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Volume Nr. 10

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1898, VII. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

Rr. 10. 
Jerliner Illustrirte Zeitung. 
hegenpartei einen Freistoß ein. Ein Goal ist er⸗ 
ielt, wenn der Ball zwischen den Stangen des 
MNales (Goals) hindurch geht. Ferner besteht eine 
Mannschaft aus elf Mann, einem Thorwächter, 
wei Endbacks, drei Halfbacks und fünf Stürmern. 
die Spielzeit ist ebenfalls zweimal 45 Minuten. 
jedes grobe Spiel, das indessen selten und nur bei 
mgeübten oder rohen Leuten vorkommt, verwirkt 
inen Freistoß für die Gegner oder Entfernung des 
Zetreffenden aus dem Spiele. 
In Großbritannien bestehen zur Pflege dieses 
Zportzweiges neben einer sehr großen Anzahl von 
Imateur⸗Clubs und einigen Verbänden noch zahl⸗ 
eiche Berufsspieler-Clubs. Alljährlich kommen ver⸗ 
chiedene Meisterschaften zum Austrag. Geradezu 
Pferderücken, der sich gleichmäßig auf und ab bewegt 
- eine stille geduldige Demuth in dem leicht zur 
Zeite gesenkten Kopf. Armes Pferdchen! Seine 
Leistungen haben längst alle Eleganz und Schwung⸗ 
kraft der Jugend eingebüßt — es hat längst keinen 
Ehrgeiz mehr, wie seine stolzen Verwandten, die 
ben im silberglänzenden Geschirr eines flotten Dog— 
rarts an ihm vorübertraben. Aber es thut seine 
pflicht brav und ergeben bis zuletzt — ohne andere 
Ideale als die abendliche Ruhe im warmen Stall 
ind eine spärliche Portion Hafer. 
Ich glaube fast — wenn einer die Gedanken 
dieses armen braunen Pferdchens lesen könnte, es 
würde ein gut Theil mehr lebenswahre Philosophie 
dabei herauskommen, als die zwanzig Menschen im 
Inneren des Wagens sie zusammenbringen 
würden — P. Zillen. 
Der Fußball-KHport. 
»er B. F. C. „Frankfurt“ und, infolge einer Spal⸗ 
ung desselben, 1888 der bekannte B. Th. u. F⸗C. 
„Germania“. Aus derselben Zeit ungefähr stammt 
»er ebenso bekannte L. Th. u. F.«C. „Viktoria“. 
In ganz Deutschland fand das Spiel bald Ver— 
reitung, wie auch an vielen deutschen Schulen, 
wischen denen Wettkämpfe stattfinden. Den größten 
Anhang fand Association in Berlin. Es bestehen 
sier zur Zeit hunderte von Vereinen, deren Mit— 
liederzahl zwischen 100 und 20 ,schwankt. Drei 
Herbände haben in Berlin ihren Sitz: der „Deutsche 
Fußball⸗ und Cricket-Bund“, der „Allgemeine deutsche 
Zport⸗Bund“ und der „Verband deutscher Ballspiel⸗ 
Bereine“. Der Erstgenannte hatte bis Mitte 1897 
nie führende Stelle; aber zunächst durch den Aus— 
NEn England, der Heimath des Sports, 
sind Fußball und Cricket National⸗ 
spiele; schon seit Jahrhunderten 
verden sie von allen Schichten der Be— 
hölkerung betrieben und mit großem Inter— 
sse verfolgt. Wenn auch nun Cricket eigent⸗ 
ich ein Sommerspiel, Fußball dagegen ur— 
prünglich ein Winterspiel ist, so wird doch 
Fußball, besonders auf dem Kontinent, fast 
das ganze Jahr hindurch gespielt. Zwei 
Arten von Fußball sind zu unterscheiden: 
das. Rugby- und das Associations— 
Spiel. Rugby (den Namen hat es von 
einer englischen Schule) wird von zweimal 
fünfzehn Spielern ausgeführt; acht in zwei 
Reihen stürmen, Forwards genannt, zwei 
spielen als Halfbacks, vier als Dreiviertel- 
backs und einer als Goalkeeper. Es kommt 
aun darauf an, den Ball, der auch mit 
Händen weiterbefördert wird, durch das feind⸗ 
liche Thor Goal) hindurch zu tragen und 
niederzulegen, was einen try Wersuch) 
zählt. Durch einen Freistoß, mit dem 
Fuße ausgeführt, wird dann versucht, den 
iry, der drei Punkte gilt, in ein 
Boal, fünf Punkte, zu verwandeln. 
Dieses ist erreicht, wenn der Ball über 
die Querstange hinweg fliegt. Die Dauer des 
Spieles ist zweimal 45 Minuten. Auf die vielen 
