fullscreen: Geschichte und Werke der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung Professor G. Langenscheidt GmbH Berlin-Schöneberg (Public Domain)

wer sein Zusammenhalten aller Kräfte und Vorteile, seine wunder- 
bare Ausnützung der Zeit, seine außerordentliche Beschlagenheit 
auf allen Gebieten, seine scharfe Beurteilungsgabe von Leuten und 
Verhältnissen, seine Einfachheit, seine mit einem Streben nach Ver- 
einsamung seltsam gepaarte Leutseligkeit kennenzulernen das Glück 
gehabt hatte, der trug die Überzeugung mit sich, daß er einen wirklich 
seltenen Menschen gesehen hatte, einen Mann, der weniger dem 
Glück als dem eigenen Fleiße, der persönlichen Tüchtigkeit und 
Charakterstärke die großen Erfolge in geistiger und materieller 
Hinsicht zu danken hatte, die von ihm errungen worden sind. 
Professor Langenscheidt war bis zu seinem Tode die Seele 
seines umfangreichen Unternehmens. Nicht nur den rein redak- 
tionellen Arbeiten galt sein Interesse, auch die technische Abteilung und 
der buchhändlerische Vertrieb standen mit allen Einzelheiten unter 
seiner Leitung. Durchaus eigenartig war die Art und Weise, wie 
Langenscheidt arbeitete. Seine Tätigkeit begann nachts um 2 Uhr 
und dauerte bis morgens 9 Uhr. Dann folgten einige Stunden der 
Ruhe. Um 2 Uhr nachmittags wurde die Tätigkeit wieder aufge- 
nommen und dauerte bis abends um 9 oder 10 Uhr. Als Sprechstunde 
stand lange Zeit im Berliner Adreßbuch die Stunde von 6 bis 7 Uhr 
[rüh angegeben. Er wollte sich dadurch lästige, ihm die kostbare Zeit 
raubende Besucher fernhalten. Von dieser Sprechstunde wurde dann 
auch niemals Gebrauch gemacht bis auf einen Fall, wo ein polnischer 
Student früh um 6 Uhr um eine Reiseunterstützung vorsprach. 
4 Surz vor dem Tode des Begründers war die Firma durch Kauf 
in den Besitz seines jüngsten Sohnes, Carl G. F. Langenscheidt, 
übergegangen. Mit der jüngeren Kraft kam nunmehr auch ein schnel- 
leres Tempo in die Verlagsproduktion. Zunächst wurde die 
Fertigstellung des „Muret-Sanders‘“ beschleunigt. Ende 1901 lag 
dieses zweite vierbändige große Wörterbuch in lückenloser Voll- 
ständigkeit vor. Nebenher wurde aus diesem großen Werk die 
Hand- und Schulausgabe geschaffen, von der der x. Teil im Jahre 1897 
erschien, der 2. im Jahre 1900. An den Vorbereitungsarbeiten zu diesen 
beiden Ausgaben hat der Begründer noch lebhaften Anteil genommen. 
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