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auf die Füße. „Ich lasse mich da ja beinahe aus⸗
horchen — und von Ihnen!“ Sie kehrte ihm demon—
auid den Rücken zu. Ich werde Ihnen überhaupt
teine Antwort mehr geben.“
„Seien Sie nicht unverschämt, Rosa, und ver—
gessen Sie micht, daß ich hier, ais Besucher Ihrer
— stehe. — Antworten Sie mir, ich befehle es
Ihnen!“ —,
Vor allem merken Sie sich, daß, ich für Leute
Ihrer Art immer Fräulein Rosa bin! Und befehlen?
Rosa lachte aus vollem Halse. „Sie haben hier gar
nichts zu befehlen, Sie — Sie —!“
In diesem AÄugenblick trat Frau Carstenn unter
die Thür. J
„Was geht hier vor?“ Und da übersah sie auch
schon die Suͤualion. Gehen Sie, Rosa!“ befahl sie
demn Madchen. Und Sie, Rechtenberg, könnten auch
Vefseres thun, als mit dem Mädchen herumstreiten. —
Was wollen Sie übrigens?“
F „Ihnen meine Hoöchachtung bezeigen, schönste der
Frauen!“
Frau Carstenn ging gelangweilt zum Fenster.
Vassen Sie doch die pPlöden Redensarten,“ sagte
sie ärgerlich. „Sie wollen Geld haben; und für dieses
gelungene Märchen, das alle Einsichtigen kopfscheu
ocht' und Fohansen und das junge Mädchen kompro—
mittleren muß! Johanfen lehnt es rundweg ab, Ihnen
zuch nur einen Pfennig zu geben.“ 9
Das thut mir leid uüm seinetwillen.
„Soll das heißen, daß, Johansen Sie notwendig
hat?“ Frau Carstenn wandte sich gegen ihn um und
sah ihn verächtlich an.
„Natürlich!“ antwortete Rechtenberg ruhig. Und
dann meine ich auch, daß er mich fürchten sollle“
„Alfo eine regelrechte Erpressung! Hören Sie,
Rechtenberg, Sie souten doch nicht so mit Ihrer Gemein⸗
heit posieren.“
Gemeinheit? Na, meinetwegen. Aber jedenfalls
geht diese meine Gemeinheit, mit, meiner Nützlichkeit
Hand in Hand, und mein Geschäft läßt es nicht zu,
die eine von der andern zu trennen. Schade nur, daß
meine Nütßtzlichkeit so oft verkannt wird! Man ent—
lohnt mich nur daunn, wenn ich's verlange, und auch
dann nicht immer; stets aber muß ich mit meinem Lohn
auch die gebührende Verachtung hinnehmen — ich bin
eben so eine Art modernen. Henkersknechts; man
braucht mich zu allem nheen und Unmöglichen,
man denkt keinen Augenblick daran, daß es vielleicht
gar nicht einmal ehrenhaft ist, mir dall diese Dienste
aͤnzusinnen; man verlangt von mir daß ich mit
meinen kleinen Reklamekuͤnsten jedes Lichtlein zum
Rang einer strahlenden Sonne empoͤrschwindele — aber
daun will man sich doch ein Ansehen geben und so
berschmäht man es wenigstens, mir, dem gefälligen
Werkzeug, die Hand zu reichen. Ah, zum Teufel!“ Er
sprang plötzlich auf und ging erregt auf und nieder
Versuchen Sie doch einmal selbst, Acben Sie mit
Ihrem Waschzettel von Redaktion zu Redaktion! Sie
werden dann bald erkennen, welch eine Unsumme von
List und Verschlagenheit dazu gehört, das Anrecht auf
ein Platzchen unterm Strich zu gewinnen. Und dann
werden Sie auch einsehen, wie Sie alle, alle Ihren
Ruhm mir am letzten Ende verdanken! Die Masse ist
oͤlöd', und sie steht obenein unter dem Zauber des ge—
druckten Wortes; was sie am Morgen mn der Zeitung
gelesen, das wird sie am Abend gern aus der Leistung
heraushören, und selbst die Einsichtigen lassen sich
fangen. So ist schon mancher zum Gott abvanciert,
der“ in Wirklichkeit nur ein Tagelöhner der Kunsi
war und dessen ganzes Können auf die Fertigkeit
hinauslief, der Kunst in deren eigenem Gebiet Gewalt
anzuthun.“
Frau Carstenn lachte, aber es klang doch ein wenig
zezwungen.
