fullscreen: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 16.1890 (Public Domain)

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fesselt am meisten das erste, das wiederum an die alte Zeit 
erinnert und zu dem bestimmt scheint, wozu es wohl auch früher 
gedient hat: nämlich das Tabaks-Kollegium aufzunehmen. 
Wenn auch gesagt wird, daß der König sich einen mit einem 
Dorrt scho DirrrdosschioMn. 
I Hennig, Berlin. 
eisernen Geländer versehenen, etwas erhöhten Altan am Spring 
brunnen des Hofes zu seiner Tabagie ausersehen habe, so sind 
doch die abendlichen berühmten Versammlungen gewiß inner 
halb des Schlosses gewesen. — Ein langer, grau gestrichener 
Holztisch nimmt die Mitte des ziemlich großen Raumes ein, 
hohe Bierkrüge von Thon und Steingut, sowie zinnerne Becher 
mit Papierfidibussen stehen darauf. Zwölf grün lackierte Holz 
stühle, aus vier hohen, ausgespreizten Beinen ruhend, ohne 
Rücklehue, nur mit zwei 
Seitenlehnen versehen, sind 
um ihn herumgereiht. Be 
kanntlich saß der König am 
liebsten auf Holzschemeln, 
und solche mußten so hoch 
sein, daß seine Füße den 
Boden kaum berührten. — 
Ueber dem Tisch hängt ein 
altdelttschesLeuchterweibchen. 
In der Ecke nracht ein 
dunkler Kachelofen sich,breit, 
die hölzernen Regale zweier 
großer, flacher Nischen au 
der Längsivand sind mit 
bunten Krügen und Schüsseln 
aus Steingut, Zinn, sowie 
allem holländischen Por 
zellan dicht bestellt; die 
gegenüberliegende Seite 
zieren Hirschgeweihe und 
außer den: lebensgroßen 
Bilde Gundlings in präch 
tiger Allongenperücke zahl 
lose Brustbilder, wiederum 
von der Hand des Königs. 
Männer- und Frauenköpfe 
sinds, alte und junge, aber 
alle wie aus Holz oder 
Blech, alle mit unnatürlich 
runden, großen, verzweifelt 
fragenden Augen. Pinxit 
in tormentis steht unter 
einigen, — ja, man glaubt 
es gern, daß beim Malen 
dieser Bilder die Gicht den 
königlichen Künstler wohl 
arg geplagt haben mag; — 
starr, stumm und schrecklich, 
in „Reih und Glied" hängen 
sie da, die er in „Qualen 
gemali hat." 
Allzuviel Schaulustige oder 
Fremde betreten Schloß 
Wusterhausen nicht, aber 
während wir es besichtigten, 
gab es mehr Leben und 
Besuch barin, als ge 
wöhnlich. Zu den Herbst 
manövern waren Truppen 
massen in der Umgegend 
zusammengezogen, und die Offiziere eines Kavallerieregiments, 
ebenfalls die Ruitde durch die Zimmer machend, bildeten hier, 
wie ihre hochgewachsenen Figuren mit den lust- und sonn 
verbrannten Gesichtern sich um den Tisch reihten, wahrlich keine
	        
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