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Band Nr. 47, 21. November 1897

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1897, VI. Jahrgang, Nr. 3-52 (Public Domain)

Niederlage Potsdamerstraße 129/130. 
Nus der Geschäftswell. 
Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht 
aoch immer das Fahrrad. In alle Schichten der Be— 
oblkerung, bei Arm und Reich, hat es sich Eingang zu 
verschaffen gewußt, trotz der vielfachen, sinnlosen An— 
eindungen und Einschränkungsversuche. Man kann sogar 
zgeradezu behaupten, das Fahrrad hat einen Wendepunkt 
nn der Geschichte der personellen Verkehrsmittel hervor— 
gerufen und noch hat es nicht den Höhepunkt erreicht! 
Der Fahrradbau ist ein wichtiger Industriezweig in 
sämmtlichen civilisirten Ländern, und namentlich in 
unserem Vaterlande, geworden, Vielen zu Nutze, Nie— 
mandem zum Schaden. Denn Tausende und Aber— 
causende finden in ihm den Broterwerb, oder suchen in 
hm Heilung körperlicher Leiden, und wieder Andere be— 
autzen das Fahrrad, um nach einem mühevoll durch⸗ 
arbeiteten Tage hinauszueilen in die freie Natur, oder 
nach den Mühen der Woche am Sonntage, ledig aller 
pflicht, auf dem Rücken des Stahlrosses dahinzufliegen durch 
Wald und Felder, nur sich und der herrlichen Natur lebend! 
Eine Menge große und kleine Fabriken arbeiten 
rastlos an der Herstellung von Fahrrädern und trotzdem 
st es kaum möglich, der Nachfrage entsprechende Quanti⸗ 
täten herzustellen. Hunderte von Erfindern arbeiten nur 
daran, noch einige Schwächen in der Konstruktion der 
Fahrräder zu verbessern, und taglich gehen neue Patent⸗ 
anmeldungen, die sich nur einzig und allein auf diesen 
Industriezweig beziehen, ein. Aber diese sogenannten 
Neuerfindungen sind meistentheils keine „Verbesserungen“, 
jondern verschwinden vom Radmarkte ebenso schnell, wie 
sie erschienen sind. Das große Verdienst, eine wirklich 
praktische und schon vielfach erprobte Neuerung gebracht 
zu haben, gebührt den „Welt-Rad“Fahrradwerken 
A.G., vorm. Hoyer & Glahn, Schönebeck a. Elbe, 
eren patentirte Erfindung einen Umschwung im ge— 
ammten Fahrradbau veranlassen wird. 
Lehrsaal Leipzigerstraße 134. 
Verliner Zllustrirte Zeitung. 
ö — ⸗ — — 
Bekanntlich wurden bisher die Gestellrohre an den 
Verbindungsstellen gelöthet und liefen dadurch außer⸗ 
rdentlich Gefahr, an oder neben den Loöthstellen zu ver⸗ 
rennen. Nach Ueberlackirung der schadhaften Stelle 
ann selbstverständlich der geübteste Fachmann nichts 
Fehlerhaftes an dem betreffenden Rohre entdecken, und 
zerade an den verbrannten Stellen bricht die Maschine 
achher zusammen. So kann man bei einem derartig 
ergestellten Fahrrade Leben und Gesundheit auf's Spiel 
etzen. Diesem Uebel hat nun die obengenanute, rühm— 
ichst bekannte Firma durch ihr in zwölf Industriestaaten 
atentirtes Walzverfahren abgeholfen. Die einzelnen 
sohre des Gestelles werden auf kaltem Wege an den 
gerbindungsstellen ineinander gewalzt, wodurch sich feste, 
anige Ringe bilden. Das Löthen und demnach auch die 
gerbrennungsgefahr fällt also vollständig fort und sind 
