Niederlage Potsdamerstraße 129/130.
Nus der Geschäftswell.
Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht
aoch immer das Fahrrad. In alle Schichten der Be—
oblkerung, bei Arm und Reich, hat es sich Eingang zu
verschaffen gewußt, trotz der vielfachen, sinnlosen An—
eindungen und Einschränkungsversuche. Man kann sogar
zgeradezu behaupten, das Fahrrad hat einen Wendepunkt
nn der Geschichte der personellen Verkehrsmittel hervor—
gerufen und noch hat es nicht den Höhepunkt erreicht!
Der Fahrradbau ist ein wichtiger Industriezweig in
sämmtlichen civilisirten Ländern, und namentlich in
unserem Vaterlande, geworden, Vielen zu Nutze, Nie—
mandem zum Schaden. Denn Tausende und Aber—
causende finden in ihm den Broterwerb, oder suchen in
hm Heilung körperlicher Leiden, und wieder Andere be—
autzen das Fahrrad, um nach einem mühevoll durch⸗
arbeiteten Tage hinauszueilen in die freie Natur, oder
nach den Mühen der Woche am Sonntage, ledig aller
pflicht, auf dem Rücken des Stahlrosses dahinzufliegen durch
Wald und Felder, nur sich und der herrlichen Natur lebend!
Eine Menge große und kleine Fabriken arbeiten
rastlos an der Herstellung von Fahrrädern und trotzdem
st es kaum möglich, der Nachfrage entsprechende Quanti⸗
täten herzustellen. Hunderte von Erfindern arbeiten nur
daran, noch einige Schwächen in der Konstruktion der
Fahrräder zu verbessern, und taglich gehen neue Patent⸗
anmeldungen, die sich nur einzig und allein auf diesen
Industriezweig beziehen, ein. Aber diese sogenannten
Neuerfindungen sind meistentheils keine „Verbesserungen“,
jondern verschwinden vom Radmarkte ebenso schnell, wie
sie erschienen sind. Das große Verdienst, eine wirklich
praktische und schon vielfach erprobte Neuerung gebracht
zu haben, gebührt den „Welt-Rad“Fahrradwerken
A.G., vorm. Hoyer & Glahn, Schönebeck a. Elbe,
eren patentirte Erfindung einen Umschwung im ge—
ammten Fahrradbau veranlassen wird.
Lehrsaal Leipzigerstraße 134.
Verliner Zllustrirte Zeitung.
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Bekanntlich wurden bisher die Gestellrohre an den
Verbindungsstellen gelöthet und liefen dadurch außer⸗
rdentlich Gefahr, an oder neben den Loöthstellen zu ver⸗
rennen. Nach Ueberlackirung der schadhaften Stelle
ann selbstverständlich der geübteste Fachmann nichts
Fehlerhaftes an dem betreffenden Rohre entdecken, und
zerade an den verbrannten Stellen bricht die Maschine
achher zusammen. So kann man bei einem derartig
ergestellten Fahrrade Leben und Gesundheit auf's Spiel
etzen. Diesem Uebel hat nun die obengenanute, rühm—
ichst bekannte Firma durch ihr in zwölf Industriestaaten
atentirtes Walzverfahren abgeholfen. Die einzelnen
sohre des Gestelles werden auf kaltem Wege an den
gerbindungsstellen ineinander gewalzt, wodurch sich feste,
anige Ringe bilden. Das Löthen und demnach auch die
gerbrennungsgefahr fällt also vollständig fort und sind
in Folge dessen Rahmenbrüche einfach ausgeschlossen. Die
iach dem neuen Verfahren hergestellten Verbindungstheile
hurden zur Prüfung auf Zug und Bruchfestigkeit der
dönigl. mechanisch- technischen Versuchsanstalt Berlin⸗
FSharlottenburg (Technische Hochschule), dem Magdeburger
Zerein für Dampfkesselbetrieb und den Deutsch-Oester-
ceichischen Mannesmann-Röhrenwerken vorgelegt und
eine größte Bruchfestigkeit bis zu 3600 Kilo konstatirt.
Dieser Stabilität sowohl, als auch dem vorzüglichen
Material, welches die Fabrik zur Herstellung der Fahr⸗
üder verwendet, haben die Welt-Rad-Fahrradwerke ihren,
zei dem gesammten sportliebenden Publikum bekannten,
zuten Ruf zu verdanken, und die Nachfrage nach dieser
eliebten Marke wächst von Tag zu Tag. Aus diesem
grunde hat sich das Schönebecker Haus veranlaßt ge⸗
ehen, in Berlin eine General-⸗Niederlage, für die Vor⸗
orte (Potsdam, Königswusterhausen ꝛc.) inbegriffen, zu
errichten. Dieselbe befindet sich in dem neuen Prachtbau
Potsdamerstr. 129,130, unweit des Potsdamer Platzes,
inter der Leitung des Herrn Felix Isaac, eines be—
annten und allseitig beliebten Sportsman, der selbst als
vr. 47.
Reparatur-Werkstätte.
Horsitzender eines Berliner Radfahrer⸗Clubs und Vor⸗
tandsmitglied des Konsulats Berlin der „Allgemeinen
Radfahrer⸗Union“ ein Förderer und treuer Anhänger des
jesunden und schönen Sports ist.
Der Laden selbst ist mit einfacher, aber gefälliger
Fleganz ausgestattet. Zwei große Schaufenster, welche
nicht überladen, ganz, dem Inneren entsprechend, dekorirt
ind, bilden für das ganze Haus eine Zierde. In jedem
Fenster zwei Maschinen und einige Zubehörtheile, das ist
er ganze Schmuck, und trotzdem werden die Vorüber⸗
ehenden schon durch die auffallend schöne Bauart der
yahrräder angelockt.
Eine große Reparaturwerkstatt liegt direkt unter dem
raden und ist mit demselben durch eine eigene Treppe
erbunden. Vorzügliche Maschinen ermöglichen es, unter
ꝛeitung tüchtiger Fachleute selbst die komplizirtesten Re—
aturen aller Rad⸗ Systeme vorzunehmen. Dieser große
Raum dient auch gleichzeitig als Engros-Lager.
Um nun selbst den verwöhntesten Ansprůchen · gerecht
zu werden, haben die „Welt-⸗Rad-Fahrradwerke“
die ausgedehnten und bekannten „Victoria-Säle“ in
der Leipzigerstraße 134 als Winterfahrbahn gemiethet
und den Kaäufern und Käuferinnen des „Welt⸗ Rads“
wird kostenlos nach eigener, vorzüglichster Methode
— DDD
Im Sommer steht der Firma ein geräumiger Platz,
nahe dem Geschäftshause für Lehrzwecke zur Verfügung
Herr Isaac hat sich liebenswürdigst bereit erklärt,
allen Interessenten sowohl die Neuerung am Rahmen⸗
gestell (das Walzverfahren), von deren Vorzüglichkeit fich
Schreiber dieses zur Genüge in monatelangem Gebrauche
es „Welt-Rads“ überzeugt, als auch seine Räumlich⸗
eiten, natürlich ohne Kaufzwang, zu zeigen resp. zu er—
lären, und wir können nur dringend allen Freunden
des Radsports rathen, hiervon ausgiebigen Gebrauch zu
machen. PB. R.
Lagerraum.