„Warum sagen Sie das alles? Sie wollen doch
nicht etwa, behaupten, das auch ich Ihre Dienste not—
wendig habe?“
Gewiß behaupte ich das — denn ohne meine
Dienste würden Sie bald das Beste von Ihrem
Ruhme verlieren: Die Popularität! Uebrigens gestehe
ich Ihnen gerne zu, daß Sie wirklich eine Künstlerin
sind. Sie hätten Ihren Weg auch ohne die Dienste
der Rechtenberge gemacht. Aber die andern alle! —
Da ist zum Beispiel dieser Johansen —“
Frau Carstenn unterbrach ihn.
Rechtenberg — was sagen Sie da?“
„Eine Wahrheit, Verehrteste!“ Rechtenberg war
»ereits wieder ruhiger geworden; er, ließ sich wieder
auf den Stuhl nieder und lächelte sie verbindlich an
„Johanfen. ist nicht das Genie, wofür er selbst sich hält
und als welches die Welt ihn mit gutmütiger Duld-
samkeit nimmt. Mein Gott — ex ist doch wenigstens
ein Talent, er ist dazu ein lieber Kerl und ein hübscher
Mensch, den die Weiber gern habe
Rechtenerg.
Ich weiß, ich weiß!“ Er grinste sie mit empbrender
Vertraulichkeit an. „Aber es ist doch so — tausend
und drei — na, reden wir nicht davon. Aber diesen
Vorzügen dankt er seinen Ruhm, und die Kritik läßt
ihn gern gelten, weil er, wie gesagt, in manchem ein
Talent und um vieles besser ist, als viele andre,
Aber, glauben Sie mir, wenn ich nicht ständig daraus
bedacht wäre, ihm vorzuarbeiten — er würde bald einen
recht schweren Stand haben; jetzt aber ist Aussicht
Verliner Illustrirle Zeitung.
—— — ⸗ —
orhanden, daß er, wenn er einmal von der Bühne
des Lebens abtreten wird, eine wenn auch nur einge⸗
ildete Lücke zurückläßt.“
Echweigen Sies Frau Carstenn war ehrlich
ntrüstet. „Sie verleumden Herrn Johansen und das
ulde ich nicht — hören Sie?“
Also ich verleumde!“ Rechtenberg rückte sich behaglich
urecht. Als ich eben da heraus ging, un man in den
Strehen die ntundigungen zu dem ersten Konzert desHerrn
Fohansen an: große Plakate, oben in der Ege das gelungene
ussbnd des Kunflers, daneben alle Titel und Orden
n Feltschrift! — Und dicht daneben hing das Plakat
on dem Baͤrenweib im Panoptikum! — Wer, meinen
Sie nun, hat größeren Anfpruch auf dauernder
uhm das Naturphänomen, wenn's eins ist! —
der der eniale“ Johansen?“ Rechtenberg lachte
„Nein, Verehrteste: die wahre Kunst schreitet anders
inher, als Meister Johansen es thut! Der Johansen
und has Buͤreuweid sind beim Dutzend überzählig
geblieben und sie sind um kein Haar besser als all die
ndern, die das Dutzend voll machen. Aber weil sie
un zufällig als Dreizehnte neben denen vom Dutzend
erlaufen — darum bilden sie sich ein, etwas Besonderes
u fein. Sie gehen allgemach eigene Wege, brechen
nverfroren durch, wenn ihnen irgendwo der Weg
erftellt wird. mid eines Tages erwachen sie als
erühnite Leute — über die dann freilich die Zeit das
etzte Wort spricht!“
Nr. 15.
