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Volume Nr. 37, 16. September 1900

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1900, IX. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

— 
Berliner Jlustrirte Zeitung. 
Nr. 37 
Nordpolfahrt 
des herzogs der 
Abru2zzen. 
ist 27 Jahre 
alt. Er ist 
ein Sohn des 
hem. Königs 
on Spanien, 
Amadeus, und 
Neffe des Kö— 
rigs Humbert 
yon Italien 
Am 29. Ja— 
iuar 1873, 14 
cage, ehe sein 
hater die spa⸗ 
iische Königs⸗ 
rone verlor, 
u Madrid ge⸗ 
oren, verlebte 
rseine Jugend 
n Italien, be⸗ 
uchte die Ma⸗ 
ine⸗ Akademie 
n Livorno und 
ehörte als 
eutnant der italienischen Marine an. Siebzehn 
zahre alt, unternahm er eine Weltumseglung. 
Zei seinem Aufenthalte in Alaska bezwang er den 
urchtbar wilden und bis dahin noch von nie— 
nandem erstiegenen Eliasberg, die höchste Spitze 
stordamerikas, die 4563 Meter Höhe erreicht. Zuletzt 
veilte der Herzog der Abruzzen in Sibirien, um sich, 
wie er erklärte, an die Kälte zu 
gewöhnen, da er schon die Nord⸗ 
polexpedition plane. Das Schiff, 
auf dem der Herzog der Abruzzen 
seine Nordpolfahrt ausgeführt 
hat, ist das ehemalige norwegische 
Fangfahrzeug „Jason“. Es hat 
sange Jahre im nördlichen Eis— 
meere gedient und wurde 1893 
bon einer Hamburger Rhederei 
zum Robben- und Walfischfange 
in die antarktischen Gebiete ge— 
sendet. Das Schiff wurde für 
die Reise des Herzogs von dem be— 
annten Schiffbauer Colin Archer 
eigens verstärkt und hat in 
Christiania Proviant und Aus⸗ 
rüstung eingenommen. Die Reise⸗ 
ausrüstung der Expedition war 
in 1500 Kisten von je 25 Kilo— 
zamm aus Italien abgegangen. Auf 18 Monate be⸗ 
echnet, kostete die Erpedition 300 000 Fres. Der 
ühne, todesmutige Herzog der Abruzzen hatte vor der 
lusreise gesagt, er wolle so weit als möglich zum 
dordpol vordringen, und daß er nicht zurückkehren 
berde, ehe es ihm gelungen sei, alle seine Vorgänger 
wdieser Beziehung zu übertreffen. Dies ist ihm auch 
elungen. Einen körperlichen Schaden hat er aller— 
»ings davongetragen, und zwar sind ihm zwei Finger 
bgefroren. Man wird ihm bei seiner Heimkehr nach 
Italien einen warmen Empfang bereiten. 
Prinz Luigi Ama⸗ 
deo, Herzog der 
Abruzzen, der im 
oorigen Jahre eine 
Nordpolfahrt unter⸗ 
nahm, ist eben auf 
der Heimkehr be— 
griffen, nachdem er 
ein gutes Stück 
weiter in die nörd⸗ 
ichste Zone vor⸗ 
zedrungen ist als 
Nansen. Der noch in 
ugendlichem Alter 
tehende italienische 
Prinz hat sich mit 
einer kühnen Fahrt 
einen berühmten 
damen geschaffen. Und dieses Bewußtsein ist wohl 
er beste Lohn für die Mühen und lebensgefähr⸗ 
ichen Strapazen, denen er und seine Begleiter aus— 
gesetzt waren. Sein Schiff „Stella Polare“ saß elf 
Nonate im Eise fest. Eine Seite des Schiffes 
vurde um 11/, Fuß eingedrückt; auch die Maschine 
litt Schaden. Die Expedition erreichte 86 Grad 
— — 
Stella Polare‘““, das Schiff des herzoas der Abruzzen. 
Führer des deutschen Kontingentes, Kapitän von Usedom 
bvon der „Hertha“, der in der Schlacht von Langfang 
am 18. Juni auch verwundet worden ist. In einem 
Briefe an den deutschen Viceadmiral Bendemann schrieb 
Seymour u. a. folgendes: „Obwohl es unpassend für 
mich erscheinen mag, über das Verhalten eines nicht 
meinem Befchl unterstellten Offiziers zu berichten, 
kann ich doch meinen Brief nicht 
schließen, ohne Eure Excellenz so— 
wohl meine persönliche Bewun— 
derung der Befähigung und un⸗ 
erschöpflichen Energie, welche Ka— 
pitän von Usedom vom Kaiser⸗ 
lichen Kriegsschiff „Hertha“ wäh⸗ 
rend der ganzen Expedition be— 
wies, als auch meine hohe An— 
erkennung des Wertes seiner 
Dienste auszusprechen.“ 
Kaum minder anerkennend 
haben sich auch die russischen 
Generale, unter deren Oberbefehl 
die Deutschen gefochten, über die 
militärischen Leistungen unserer 
Truppen ausgesprochen. Und wir 
sind überzeugt, sollten die weiteren 
Ereignisse das Eingreifen unserer 
noch auf der Fahrt nach China 
befindlichen „Ostasiaten“ notwendig machen, so werden 
auch sie an Tüchtigkeit ihren braven Kameraden vom 
Seebataillon nicht nachstehen. So hat die chinesische 
Expedition uns heut schon zum mindesten einen mora— 
lischen Gewinn eingebracht: der Erkenntnis von der 
Tüchtigkeit der modernen deutschen Armee in aller Welt. 
General Rennenkampf Rapitaãn 2. 8. v. Usedom Graf o. Lambsdort 
Der russische Oberfeldherr in Norde Der verdienstvolle deutsche Unter⸗ Der Verweser des russ. Ministeriums 
China. befehlshaber unter Seymour. des Auswärtigen. 
z33 Minuten nördlicher Breite. Die Erpedition 
am nördlicher als Nansen, der nur 86 Grad 
4 Minuten erreichte. Die Theilnehmer an der Er— 
»edition litten öfters Hunger und waren gezwungen, 
zunde zu schlachten. Ein Maschinist, ein ge⸗— 
orener Norweger, und zwei Italiener sind ge— 
storben. Nur mehr 
3 Grad 67 Mi— 
nuten war die 
„Stella Polare“ 
dom Nordpol ent⸗ 
fernt. Der Prinz 
kinwohner von 
peking. 
derpackung von Rrankenmänteln für China. Maerti taym
	        
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