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Band Nr. 44

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1898, VII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Ar. 41. 
Rerliner Illustrirte Zeitung. 
Das Raiserpaar in Venedig: Fahrt durch den Canal grande. 
1. Gondel mit der Kaiserin und der Hönigin Maraherita. 2. Gondel mit dem Kaiser und König Bumbert. 
tuomo, un galantomone“, mehr als ein Ehren— 
mann, ein Ueberehrenmann. 
Ein Idol des Volkes, in der wahrsten Be— 
eutung ist aber die Königin. Sie ist der „Stern 
Ftaliens“. Ihr Name, der in der Marguerite, — 
er Orakelblume, — Gänseblümchen nennt sie der 
Deutsche — sein Symbol findet, ist für das italie— 
rische Volk förmlich mit zur Parole geworden, mehr 
noch als das berühmte „avanti Savova“ des 
avoischen Hauses. 
Thatsächlich verdient Margherita all die Liebe, 
ie ihr in so außerordentlichem Maße geboten wird. 
Zie verdient sie als Königin, wie als Frau. Na— 
nentlich als Frau. Es ist, als vereinige sie alle 
kugenden des Weibes in sich. Alle Vorzüge des— 
elben. Sie ist schön — und war entzückend, dabei 
voll Temperament und Geist. Blendend in ihrem 
Witze. Heiter angelegt und dabei doch empfänglich 
für den Ernst des Lebens. Eine Dichterin., ohne 
»em Bau des türkischen Reiches, und nur die Eifer— 
ucht der europäischen Mächte untereinander ist noch 
mmer der beste Halt für das morsche Gebäude. 
Sicherlich, Abdul-Hamid ist unter den türkischen 
Herrschern nicht an letzter Stelle zu nennen. Man 
zeurteilt ihn verschieden in Europa. Bei uns ge— 
nießt er den Ruf eines wohlwollenden, aufgeklärter, 
—WJKA 
ihn seit den letzten Armenierunruhen mit dem 
Ehrennamen eincs „Schlächters“, eines „blut— 
dürstigen Despoten“. Es liegt an der traditionellen 
Abgeschlossenheit, in welcher seit Jahrhunderten die 
türkischen Herrscher zu leben gezwungen sind, daß 
nan sich kein klareres Bild über Abdul-Hamid machen 
ann. Das Konterfei aber, das die Engländer von 
hm entwerfen, scheint doch verzerrt zu sein. 
Allwöchentlich einmal, beim Freitags-Moschee— 
hesuch, mit dem zugleich stets eine Parade der Truppen 
yerbunden ist, wird demt großen Vublikum Gelegen— 
seit, den Sultan von Angesicht zu Angesiht zu sehen. 
Uind namentlich die Fremden nützen diese Gelegen— 
eit aus. Daun kommt der Sultan, meist in offenem 
Zagen und in Civilkleidung, in Begleitung Ghezi— 
I8man⸗Paschas, des Siegers von Plewna, der der 
Freueste seiner Getreuen ist, daher gefahren. Und 
ie Regimenter präsentieren das Gewehr, die Militär— 
dapellen spielen den Xamidié-Marsch, und Ein— 
eimische und Fremde lassen den Padischah hoch— 
ben: Padischahimis tschok jascha! 
Und dann sieht man, daß der Sultan schon über 
ine Jahre hinaus gealtert ist. Schlaff und apa— 
zisch liegt er in den Kissen des Wagens, ein recht 
züder Mann Sein Gesicht, mit prononciert jüdisch— 
rientalischem Ausdruck, wird von einem mittellangen 
ast schon ergrauten Vollbart umrahmt. Aber so 
pathisch er erscheint, er grüßt doch freundlich. Und 
nuden Tagen des Kaiserbesuches soll Abdul-Hamid 
lle Welt in Erstaunen gesetzt haben durch die Agi— 
ität seines Wesens. Denn er hatte den Herrscher 
n Gast bei sich, der vielleicht sein einziger, wahrer 
Freund unter allen europäischen Monarchen ist 
Das italienische Königspaar. 
D Anwesenheit des deutschen Kaiserpaares 
in der schönen Lagunenstadt gab den 
—— Venetianern nicht nur Anlaß, diesem 
seradezu glänzende, begeisterte Ovationen zu 
»ringen, nein sie bot ihnen auch willkommene Ge— 
egenheit, ihren König und ihre Königin ganz 
esonders zu feiern. Man weiß ja, daß der König 
elbst von den Feinden des monarchischen Priu— 
ips hochgeschätzt wird, und Alle seine glänzenden 
CTharaftereigenschaften, sein eisernes Pflichtgefühl 
und „sein Herz für die Geschicke seines Landes“ 
inerkennen. So populär und beliebt wie sein Vater 
st er freilich nicht, denn der „re galantuomo?“ 
ühlte sich selbst mitten im Volke weit wohler, 
ils in den „parfümierten“ Kreisen des Hofes, und 
»as trauliche „Du“, mit dem er jeden anredete, 
rachte ihn dem Volke weit näher. Umberto ist 
hnen zu aristokratisch, „troppo re“, zu sehr König, 
ind was die Hauptsache bei den Italienern ist, die 
a trotz ihrer Sorgen ein fröhliches Völkchen sind, 
— nicht lustig genug. Sonst aber halten sie ihn 
zoch, sehr hoch sogar, denn er ist „piß che galan- 
Fönia Humbert von Italien. 
KFönigin Maraherita von Italien
	        
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