„Sie wagen es noch, ihm unter die Augen zu
treten 2!
„Ja — aber warum denn nicht?“ Er that auf⸗
ichtig erstaunt.
Jetzt — nach diesen Wahrheiten
Ach darum! — Du lieber Gott, ich gehe ihm,
veil'er meine Hilfe braucht und weil's mein eschäft
ft. Da muß man gewohnheitsmäßig auf eigene
Heinung und dergleichen Schnickschnack verzichten.
reuen Sie fich üdrigens des Einblicks in meine
Seele — ich wiederhole es — Sie werden vielleicht
—X Gelegenheit haben, sich meiner Worte zu er—
nnern.
Aber ich verbiete Ihnen, zu Herrn Johansen zu
‚ehen — ich werde sofort zu shm fahren und ihm alles
agen.“
„Ah!“ Er zuckte bedauernd mit den Achseln.“ Ich
zabe“ imimer geglaubt, daß Sie seine Freundin seien;
das Sie da ihun wollen, wäͤre aber recht unfreundlich
ehandelt. Johansen hat, meine Hilfe heut nötiger als
e da man seine Oper giebt. Ich kenne sie auswendig
ind Sie wissen —'ich verstehe von, der Musik mehr
is ein halbes Dutzend Johansens zusammengenommen.
mein Beruf mir gedietet, für seine Oper in freund⸗
ichem Sinne Stimmung zu, machen, so werde ich das
hun; wenn Sie aber klatschen, meine Teure F, her⸗
zeihen Sie das harte Wahrwort! —, wenn Sie klatschen
ind Johansen hindern, meine Dienste anzunehmen,
wenn Sie ihn gar zu, Unklugheiten gegen mich verleiten
soliten, dann könnte ich zu meinem Leidwesen gezwungen
werden, der Welt mitzuteilen, was die Kritik in freund⸗
schaftlichem Wohlwollen wahrscheinlich verschweigen wird:
daß Herr Johansen mit liebenswurdiger Arglosigkeit
seine Dper gestohlen hat —, unbewußt zwar, wie ich
annehmen will, im guten Glauben, daß er aus dem
eigenen Geistesbronnen schöpfe — aber darum doch ge⸗
ftoͤhlen. — Sie überlegen sich die Sache also noch ein⸗
mal, nicht wahr? Inzwischen werde ich Herrn Jo⸗
hansen aufsuchen und ich hoffe, daß er vernünftig genug
sein wird, mit nicht „die Knochen entzwei“ zu schlagen!
Adieu alfso, meine Liebe, und auf Wiedersehen in vier⸗
zehn Tagen!“ Er empfahl sich mit weltmännischer
Belasfenheit — ganz so, als ob nichts geschehen wäre.
Und' Frau Tarsteun blieb in größter Erregung
zurück. Sie war außer sich darüber, daß ein Mensch
dieses Schlages es wagen durfte, einen Johansen mit
Schmußß zu dewerfen, und sie war auch fest entschlossen,
diesen lebzteren unter allen Umständen vor Rechtenberg
zu waruen. Denn wie klein und verächtlich derselbe
ich war — Olaf durfte es doch nicht unter seiner
Wüurde halten zu zeigen, daß sein Ruhm stark in sich
seloͤst fei und der künstlichen Stützen, von denen Rechten⸗
berg andeutungsweise gesprochen, entbehren könne. —
Aber dann geschah etwas Sonderbares: Frau Carstenn
ertappie sich selbst auf der Gewissensfrage, ob denn
Rechtenberg am Ende nicht doch klarer sehe, als sie und
Ae Welt.“ Sie schalt sich um dieses Zweifels willen
qus und kluingelte mit kurzem Entschluß nach dem
Mädchen. —
„Besorgen Sie mir einen Wagen, Rosa; ich will
zur Bahn fahren.“
Das Mödchen blieb in der Thür stehen.
