 
bekleidet. Besonders schön wirken die in allen Räumen angebrachten 
Vorhänge und Gardinen aus grüner Seide mit weißen Stickereien. 
Jeder Raum ist ein kleines Schmuckstück vornehmster Eleganz. Dem 
Wagen des Königs folgen noch zwei Salonwagen mit einer Länge 
von je 177, Meter; diese Wagen sind für das Gefolge des König» 
bestimmt. 
Geschäftliches. 
Das Restaurant „Holsteiner Wappen'" Schöneberger- 
straße 14. Ecke Holsteinischestraße, sei unseren Lesern als behagliches 
und gemütliches Familienlokal bestens empfohlen. Zum Ausschank ge- 
langen dort Siechen- und Schultheiß-Bier; die Küche bietet vorzügliche 
Speisen zu soliden Preisen. Auch für Vereine und Gesellschaften, 
Hochzeiten usw. eignet sich das Lokal durch den neben den Restau- 
rationSräumen befindlichen hübschen Parkettsaal vortrefflich. Eine 
stets aufmerksame und zuvorkommende Bedienung ist den Gästen de» 
„Holsteiner Wappen" sicher. Erwähnt sei noch ferner der Kannenbier- 
Versand. Wir bitten, auch die Anzeige in dieser Nummer gest. zu 
beachten. 
Die Besucher der Hygienischen Ausstellung in Dresden wird 
ein Stand in der Halle 55 [für Sport und Bekleidung) interessieren, 
der in bester Weise veranschaulicht, wie die Hygiene bei der Wäsche 
sowohl wie beim Waschen erfolgreich auszuüben ist. ES ist dieses die 
Schaustellung der Firma Henkel & Co., in Düsseldorf, der das Ver- 
dienst gebührt, durch Einführung ihres heute wohl allerorts bekannten 
selbsttätigen Waschmittels „Perfil" eine umwälzende Neuerung aus 
dem Gebiete der Wäschereinigung geschaffen haben. Es dürfte zu 
weit führen und den uns hier zur Verfügung stehenden beschränkten 
Raum erheblich überschreiten, wollten wir alle die Vorzüge aufzählen, 
die mit dem Gebrauch von Perfil verbunden find. Hierüber gibt 
viel besser eine an dem erwähnten Stande erhältliche, populär abge 
faßte Broschüre unter dem Titel „Wäsche und Waschen" Aufklärung; 
diese wird bereitwilligst gratis abgegeben und Jedermann kann deren 
Durchsicht nur aufs dringendste empfohlen werden. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Marttniue, Friedenau. 
Hierzu ein« veil«,» 
Umzüge 
und Möbeltransporte aller Art nnter 
Garantte. sowie Einlagerung ganzer 
Wirtschaften übernehmen zu bekannt 
billigen Preisen [1360 
vergrmann & Co., Bahnspediteur, 
Steglitz, Alsenstr. 4», Tel. Stgl.622. 
I,. Mädchen l. Kl. MädchensL. 
beaufsichtigt SchularSeiten. Off. 
E- V.Zeitungssped , Wielandstr. 29. 
Gitarrespiel 
Wer lehrt in kürzester Zeit? Off. m. 
PreiSang. u. A. v. 36 a.-d. Exp. 
Gesang-Unterricht 
erstklassig, erfolgreich in u. außer 
dem Hause von 8 M. an. 
Off. P 3. Expedition d. Bl. 
Geigeuuuterrtcht 
erteilt gewissenhaft u. billig. Chiffre 
Kriedeniru 100 Postamt Friedenau 
SllHimiImW Är 
gesucht. Offerten urt Preisang. u. 
F. P 10 Expedition dies. Blat'es. 
Miltt'IIltttrilit 
erteilt nach vorz. Methode akadem. 
gepr. Lehrerin, I» Ref., Begleitung 
zum Gesang [6233 
Frieda Borchmann, 
Rhemtir. 21. III. 
zum Lehrfach. Faehling, Handjery- 
straße 15 prt. Cprechst. 3—4. [6376 
M-1. MMIe 
veterse«, Menzelstr. I parterre. 
Qesangunterricht 
Marie u. Emilie Sauerbrey 
Sponholzstr. 30 I. 
Gediegene Stimmbildung bei 
natürlicher Entfaltung der 
Stimme. Lieder u. Partien- 
studinm. Langjährige Er 
fahrung. Beste Erfolge. [6585 
lernen will, ver 
lange dieEelbst- 
Unterrichtsmethode von F Redlinger. 
Preis 2 M. Verlag „Mandoline". 
Friedenau, Fregestr. 70. [56,25 
S chinkel-ffiafomie 
Berlin,Neanderstr.3. 
Direktor Kgl. Regierungs-Bau 
meister a. D. Arthur Werner. 
Technikum (Masch., Elektr.,) 
Bauschule (Hoch- u. Tiefbau) 
Melaterkurse 
Tages- und Abendkurse. 
£chr-3nstitat 
für moderne 
Damenschneiderei 
v. FrauO. Maserkopff 
Rheinstr. 27, I. 
Akademischer Unterricht 
nach leicht faßlicher Me 
thode für Da«e» ge» 
bildete» Kreise.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.