in Folge dessen Rahmenbrüche einfach ausgeschlossen. Die 
iach dem neuen Verfahren hergestellten Verbindungstheile 
hurden zur Prüfung auf Zug und Bruchfestigkeit der 
dönigl. mechanisch- technischen Versuchsanstalt Berlin⸗ 
FSharlottenburg (Technische Hochschule), dem Magdeburger 
Zerein für Dampfkesselbetrieb und den Deutsch-Oester- 
ceichischen Mannesmann-Röhrenwerken vorgelegt und 
eine größte Bruchfestigkeit bis zu 3600 Kilo konstatirt. 
Dieser Stabilität sowohl, als auch dem vorzüglichen 
Material, welches die Fabrik zur Herstellung der Fahr⸗ 
üder verwendet, haben die Welt-Rad-Fahrradwerke ihren, 
zei dem gesammten sportliebenden Publikum bekannten, 
zuten Ruf zu verdanken, und die Nachfrage nach dieser 
eliebten Marke wächst von Tag zu Tag. Aus diesem 
grunde hat sich das Schönebecker Haus veranlaßt ge⸗ 
ehen, in Berlin eine General-⸗Niederlage, für die Vor⸗ 
orte (Potsdam, Königswusterhausen ꝛc.) inbegriffen, zu 
errichten. Dieselbe befindet sich in dem neuen Prachtbau 
Potsdamerstr. 129,130, unweit des Potsdamer Platzes, 
inter der Leitung des Herrn Felix Isaac, eines be— 
annten und allseitig beliebten Sportsman, der selbst als 
vr. 47. 
Reparatur-Werkstätte. 
Horsitzender eines Berliner Radfahrer⸗Clubs und Vor⸗ 
tandsmitglied des Konsulats Berlin der „Allgemeinen 
Radfahrer⸗Union“ ein Förderer und treuer Anhänger des 
jesunden und schönen Sports ist. 
Der Laden selbst ist mit einfacher, aber gefälliger 
Fleganz ausgestattet. Zwei große Schaufenster, welche 
nicht überladen, ganz, dem Inneren entsprechend, dekorirt 
ind, bilden für das ganze Haus eine Zierde. In jedem 
Fenster zwei Maschinen und einige Zubehörtheile, das ist 
er ganze Schmuck, und trotzdem werden die Vorüber⸗ 
ehenden schon durch die auffallend schöne Bauart der 
yahrräder angelockt. 
Eine große Reparaturwerkstatt liegt direkt unter dem 
raden und ist mit demselben durch eine eigene Treppe 
erbunden. Vorzügliche Maschinen ermöglichen es, unter 
ꝛeitung tüchtiger Fachleute selbst die komplizirtesten Re— 
aturen aller Rad⸗ Systeme vorzunehmen. Dieser große 
Raum dient auch gleichzeitig als Engros-Lager. 
Um nun selbst den verwöhntesten Ansprůchen · gerecht 
zu werden, haben die „Welt-⸗Rad-Fahrradwerke“ 
die ausgedehnten und bekannten „Victoria-Säle“ in 
der Leipzigerstraße 134 als Winterfahrbahn gemiethet 
und den Kaäufern und Käuferinnen des „Welt⸗ Rads“ 
wird kostenlos nach eigener, vorzüglichster Methode 
— DDD 
Im Sommer steht der Firma ein geräumiger Platz, 
nahe dem Geschäftshause für Lehrzwecke zur Verfügung 
Herr Isaac hat sich liebenswürdigst bereit erklärt, 
allen Interessenten sowohl die Neuerung am Rahmen⸗ 
gestell (das Walzverfahren), von deren Vorzüglichkeit fich 
Schreiber dieses zur Genüge in monatelangem Gebrauche 
es „Welt-Rads“ überzeugt, als auch seine Räumlich⸗ 
eiten, natürlich ohne Kaufzwang, zu zeigen resp. zu er— 
lären, und wir können nur dringend allen Freunden 
des Radsports rathen, hiervon ausgiebigen Gebrauch zu 
machen. PB. R. 
Lagerraum.
	        
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