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Berliner Illustrirte Zeitung.
Nr. 40
„Das Ewig Weibliehe““. Romödie von Robert Misch, Schlussscene aus dem 3. Akt, aufgeführt im „Neuen Cheater“ zu Berlin. Zander S fJobiseh.
duscha Butze als Lampito“. Adele Hartwig Else Reinert Jenny Tuzar Tilly Waldegg Fräulein Wolf
als „Königin der Amazonen“. als „Euphrosyne“ als „Sostrate.“ als „Chloe“. als Amazone
Von Brett ayhd Brett'—.
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Vor drei Jahren konnte man Betrachtungen über
den „Zug zum Brettl“ anstellen. Damals fielen immer
mehr Divas und Divetten aus dem Reich der lustigsten
»er Musen dem kapitalkräftigen Variéeté au. Die
zroßen Spezialitätentheater der euro⸗
oäischen Hauptstädte entführten den großen
Theatern eine Soubrette und Sängerin
nach der andern und für das gesunkene
künstlerische Prestige wurden diese durch
nntsprechend höhere Gagen entschädigt.
Damals wurde der Uebergang eines
Schauspielers zum Variété als ein großer
Sprung angesehen. Jetzt aber, seitdem
sich über das weite deutsche Vaterland
der Segen des „Ueberbrettls“ ergossen
hat, gilt der Schritt im höchsten Falle
als eine Art Extravaganz des Künstlers,
der dadurch eventuell noch interessanter
verden kann, als er vorher war. Das
leberbrettl (lies: höheres Brettl) hat
aun einmal den litterarischen Anstrich.
Trotzdem war es dieser Tage eine
Sensation, als Emanuel Reicher, der viel—
»ewunderte Ibsen-Spieler des Berliner
Deutschen Theaters auf dem „Bunten „Brettl“ am
Alexanderplatz auftrat. Zwar sang er keine Couplets,
ondern er recitierte Lilieneron'sche Gedichte in der be⸗
kannten Meisterschaft, die ihn speziell als Recitator aus⸗
zeichnet, aber ein Emanuel Reicher berufsmäßig auf
dem Brettl. und wenn's auch ein Ueberbrettl ist, das
ist ein Ereignis in der Theaterwelt. Es ist selbstver—
ständlich nur eine kurze Station, die Reicher da auf
seiner Kunstreise durchs Leben nimmt, aber sie ist be—
merkenswert als ein Zeichen der Zeit.
Trotz der jähen Blüte des Ueberbrettlwesens hat
das eigentliche Theater keinen Schaden genommen. Es
nebt nach wie vor autgebende Bühnen und schlecht—
zehende, aber die ersteren befinden sich in Berlin in
»er Ueberzahl. Daß es immer nur auf die Stücke
inkommt, die gerade dem augenblicklichen Geschmack
»es Publikums entsprechen, beweist der große Erfolg
des „Neuen Theaters“. Im Vorjahre
noch durch das seichte Repertoire eine
Bühne ohne jeden künstlerischen Kredit,
iam das Theater dadurch, daß es ein
erstklassiges Ensemble engagierte und mit
dem prüden Programm brach, so weit,
daß man es wieder ernst nahm. Und über
Nacht gesellte sich noch dazu ein großer,
ungeheuchelter Erfolg der Komödie:
„Das ewig Weibliche“ von Robert
Misch. Es war der erste große Erfolg
der kaum eröffneten Saison, und zwar
ein Erfolg, der nicht nur lokal bleiben
dürfte. Misch hat ein Thema berührt,
das auch von einem Kleist nicht ver—
vorfen worden wäre. Unter dem „ewig
Weiblichen“ ist die Schwäche des schöneren
Geschlechts zu verstchen, ohne Mann auf
die Dauer nicht auskommen zu können.
Eine Schar tapferer Hellenen gerät in die
Hefangenschaft eines Amazonenheeres. Die Gefangenen
rwarten schmählichen Tod als ihr Geschick, statt dessen
ber werden sie von den Amazonen gefreit. Es giebt
ämlich keine Männer im Lande und es steht zu be—
ärchten, daß das Volk der Amazonen aussterben könne.
Ilso flugs greifen die streitbaren Weiber nach ihren Ge—
angenen und machen sie zu ihren Männern. Nun ist der
donflikt sehr drollig dadurch gesteigert, daß die Griechen
vohl gezwungen den Amazonen die Hand zum Ehe—
unde reichen, im übrigen aber von — Liebe nichts
vissen wollen. Darüber nicht geringe Bestürzung und
ẽmpörung bei den Amazonen, die alle die gleich
chlinme Erfabrung mit ibren Männern gemacht haben.
HRofphot. vV. HRõffert. phot.
Robert Misch,
Verfasser der Komödie: „Das
ewig Weibliche.“
Der Schluß ist natürlich, daß die Männer die Oberhand
»ehalten, so wie im Leben also auch in der Liebe.
Sehr gut gelungen ist dem Verfasser das komische
Paar des Stückes: Manes, der feige Waffenknecht des
Briechenführers und dessen Frau, die Amazonenministerin
Lampito, die jenen, einen kostbaren Pantoffelhelden,
ürchterlich behandelt, um ebeufalls später in Liebe zu
rsterben. Die Darstellung des Neuen Theaters, in
eren Mittelpunkt die ausgezeichnete Lampito der Frau
Nuscha Butze, Georg Engels' drolliger Manes und
das Fürstenpaar Boun und Adele Hartwig standen.
zerhalf mit zu dem Erfolge.
Cmanuel Reicher G. Busse, phot.
als Recitator auf der Bühne des „Bunten Brettls“.