Path:
Volume Nr. 46, 18. November

Full text : Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1900, IX. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

122 Berliner Mlustrirte Zeitung.

Fr. 46.

ist der bisherige Kriegs—
minister Schott von
Schottenslein.

Georg Stilke,
einer der belanntesten
und verdienstvollsten
Berliner Verlagsbuch
händler, ist am 4. No—
vember in Wiesbaden
gestorben. Er hatte seine
geschäftliche Thätigkeit
als Sortimenter be—
gonnen und eröffnete
erst später eine Ver—
lagsbuchhandlung unter
seinem Namen. Da—
neben gründete er eine
Eisenbahn-Buchhand—⸗
lung, die in großem
Maßstabe den Verkauf
von Zeitungen und
Büchern auf allen
größeren Bahnhöfen
Deutschlands betreibt.
Mit Stilke ist einer
der tüchtigsten Buch⸗
händler aus dem Leben
geschieden.
Die Ming- Grãàber.
Unsere deutschen Truppen haben vor einigen Tagen,
die etwa sechs Meilen von Peking mitten in einem
Felsenkessel liegenden Ming-Gräber besetzt, und damit,
nach Anschauung der Chinesen, einen der heiligsten
Plätze der Welt profaniert. Hier liegen nämlich die
Regenten aus der um China hoch verdienten Ming—
Dynastie, die auch die „strahlender genannt wird und
von 1368 bis 1643 die Herrschaft im Lande hatte.
Dreizehn Kaiser liegen in dem Felsenkessel. Zu den
eigentlichen Hexrschergräbern führt der Zugang durch
eine tiefe Schlucht, die mit einem Marmorthore ver—
schlossen ist. Jedes einzelne Grab ist mit Tannen und
EFichen umgeben, und macht einen düsteren, durch die
phantastischen Skulpturen grotesken Eindruck. Das
bemerkenswerteste ist das Grab des Kaisers Yungloh,
zu dem eine Straße führt, die mit einer Allee von
Standbildern groteskester Art besetzt ist. Riesengroße
Statuen von Kriegern, Priestern stehen da, zwischen
ihnen grausig starrende Elefanten, Löwen, Kameele,
Pferde und andere, in der phantastischen Art der
hinesischen Plastik gehaltene Figuren und Bilder. Am
Ende einer langen, in den Felsen eingehauenen Galerie
st das Grab des Kaisers Yungloh, der der zweite
daiser der Ming-Dynastie war. Unter diesem gedieh
»as Reich und erlebte einen neuen Aufschwung. Die

Unsere französischen Bundesgenossen in China:
Die Anamiten, Frankreichs RKolonialtruppen bei der Parade.

zatten sich ausgeschlossen — etwa 5000 Mann stark
zaufmarschiert waren. Der Marschall erschien in großer
Uniform mit dem Bande des schwarzen Adlerordens

vadurch verschleiert wird, als man nicht weiß, wer chine⸗
ischerseits für die angebahnten Friedensverhandlungen
erantwortlich zeichnet. Zudem: noch immer befinden
ich die Mächte offiziell mit China im Friedenszustande.

Major von Forster Frelherr v. mittnacht Georg 8Stilke *
Führer der Vorhnt in der Schlacht Bisheriger württembergischer Minister⸗ Berliner Verlagsbuchhändler:
bei Tsukingkwan. präsident.

und dem Marschallstabe in der Rechten; hinter ihm
wurde die Marschallflagge geführt.
Die Parade nahm einen vortrefflichen Verlauf.
Finen sehr günstigen Eindruck machten die englisch—
indischen Regimenter in ihren malerischen Uniformen,
dann aber auch die französisch-anamitischen Truppen und
nicht zuletzt die Deutschen, deren schneidiger Parade—
marsch verblüfftes Staunen bei dem internationalen
Publikum, unverhohlene Bewunderung bei den fremden
Militärs wachrief.
Seitdem ist Graf Waldersee längst in Peking ein—
zetroffen und leitet von hier aus die Operationen
zegen die Boxer in Petschili, unbekümmert um die
diplomatischen Verhandlungen, die zwischen den Mächten
und China nebenhergehen. Das bedeutendste Treffen,
das seither geliefert worden ist, fand bei Tsukingkwan
statt. Hier zeichneten sich besonders Oberst von
Normann, der Kommandeur des 2. Ostasiatischen
Regiments und Major von Foerster, der die Vorhut,
zwei Abteilungen der 7. und 8. Kompagnie dieses Re—
ziments, kommandierte, aus. Maijor von Foerster erlitt
eine Verwundung an der Hand, nahm aber trotzdem
weiter am Kampfe teil und eroberte mit seiner Abteilung
4Geschütze. Chinesischerseits waren an dem Kampfe
nicht nur Boxer, sondern auch reguläre Truppen beteiligt.
Wie die Dinge liegen, hält es schwer, sich ein
tlares Bild von der Situation zu machen, die noch

Portrãts vom Pase.
Freiherr von Mittnacht, der bisherige
Minister-Präsident des
vürttembergischen Ministe—
iums, ist dieser Tage aus
em Amte geschieden. Seit
3 Jahren war er württem⸗
ergischer Minister und seit
0 Jahren Ministerpräsi⸗
ent. Er war der letzte
och im Amte befindliche
Interzeichner der Versailler
derträge. Am 17. März
825 in Stuttgart geboren,
udierte er die Rechte
nd wurde Staatsanwalt,
ztadtgerichtsrat und Ober⸗
ribunalsrat in Stuttgart.
861 wurde er in die zweite
dammer gewählt, 1867
vurde er Justizminister,
870 Ministerpräsident
lIls Grund seines jetzigen
dücktritts wird ein Augen⸗
bel angegeben. Sein Nach⸗
olger als Kriegsminister

Deutsche ParadeAufstellung vor Graf Waldersee in Shangai.
Momentphotographie für die „B. J. Z3.“
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.