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Volume Nr. 48, 2. Dezember 1900

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1900, IX. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Nr. 48. 
berliner Ilustrirte Zeitung. 
757 
Die Elektricitaͤt 
im Betriebe der Fern-Bahnen. 
Mit Abbildungen auf S. 758.) 
Die großen Vorteile, welche der elektrische Betrieb 
elbst da gewährt, wo er an eine feste Stätte gebunden 
st, mußten sich in noch bedeutend größerer Weise für 
inen Betrieb geltend machen lassen, welcher die Weiter⸗ 
eförderung von lebenden und toten Gütern zur Auf— 
zabe hat. Von dem einfachsten Fuhrwerk, das der 
Mensch selbst fortzubewegen hat, bis zur Schnellzugs 
okomotive, welche die höchsten Gebirgspässe erklimmt, 
iberall muß ein großer Teil der Kraft dazu verwendet 
verden, die Kraftquelle selbst mit fortzubewegen. Wie 
ei der Bewegung von Truppentransporten der mit⸗ 
eführte Wagenpark nicht nur das ganze Ausrüstungs— 
ind Verproviantierungsmaterial für Mannschaft und 
ßferde zu befördern hat, sondern auch einen nicht ge— 
ingen Teil der Fuhrwerke ausschließlich in den Dienst 
—— 
okomotive außer ihrem eigenen und ganz bedeutenden 
Hewicht auch noch Kohle und Wasser zur Krafterzeugung 
ind Kraftüberführung mit sich. Es ist somit klar, 
aß unsere Eisenbahn-Betriebsverwaltungen eine Un—⸗ 
umme an Kraft aufwenden müssen, um das bloße 
Figengewicht der Lokomotive und der von ihnen mit⸗ 
zeführten Mengen von Kohle und Wasser in rollender 
Bewegung zu erhalten. 
Der elektrische Betrieb der Straßenbahnen ist aber 
ine vollzogene Thatsache, seine technischen und finanziellen 
Vorteile sind erprobt; war aber auf diefem Gebiet einmal 
ein reicher Schatz technischer und die Verkehrsinteressen 
etreffende Erfahrungen beim elektrischen Straßenbahn⸗ 
»etrieb gesammelt, so mußte der elektrische Betrieb 
uch für Fernbahnen immer mehr in das Gebiet 
inserer modernen Verkehrstechnik gerückt werden. 
Fine wesentliche Umgestaltung des Unterbaues würde 
·in elektrischer Betrieb gar nicht erfordern und was 
m einzelnen Orten in dieser Beziehung nötig wäre, 
vürde ohne bedeutenden Kostenaufwand und ohne be— 
ondere Betriebsstörung möglich sein. Es war somit 
nur nötig, daß elektrische Lokomotiven für Fernbahnen 
zebaut und mit ihnen Probefahrten angestellt werden, 
im ihre praktische Verwendbarkeit auch nach der 
inanziellen Seite hin schätzen zu können. 
Dies ist nun einmal durch den Bau der von uns 
m Bilde wiedergegebenen Elektrischen Vollbahn— 
okomotive, die sich auf der Pariser Weltausstellung 
hefand und von der A. E. G. gebaut wurde, geschehen, 
Das Max und mMoritzfest in der Bernner XXt Am Schiesszelt. Busce, phot. 
Mmax u. Moritz: Ceschwister muller vom Berliner Theater. 
—XXED 
das andere Mal durch die vom köoͤnigl. Eisenbahn⸗ 
Betriebsinspektor Herrn Loch in Gleiwitz damit an⸗ 
gestellten Versuchsfahrten. 
Auf einem schweren Eisenrahmen, in welchem die 
Achsenlager eingefügt sind, und welche an seinen Schmal⸗ 
leiten die Zughaken mit Kuppelung und Sicherheits⸗ 
kuppelung zur Verbindung der Lokomotive mit dem 
Wagenzuge trägt, ruht auf angebauten Konsolen der 
Dberkasten. Dieser teilt sich in das eigentliche Führer— 
haus und in zwei, vor und hinter demselben ange— 
zrachten Schrägkästen. Wie unser Bild zeigt, reprä— 
sentiert sich das Führerhaus als ein rings von 
Blasfenstern umschlossenes geräumiges Coupé mit 
zwei Seitenthüren, in welchem der Zugführer von den 
Anbillen der Witterung geschützt, seine Arbeit viel un— 
zestörter und in einer durch Rauch, Ruß und Kohlen— 
staub nicht verunreinigten Atmosphäre ausüben kann: 
ein Umstand, der sich bei allgemein gewordener An— 
wendung gewiß in der Sterblichkeitsziffer dieser so an— 
strengenden und aufreibenden Thätigkeit obliegenden 
Arbeitsklasse bemerklich machen wird. Die Anlage des 
Führerhauses ist in seiner Höhenlage und seinem 
Breitenverhältnis eine solche, daß von ihm aus der 
zanze Zug überblickt werden kann, wie durch die Ab— 
schrägung der Seitenkästen auch die Aussicht über die 
zu durchlaufende Strecke vollständig freigegeben ist. 
Das Dach des Führerhauses, sowie die innere Ver— 
kleidung und der Fußboden, bestehen aus Holz; zum 
Z3wecke größerer Haltbarkeit ist das Dach mit Segel— 
ruch und einem wasserdichten Austrich überzogen. 
Die Anzugsvorrichtung für die Bremse, die Züge für 
die Sandstreuvorrichtung, endlich die Kästen für das 
hie menagerse von .Rarnum s5 Baileu“ auf dem Max und Moritzfest in Berlin. S Bueee. phot
	        
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