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Gesicht etwas für Kinder Furchteinstößendes. Kein
Wunder, wenn dumme Menschen in ihr des Teufels
Großmutter oder eine Hexe vom Blocksberg witterten
und in ihrem verkrüppelten Fuße einen „Pferdefuß" sahen-
Hieß cs ja doch auch, daß sie alljährlich in der Wal
purgisnacht nicht zu Haufe fei. Jedenfalls hätte sie
manchem Maler als Modell für eine Märchenhcxe oder
eine Sybille dienen können, und der Krückstock, mit dem
sic ging, gab gleichsam ihrem ganzen unheimlichen Wesen
erst noch eine Art nöthigen Attributs, so daß ihre Er
scheinung wirklich in's Märchenhafte hinein vervollstän
digt wurde. Da sich aber der Berliner „selbst vor
dem Deibel un seiner Jroßmutter nich furchtet", so ivar
auch „de olle Tappfuß'n" oft genug Gegenstand dir
öffentlichen Verspottung. Der Berliner hat nun einmal
keinen Respekt vor Alter oder Autorität.
Reben diesen und anderen harmloseren Typen traten
im Jahre 184P die politischen Vollstypen hervor, und
einer der bekanntesten war der schon bei den „Reh-
bergen" erwähnte „Linden Müller". Er hieß eigent
lich nur Müller, war Kaufmann und besaß - oder
vielmehr seine Frau — in der Marienstraße l ein
Haus. Er war ein nichtsnutziges Geschöpf und in Kon
kurs gerathen, so daß seine Frau ihn, den beschäfti
gungslosen Herrn Gemahl, ernährte, und zwar mittelst
Schneiderei für die feinere Damenwelt. Sic that dies
indeß nur unter der Bedingung, daß er sich den ganzen
Tag vom Hause fern halte, denn zu Hause ließ er keine