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Volume Nr. 36, 8. September 1901

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1901, X. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

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Cin Meisterwerk der 
Wieder ist ein monumentales Wunderwerk moderner 
Technik erstanden, eine neue Hängebrücke über die 
Donau, die einen bequemen Verkehrsweg zwischen Pest 
und Ofen bilden soll. Zwar präsentiert sie sich auf 
unsern Bildern noch nicht frei den Blicken, aber das 
sie umgebende Gerüst erhöht nur ihre Imposantheit, 
läßt es doch den ungeheuren Arbeitsaufwand ahnen, 
den ein derartiges Bauwerk erfordert. 
Gerade Hängebrücken stellen gewöhnlich außer— 
ordentliche Ansprüche an die bauleitenden Ingenieure, 
da sie vorzugsweise für Spannweiten zur Verwendung 
ommen, bei denen die andern Brückensysteme versagen. 
Nach allen Richtungen hin muß den gegebenen Ver— 
hältnissen Rechnung getragen werden; Eisgang, Hoch— 
lut, Sturm, Belästung, Schiffhöhe, möglichst geringe 
Verengerung des Flußbetts und — Kosten sind die 
vesentlichen Faktoren, die bei einer solchen Anlage mit— 
prechen, und es ist in den meisten Fällen kein kleines 
Kunststück, allen in gleicher Weise gerecht zu werden. 
Von dem Gesamtwerk sind es in erster Linie die 
hochaufragenden Portalpfeiler, deren sichere Befestigung 
und Verankerung die größten Schwierigkeiten bietet, da 
ie die Hauptstützpunkte der eigenartigen Brückenstraße 
berliner Illustrirte Zeitung. 
ßrückenbau⸗Runst. 
ilden. An ihnen hängen — durch Ketten gehalten und 
iit Versteifungen aus Gitterwerk gesichert — Fußsteige 
ind Fahrdamm, während die vom Wasser aus auf— 
reführten Zwischenpfeiler nur von unten her Schutz 
egen Durchbiegungen und Erschütterungen bei Ueber— 
ührung größerer Lasten bieten sollen. Daher können 
eie letzteren auch konstruktiv sehr schlank gehalten 
ind in ihrer Zahl beschränkt sein, so daß sie, zum 
Korteil für die Schiffahrt, wenig Raum in Anspruch 
ehmen. 
In dieser Weise sind bereits eine große Anzahl 
ꝛrühmter Brücken errichtet worden, so die in Nummex 31 
nserer Zeitschrift abgebildete East Riverbrücke, deren 
zogen New York und Brooklyn in einer Gesamt— 
Ppannweite von fast 500 Metern verbindet, die Eisen— 
ihnbrücke über den Rio Lao mit ihren 107 Meter 
och aufragenden Portalpfeilern, eine Höhe, von der 
jan erst den vrechten Begriff erhält, wenn man den 
zerliner Rathausturm mit seinen 94 Metern daneben 
ellt, auch die graziöse Fußgängerbrücke bei Clifton House 
im Niagara⸗Fall, die eine Spannweite von 387 Metern 
sei nur 3 Meter Breite aufwies und die im Jahre 1889 
inem Sturm zu Opfer fiel, gehört hierher 
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Diese drei Brücken spiegeln übrigens in selten 
inschaulicher Weise die gauze Art amexikanischer Techm 
wider. Während auf unserem Kontinent und spejen 
u Deutschland, das ja in der Technik unzweifelhaft 
erster Stelle steht, Sicherheit und Solidität Grund⸗ 
»edingung selbst für die kleinsten Teile sind, sieht der 
Amerikaner in jeder auszuführenden Sache mir ein 
Mittel, Gewaltsrekorde aufzustellen, die sich jedod 
bisher nie auch auf die beiden erwähnten Eigenschafter 
erstreckten. Der Zusammenbruch der Clifton House 
Brücke und die kürzlich berichtete Senkung der East 
River-Brücke lassen das so recht erkennen. 
Allerdings läßt man sich in neuerer Zeit qus 
Z3parsamkeitsrücksichten auch hier dazu verleiten, ber 
Steinbrücken durch Verminderung der Gewölbestärken 
ind größere Beanspruchung der Steine auf Druck eine 
Ersparnis an Boukosten herbeizuführen. Nach der 
inderen Seite hin soll aber bei eisernen Brücken, zu 
enen auch die Hängebrücken gehören, lant Vorschrift 
ein Halt bietender Teil aus dem billigen Gußeisen. 
ondern ausschließlich aus Schmiedeeisen gefertigt sein. 
Trotzdem ist der Herstellungspreis für Steinbrücken ein 
»esentlich höherer, wie für Eisenbrücken, bei denen — 
e nach Spannweite und Schwierigkeit des Baues — 
as laufende Meter „schon“ für ungefähr 15000 bis 
5 000 Mk. zu haben ist. 
Die Budapester Schwurplatzbrücke, die — einzig 
1mihrer Art — mit einem gewaltigen Bogen die 
90 Meter breite Donau überbrückt, hat einen Kosten— 
ufwand von 8 Millionen Mark erfordert. Von den 
zeiteren immensen Abmessungen der 18 Meter breiten 
zrücke legen die die Portalpfeiler tragenden Brücken— 
zpfe Zeugnis ab, deren jeder 14000 Kubikmeter Stein 
erschlang. 
Jedenfalls bürgen aber die Namen des Ministerial— 
ats Aurel Czekelius und des technischen Rats Albert 
Zzoͤntoͤ, die zu den Erbauern gehören, dafür, daß das 
errliche Bauwerk auch in Bezug auf Widerstands⸗ 
ähigkeit allen elementaren Anfeindungen trotzen wird. 
Héinz Baner. 
hie neue Schwurplatzbrücke bei Budapest im Rau. kKettenbrücke mit der länasten bisher erreichten Spannweite von 290 Metern. Erdelvi Badapeset.
	        
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