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Berliner Illustrirte Zeĩtung.
Nr. 38
Preisausschreiben No. 13.
Bekannte Männer in veränderter Barttracht—.
Wer vpat die Namen?
— Oι OAUαααα
no 13 — eine verfängliche Zahl! Irgend eine
ADgeheime Hexerei muß in der Ziffer stecken/
ie spukt am hellichten Tage und verbreitet Ungemütlichkeit.
Nur mit Humor ist ihr beizukommen, und wenn schon unser
neuestes Preisrätsel die ominöse Nummer trägt in der
Reihenfolge kopfzerbrecherischer Rätseltüfteleien, so soll
es zur Linderung wenigstens ein lustiges Gesicht haben.
Gesicht! Da wären wir beim Thema. Das Gesicht
ist das Auge, sagt ein berühmter Denker, denn das
Auge giebt das Licht der ganzen Physiognomie. Nein—
agt ein Anderer, das Gesicht ist die Uase! Der vor—
pringende Erker, bald kühn geschwungen wie ein Habichts⸗
haken, bald spitz und schmal wie ein Storchschnabel,
oder platt und energielos wie eine Kastanie, oder wieder
tteil in die Höhe ragend, regenfangend wie eine Dach—
luke, sie geben in der Mannigfaltigkeit ihrer Gestaltung
»en Charakter sowohl, wie die entscheidende Schönheit
»em Gesicht. Und der Mund? fragt ein Dritter. Ob
zreit, ob schmal, dünnlippig oder sinnlich gewulstet,
crotzig aufgeworfen oder schüchtern verzogen, blaßrot und
zaghaft, spricht er nicht das entscheidenste Wort im
Ausdruck eines Gesichts? Er mag nicht ganz Unrecht
haben, aber es giebt noch andere, die wieder dem Ohr
die wichtigste Rolle zuweisen, und so hat die Physiognomik
hre mannigfaltig interessante Auslegung. Wir aber
rktären uns weder für den einen noch für den andern,
ondern wir halten es mit dem
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In der Physiognomik des Mannes, selbstverständlich.
Der Bart, ein von den Gesichtslinien völlig un—
abhängiges „Gewächs“, ist der mannigfaltige und ewig
wandelbare Schauspieler im Gesicht. Er ist ein
Mimiker wirksamster Art, ein Verkleider, ein Bedecker,
ein Maskierer. Für den Gesichtsausdruck und den
n ihm ausgprägten Charakter ist oft eine kleine Furche,
in winziger Muskel, eine schier unmerkliche Kante
der Linie von entscheidendem Gewicht. Ist der wichtige
zug nun von dichtem, rabenschwarzem Haar bedeckt, so
ntzieht sich dem forschenden Blick die charakteristische
inie und unser Urteil ist beirrt. ———
Welch ein schönes, welch ein bedeutendes, charak—⸗
eristisches Gesicht! pflegt man oft im Anblick eines
rächtig behaarten und bebarteten Männerkopfes zu
agen. Nun lassen Sie einen Unglücksfall eintreten,
er bei dem Betreffenden einen Haarschnitt à la Fiesco
nd eine vollständige Rasierung verlangt. Welch ein
nbedeutender Kopf ist jetzt oft in blanker Nacktheit
chtbar geworden! Energie, Kühnheit, Geist, alles,
lles war Haar, Bart, Brenneisen, Brillantine. Der
rall hat sich öfter ereignet als einmal, und der im
ßerlust seines Haarschmucks auch seiner Kraft beraubte
Zimson hat manchen Leidensgefährten. „Ach, wie
ntstellt!“ pflegen wir auszurufen, wenn irgend ein
ebarteter Bekannter sich rasieren ließ. Oft aber zeigt
erade der Wegfall des Bartes erst die Pracht schöner
Besichtslinien, und der imponierende Ausdruck eines Ge⸗
ichtes wird erst bei dessen völliger , Glätte“ offenbar. Man
»enke nur an die herrlichen Römerköpfe, an Bonaparte.
Von diesem Gedanken ausgehend haben wir nun
elf berühmten Gesichtern gleichmäßige Barttracht ge—
geben. Die Oberlippe nach der jetzt in Deutschland
zeliebten Art bebartet, Kinn und Wange mehr in
ranzösischer Manier. Unter diesem Haarschmuck die
wahre Physiognomie und deren Besitzer zu erkennen,
ist die von uns gestellte Aufgabe. » er
Auf die richtige Lösung sämtlicher Namen setzen
wir wie bisher einen erste —
.
Geldyureis vopn 390 Mb.
und
I10 Preise voy je 5Mlb.
Gehen mehr als elf richtige Lösnngen ein, so wird
gezogen. Alle Einsendungen in dieser Sache sind
An die hedaxtion der
Herliner Mlusstrirten Seitung
PreFSOAuxr̊o abe Mo 72
Derlin Vv.
ChœrlotrTοι9
zu adressieren, sie müssen die genaue Adresse des Ein—
senders erkennen lassen und spätestens am 25. Oktober
in unseren Händen sein. Die Veröffentlichung des
Refultates erfolgt in einer der ersten Novembernummern.
Die Redaktion.