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Volume Nr. 20, 19. Mai 1901

Full text : Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1901, X. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Berliner Jllustrirte Zeitung.
Der WVunder⸗Schwindler von honolulu.
Die Dummen, die nicht alle werden, sind über die
ganze weite Erde verbreitet. Und allerorten finden sich
geschickte Macher, die mit Kunstkniffen der Menge
Wunder und Zauberei vorspiegeln, an die wie an ein
märchenhaftes oder göttliches Mysterium geglaubt wird
Fin würdiger Genosse der Messer- und Nadesschlucker
ist Papa Ita, der Steintreter von Honolulu. Er gehlt
vor versammeltem Publikum mit bloßen Füßen über
glühende, rauchende und qualmende Steine. Und
während der bloße Anblick solcher Produktion den Zu
schauern die Sohlen brennen macht, bleiben Papa Itae
Füße heil und kühl. Er ist „gefeit“ und alles staunt
ihn an wie einen Heiligen. Aber es hat alles seine
natürlichen Wege Mit den Steinen des Braven von
Zonolulu verhält es sich ganz einfach. Eine Grube wird
nit Holz gefüllt und darüber werden Steine geschüttet.
Das Holz wird sodann in Brand gesetzt und dadurch
die Steine derart erhitzt, daß sie weiß werden. Sie
sind aber so porös, daß die Hitze sofort verfliegt
Während also die untere Steinschicht glühend heiß ist,
bleiben die Steine an der Oberfläche kühl infolge der
Luft-Einwirkung. Und ruhig wandelt der kluge Mann
von Honolulu über die weißglühenden Steine dahin,
während die Umstehenden staunend den Eindruck eines
Wunders haben.
Ein Glasgemãlde für den Dom.

Nr. 20

Quersehsjene mit Rlammern 2u beiden 8Seiten
Der Verschlußgriff ist ausziehbar und wird von der den Haken
benutzenden Person an sich genommen.

eidet sehr unter den Martern, die von fanatischen
derkermeistern ihm auferlegt werden. Die Sultans
ochter hilft ihm aus der Gefangenschaft. Zum Dank
dafür reicht ihr der Ritter seine Hand am Altar.
Die aus dieser Verbindung entsprossenen Kinder sind
nicht getauft worden, da auch ihre Mutter nicht zum
Christentum übergetreten ist. Der Ritter will jedoch
jeine Kinder als Christen sehen. Er wendet sich in
diesem Zwiespalt zwischen Liebe und Frömmigkeit an den
Kaiser Barbarossa, der den Spruch fällt: „Heiden sind
sie. Heiden sollen sie bleiben!“ Und zur Erinnerung
in diese Stunde verleiht er den -,Herren von Heiden“
zine Mauerzinne als Wappen, damit das Geschlecht es

Diebessieherer Garderobenhalter
nit Querschiene zur Befestigung von Mantel und Hhut.
Erfinder Karl Pohlenz in Probstheida (D. R.P)

Ein Glasgemälde, das im Atelier der Firma
„Luceo Floreo, in Barmen entstanden ist, wurde kürz—
ich im Berliner
Dom anfgestellt.
Das Gemälde ist
neiner neuen Tech⸗
iik ausgeführt, bei
velcher die kleinen
ßlatten mit ihrer
ft störenden Ver—
leiung wegfallen
Ddas transparente
Zild und die warme
Farbenwirkung
ommen durch die
reiten Flächen des
Benmüldes zu vollster
Beltung
Das Bild stellt
eine Sage aus der
Zeit der Kreuzzüge
»ar Ein deutscher
Kreuzfahrer ist von
den Sarazenen ge—
angen genommen
worden. Er wird
aingekerkert und

nächsten. Vielleicht gilt sie darum in Japan für häßlich.
Sie ist auch die beste Musikerin der Truppe. Auf
einem guitarre- artigen Instrument zupft sie in
Schnarrtönen die eigentümlichen Tanzrythmen, nach
denen sich die anderen in graziöbsen Bewegungen, Win⸗
dungen und sonderbaren Stellungen bewegen. Die Tänze
machen mehr den Eindruck einer Ceremonie als einer
fröhlich-ausgelassenen Bewegung. Nur in den Tänzen,
die zum Schlusse der Prodnuktion aufgeführt werden,
nähert sich die Bewegung unserem Tanzbegriff. Hier
werden die Japanerinnen zu dem Urbild der Barrisons.
Charakteristisch sind die krampfhaften Biegungen der
Finger während des Tanzens. Letzteres ist eben über—
wiegend ein mimisch-gymnastisches Spiel, halb voll
religiösen Ernstes, halb voll naiver Frivolität, so wie
ich im Osten Religion, Lebensfreude und Lebens—
schwermut durchdringen. Grazie nach unsern Begriffen
haben die kleinen japanischen Mädchen nicht. Sie
haben einen fast schwerfälligen, schlürfenden Gang, der
ihre Bewegungen geradezu ungraziös macht. Dafür ist
zie Kopfhaltung sehr lieblich

Echte

japanische Theehaus⸗Geishas in Berlin. 6. Busse. phot
Tanzproduktionen in der Philharmonie.

nie oergesse, daß die heidnische Ahnfrau
es war, die den Stammvater aus zterker—
mauern zur Freiheit zurückgeführt hat.
Es ist eine Legende, wie sie im Mittel⸗
alter, in der Zeit der Sarazenenkämpfe
zu Hunderten entstanden. Die kom—
plizierteste davon dürfte wohl die des
Grafen v. Gleichen sein. Die dem Glas—
Bemälde zum Vorwurf diente ist ein—
facher und typischer für die Zeit der
frommen Kreuzzüge.
Das Glasgemälde ist ungemein frisch
und kräftig in den Farben, sehr ge⸗
schickt entworfen und mit großer Sorg—
falt durchgeführt. Es bedeutet einen
neuen Fortschritt der jetzt wieder sehr
in Aufschwung kommenden Glasmalerei
und Glasmosaik-Industrie

4*

Tanz⸗Spiele der Geishas.
Aufnahme für die „Berliner Illustrirte ZBeituna“ pon Georag Busse
            
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