genaueren Regeln dieser Art einzugehen, lohnt sich 
kaum, da Rugby in Berlin fast gar nicht gepflegt 
wird, während es in Hannover, Bremen, Frank— 
furt a. M., in Baden und Württemberg verbreitet 
st. In England und Nord-Amerika ist Rugby 
liemlich volksthümlich. Unfälle gehören in Amerika, 
da Rughy hier sehr scharf gespielt wird, nicht zu 
den Seltenheiten. 
Die bei uns übliche Spielart, das Associations— 
Bundes-)Spiel, weicht in mehreren wesentlichen 
Punkten vom Rugby ab. Es darf der Ball nur 
mit den Füßen und dem Kopfe weiterbewegt werden; 
der Goalwächter allein ist berechtigt, auch die Hände 
zu gebrauchen; jede Berührung von einem anderen 
Spieler mit der Hand oder den Armen bringt der 
Fußballsport in Verlin: 
Die siegreiche Mannschaft des B. F. C. „Frankfurt“ im Kampf um die Meisterschaft von Berlin. 
Nach einer Photographie von W. Titzenthaler in Berlin. 
berühmt sind die Matches um die Meisterschaft der 
League“, sowie die Wettspiele zwischen England, 
Irland und Schottland. 
Ueberall, wo Engländer hinkommen, verstehen sie 
s, auch ihren Sport einzuführen, und so hat sich 
zas Associationsspiel außerordentlich verbreitet; in 
Ddeutschland, Oesterreich- Ungarn, der Schweiz, Bel⸗ 
zsien, Dänemark, Frankreich, in den Niederlanden, 
ztalien, Aegypten, Südafrika, Westindien, Ost⸗ 
ndien, Austrolien, Nordamerika u. s. w. wird es 
etrieben. 
Was uns hier vornehmlich interessirt, das ist 
ie Entwickelung in Deutschland. Im Jahre 1883 
vurde von Engländern in Berlin der „Berliner 
Fricket Club“ gegründet, der die Deutschen Cricket 
ind Fußball lehrte. Der „English Football-Club“ 
olgte bald. 1885 entstand der erste deutsche Club, 
ritt „Germanias“, innere Streitigkeiten und den 
ürzlich erfolgten Austritt mehrerer Vereine, darunter 
Viktoria“, hat der Bund von seiner einstigen Gröoße 
rnicht mehr viel bewahrt. Die Meisterschaften der 
etzten fünf Jahre sind stets „Viktoria“ zugefallen. 
Das „A. d. Sp.B.“Programm ist sehr vielseitig; 
s enthält Athlet:k, Radfahren, Eislaufen und Fuß— 
all. Kein Wunder ist es, wenn dieser Bund an 
zahl sowohl wie an Spieltüchtigkeit von geriuger 
gedeutung ist. Die von ihm ausgeschriebene Meister⸗ 
chaft von Berlin ist dem B. F. C. „Frankfurt“ zuge⸗ 
allen, welcher Club aber nicht dem Bunde angehört. 
der „V. d. B.V.“ endlich ist erst im September 1897 
egründet worden. Er steht gesellschaftlich am 
yöchsten; seine Grundfätze sind wesentlich unter— 
chieden von denen der beiden anderen Verbände: 
Bekämpfung der Unsitte, daß Spieler in zwei Clubs 
hätig sind, Veredelung des Sports, Verbreitung in 
den besseren, gebildeten Kreisen. Im Kampfe um 
die Meisterschaft dieses Verbandes wird die Ent— 
scheidung zwischen „Fortuna“, „Britannia“ und 
„Preußen“ liegen. Nächst Berlin weist Hamburg 
die größte Verbreitung des Fußballsports auf; hier 
ist der Sitz des „Hamburg⸗Altonaer Fußball-⸗Bundes“, 
dessen Meisterschaft diesmal wohl der „Altonger F. C.“ 
zegen „Germania“, den bisherigen Sieger, gewinnen 
wird. Leipzig, mit dem „Verband Leipziger Ballspiel⸗ 
„ereine“, Dresden, Frankfurt a. M., Magdeburg, 
Straßburg, Hannover, Braunschweig, Bremen, Stutt⸗ 
zart, Karlsruhe, Hanau, Köln, Düsseldorf, Bonn, 
Breslau, Cottbus u. s. w. folgen dann. Auf dem 
europäischen Festlande sind die deutschen Clubs, in 
Sonderheit die Berliner, wohl die besten; auch 
Mannschasten von Engländern, die auf dem Fest— 
griner 
hendpost 
⸗— 
mit · *e. Jelal bei allen Poxtantalten zu abonniren. 
dem Unterhaltungsblatt N PREIS: 
„Deutsches Heim“ — — — 
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— ⏑⏑—
	        
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