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wäre fähig, Werke zu schaffen, ähnlich in den Werten, wie sie Angelo Jank,
der stärkste der Jugendkünstler gegeben. So ist der Eindruck, welchen wir
heute von seiner Begabung erhalten, kein vollkommener; die tiefste Seite
seines Wesens, der Sinn für die Farbe, ist noch nicht zu öffentlicher Kenntnis
gelangt. Der Künstler Wilhelm Schulz ist zwar im Simplicissimus noch nicht
ganz entwickelt, aber an der Persönlichkeit fehlt uns heute auch kein
[-tüpfelchen mehr.
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Schulz hat Karikaturen gezeichnet, soziale Blätter voll heisser Wut, blut-
triefend; wenn man so hungert, wie er gehungert hat, kann man leicht bitter
und ungerecht werden; besser wie seine Karikaturen im Simplicissimus werden
die Arbeiten, die er seiner Zeit für den Ulk schuf, lustige, übermütige Dinge,
die oft in einer halben Stunde in einer Modellpause entstanden sind, ge-
zeichnet wurden sie mit fast kindlicher Genialität, Sprösslinge des Zufalls und
der Laune. Im Simplicissimus hat er nie gewagt in gleicher Weise zu ar-
beiten, und so haben seine Spottbilder dort stets etwas lapidares, feierliches
gehabt. Selten oder nie hat ihn das rein karikaturistische Element an den
Menschen gereizt, immer war es die Freude, die der Maler an den Dingen
hat, welche die Blätter schaffen hiess. (Die Redaktion muss gewiss oft schwere
Sorge gehabt haben, bis sie einen Witz fand, der ungefähr zu der Zeichnung
passte). Nur in den Arbeiten vom Burenkrieg hat Schulz wahrhaft grosses
gegeben, denn hier hat er aus dem Südafrikaner den verwandten Typ des
niederdeutschen Bauern herausgehoben, Werke von ergreifender ‚Tiefe ge-
schaffen, die dem Ort, an dem sie erschienen zur Ehre gereichen. Es zieht
äber sie hin wie ein Ewigkeitshauch; sie sind aus dem Zeitlichen, dem Zu-
fälligen entrückt — aus den Burenkriegern wurden die Helden, die Freiheits-
kämpfer, und die Farmerin wird die Mutter, welche um den ziehenden Sohn
klagt. Zu den ernsten Tönen erhebt sich seine Sprache, aber die lustige
Bizarrerie, das feine, moquante Schmunzeln, das manchmal im Simplicissimus
zu Recht kommt, vermag sie nicht zu treffen. Wenn einmal bei Schulz der
Humor durchbricht, so ist er gutmütig, breit, behäbig, wie der Rudolf Wilkes
in glücklichen Stunden,
Karikaturen hat Wilhelm Schulz gezeichnet, weil eben eine Begabung
von seiner Stärke sich in alles fügt; er hätte wohl mit gleichem, vielleicht
noch mit mehr Glück Heiligenbilder gemalt; sein eigentliches Element ist die
Karikatur nicht.