WGewiß, gnaͤdige Frau! Aber da ist eben ein Herr
zekonimen, der Fräulein Starck sprechen möchte. Was
oll ich mit ihm machen?“
8B* Sie wissen doch, daß das Fräulein nicht
da ist.
Freilich — aber der Herr meint, wenn es nicht
zu lange dauert, bis das Fräulein wiederkommt, dann
nöchte er wohl warten.“ Rosa kicherte. „Der sonder⸗
are Mensch hat ein Blumenbouquet, das nur ein
venig abgelagert aussieht — man könute fast glauben,
rkam mit ganz bestimmten Absichten! —, Und er ist
uch furchtbar verlegen — er stotterte, daß man ihn
aum versiehen konnte.“
„Nannte er seinen Namen?“
Gewiß —: Schultz.“ Das Mädchen kicherte
wieder —
Frau Carstenn mußte lachen.
Der Name sagt grade nicht viel. — Wie sieht
r denn aus?“
„Ach du lieber Gott! Lang — hager, die ganze
Hestalt in einem eckigen schwarzen Auzug — und ein
Zesicht — na! Er ist gewiß ein Schülmeister oder
in Dichter.“
In jedem Falle ist er langweilig! — Schick'
hn fort, er soll ein ander mal wiederkommen. Die
Ssumen bring' mir herein — ich will sie dem
Fräulein geben“ —
Das Mädchen ging und Frau Carstenn begab
sich in ihr Ankleidezimmer, um sich für die Fahrt nach
Berlin umzukleiden. — — —
Als sie eben damit zum Ende gekommen war,
klopfte es draußen und gleich darauf steckte Bertha den
Kopf in die Thürspalte.
„Darf ich hinein kommen?“
Aber natürlich! —“
zertha sprang herein und bot Frau Carstenn
Hände.
Da bin ich wieder!“
krau Carstenn lächelte sie freundlich an.
Sie sind recht lange weogeblieben liebe Bertha.
war, schon einigermaßen in Sorge, um Sie.“
Ach, seien Sie mir nicht böse! Aber es war
„Vor allem merken Sie sich, daß ich für Leute
Ihrer Art immer Fräulein Rosa bin!“
Frau Carstenn war entsetzt. Sie hatte wiederholt
ersucht, seinen Bosheiten Einhalt zu thun, aber er
atte darauf gar nicht geachtet; und dann war sie
affungslos auf einen Stühl gesunken. Jetzt erhob sie
ich und sie brachte es sogar fertig, sich äußerlich zur
Kuͤhe zu zwingen.
„Eine Fräge, Rechtenberg!“
„Nun?“
Wenn Johansen Ihnen, das Geld, geseben
zätte, würden Sie sich dann ähnlich freimütig aus⸗
lesproen haben?“
Wahrscheinlich nicht!“ Er war nicht mehr aus
einer Ruhe aufzuscheuchen. „Aber die Wahrheit wäre
och einmäl an den Tag gekommen und es ist ganz gut,
aß sie nun offenkundig ise vielleicht ziehen Sie selbst
inmal Nutzen daraus.“
„Sie sind ein Elender! — Gehen Sie! Und
aß Sie sich nicht wieder bei mir sehen lassen“
Rechtenberg stand auf.
Sie sollten sich nicht so erregen, Verehrteste —
as schadet Ihnen.“ Er sprach ruhig und ohne jede
Frregung. WUebrigens habe ich gar nicht die Absicht
Jehabt, Sie so bald wieder zu besüchen. Es genügt ja,
venn ich unmittelbar vor Ihrem Konzert wieder—
omme. Leben Sie also wohl auf ewig — und
uf Wiederfehen in vierzehn Tagen.“ Er ging nach der
khüre und blieb dort unter einem Gedanken stehen.
Apropos — haben Sie keine Ahnung, wo ich
zohansen finden kann?“
Frau Carstenn war sprachlos.
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rhalten den Ansang des laufenden Romans auf Ver- beid
angen unentgeltlich nachgeliefert.
Die Expedition Ich
BERLIN SW., Charlottenstr. o.