beobachten, den Unterricht zu verfolgen
and ihn während er Unterricht erteilt,
borspielen zu hören. Sein fabelhaftes
Bedächtnis ermöglicht es ihm, ohne
in die, vor dem Schüler liegenden
Noten zu blicken, den Spieler auf seine
Fehler aufmerksam zu machen, ihn
zu korrigieren und ihm ganze Stellen,
a Sätze auswendig vorzuspielen.
Einen größeren physischen und zu⸗
gleich seelischen Schmerz kann man
Joachim nicht verursachen, als durch
alsche Intonation. Da zuckt sein Ge—
icht merklich zusammen und er greift
nit der Hand ans Ohr, als wollte er die
anreinen Töne daraus verscheuchen.
Joachim ist trotz seines hohen Alters
einer der meistbeschäftigten Musiker der
Begenwart, der eine immense Wirk—
samkeit entfaltet. Er ist Lehrer für
sein eigenes und Dirigent des Orchesters
der Hochschule, das wöchentlich zwei
Proben und eine Reihe von Vor—
ragsabenden veranstaltet. Er erteilt
Ensembleunterricht (Kammermusik).
FEr ist Direktor der Königl. Hoch-
schule und Mitglied des Senate
der Akademie der Künste. Seine
Konzertthätigkeit füllt noch heute wie
hedem einen großen Teil seines Lebens
aus, und die Quartett⸗Abende, die er
m Verein mit Halir, Wirth und Hausmann
egelmäßig veranstaltet, gehören zu den herrlichsten
nusikalischen Genüssen, die in Berlin geboten werden.
Die ungemeine Arbeitsüberbürdung wird wohl die
Arsache sein, daß Joachim in der letzten Zeit sich
ompositorisch nicht mehr bethätigte. Seine beiden
dauptwerke für sein Instrument: „Variationen“ und
das „Ungarische Konzert“ werden stets den Ehrenplatz
in der Violinlitteratur behaupten.
Joseph Joachim verbringt seinen heutigen 70. Ge—
zurtstag fern von dem Großstadttrubel im engen
Familienkreis, doch Hunderttausende weilen in Gedanken
zei dem vergötterten Meister und denken seiner in Liebe,
Berehrung und Dankbarkeit. AKos Lusælo
Aus den
Zerliner Illustrirte Zeitung
hochalpen: Gefahrlicher Abstieg über ein Schneefeld am Montblane.
Eine Mont Blanc⸗Besteigung.
Hefahren und Schwierigkeiten im Hochgebirge.
Von A. Krenn.
Der Mont Blanc ist für die Erschließung der
Ilpenwelt ein klassischer Markstein geworden. Durch
eine glückliche Bezwingung vor mehr als hundert
Fahren wurde der geheimnisvolle Bann gebrochen, der
»is dahin über dem Hochgebirge lag.
Die Ehre, die Erforschung der Alpengipfel
ingebahnt zu haben, gehört dem Genfer Naturforscher
dorace de Saussure, wenn er auch nicht der eigentliche
Frste war, der den erstbezwungenen Bera. den Mont
Blanc, bestieg. Doch gebührt
hm das Verdienst, die erste
Besteigung direkt veranlaßt zu
jaben. Von früher Jugend
in beseelte ihn nur der Wunsch,
en schon damals als höchsten
Berg Europas bekannten
Mont Blanc zu erforschen,
iber alle seine Versuche schlugen
ehl. Endlich setzte Saussure
inen Preis aus für jenen
dem diese That gelingen
ollte, wobei er vornehmlich
an die Führer dachte. die ihn
Nr. 26
Cine Montbplane⸗Besteigunq.