Verliner Pllustrirte Seitung.
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ich empfahl und durch den bekannten Salon schritt,
exmied er instinktiv nach dem Kinderbilde zu
hauen, dem stets sein letzter Blick gegolten hatte.
58 war ihm heut, als haͤtte er nicht das Recht
zu, in die ernften Zuge zu schauen, dieses reine
lutlitz zu begrüßen — Er gab sich selbst nicht
gechenschaft von dem, was in ihm seit gestern vor—
ing, er wollte sich nicht Rechenschaft geben, denn
8 war nicht nur der Künstler in ihm, der heut
mnen Blick in den Venusberg geworfen, es war
ucht der Tannhaͤuser, sondern wirklich Erich Voll
nar selbst, der in feinem Innern das unheilvolle
Dir, Goͤttin der Liebe!“ in jauchzender Lust sang.
Er glich dem Schiffer, der ohne Ruder und
Steuer veuer und immer weiter, sich in's Meer
reiben laͤßt, bis die Ufer um ihn her verschwinden,
er die Klippen nicht fehen will, die dicht unter der
piegelnden Fläche drohen, der nur, Eines hört, das
sied der Loreleh. — Daheim, in seinen traulichen
ier Wänden durchlebte er, auf der Chaiselongue
ingestreckt, die Arme unter den Kopf, noch einmal
en“für ihn so bedeutungsvollen Abend, und wirklich
Jar es wieder das Bild der schönen Frau, das
les Andere überstrahlte, das seine Lippen in
eligem Halbschlummer lächeln ließ in wohligem,
nunceunbaren, Eutzücken, in verbotener, aber, unbe—
hreiblicher Wonne und stolzer ried gonse —
Am Abend des nächsten Tages, punktlich um
3 Uhr, gab Erich in der Odogalschi'schen Villa seine
darle ab. Einige Augenblicke wartete er in der
it koftbaren Deckengemälden und Gobelins ge—
chmückten Vorhalle, und merkwürdig, bis an den
Zals hinauf schlug ihm das Herz in fiebernder Er—
vartung.
Die Fürstin empfing ihn in dem kleinen, un—
emein behaglich eingerichteten Familien⸗Speisezimmer
llein. De Gatte war in einer dringlichen An—
elegenheit am Morgen schon verreist und ließ seinen
zaft um Eutschusdigung bitten. Ein heißes Gefühl
inbeschreiblicher Beklemmung legte sich über Erich's
Zrust, als er sich neben der schönen Frau an dem
zraziss gedeckten Mitteltifch niederließ. Während
es Essens plauderten Beide von landläufigen, ober⸗
süchlichen Dingen. Nicht mit einem Work, berührte
lga die gesterige Theatervorstellung, aber über
sem ganzen Gespräch lag von beiden Seiten etwas
deer Mühseliges, und das Unfreie in
-rich's Wesen wollte nicht weichen, ja wuchs von
Noment zu Moment. Lautlos servirte der russische
diener mit den gleichgiltig stumpfen, slavischen
zügen wie ein seeleuloser Ausomat.
Endlich erhob sich die Fürstin und sagte lächelnd,
ndem sie ihrein Gaste die Hand hinstreckte: „Es ist
vhnen wohl auch angenehm, wenn ich die Tafel
ushebe, deun was ich Ihnen versprach, war ja eine
jemüthliche Plauderstunde am Kamin!“ Sie schritt
zuf das kleine Nehenzimmer zu, das in träumerischem
ʒalbdunkel zum Plaudern einlud, und ließ hinter
ich und Erich die schweren indischen Portioͤren zu—
llen. Die Fürstin haßte blendendes Licht, das
‚ewies wieder, wie vorgesitern, dieses kleine lauschige
Boudoir, Ein kleiner Kamin von lichtgrünem,
elten schönem und werthvollem Malachit nahm die
Nitte der einen Seite ein, Vorhänge und Draperien
ius leuchtend grünem, mit, Gold gestickten Peluche
üllten Fenster, Thüren und, Wände ein, und, von
hem saftigen Grunde hoben sich in hellen Fleischtönen
Pen Gemälde, meist e eane Stoffe. Den
oden bedeckten weiße, weiche Felle, und über die
Chaiselongue vor dem Kamin breitete sich ein
nächtiger Eisbär. Von der Decke herab hing an
Nr. 7.
ünner Kette eine blutrothe Ampel, wie in den
uffischen Kirchen vor den Bildern der Heiligen,
vahrend in der einen Ecke zwischen, grünen Topf-
ewachsen und, Schlingpflanzen leise ein dünner
wafferstrahl plätschernd aus einem kleinen Malachit⸗
ecken emporstieg. — Die Fürstin trat auf ein
leines Tischchen zu, entzündete eine Cigarette, die
ie, mit bezauberndem Laͤcheln Erich reichte, steckte
ich felbst eine andere in Brand, uud streckte sich auf
as Eisbärfell des Lagers, während sie Erich ein
icht neben ihr stehendes Tabouret anbot. — Einen
Augenblick blieben Beide stumm, Olga sah scheinbar
edantenlos den bläulichen Ringeln der Cigarette
iach, die langsam zur Decke emporstiegen, dann be—
ann sie piößlich mit leiser Stimme, ohne Erich
inzuschauen:
Wiffen Sie auch, Herr Vollmar, daß ich gestern
lbend, nachdem ich die Oper wohl zwanzig Mal
ehört, r ersten Male empfunden habe, was der
roße Meister sich gedacht, als er sie schrieb mit
lammender Seele und heiliger ee Ich
abe Linen unvergeßlichen Abend verlebt, und Sie sind
in 3 ee Ich danke Ihnen!“ — Wieder
eichte sie ihm die Hand, in die er die seinige legte,
wber sie ließ sie nicht nach kurzer Berührung wieder los,
vie sonst, sondern hielt sie fest in der ihrigen —
Sie faßen dicht bei einander, fast Auge in Auge,
or r auf dem chneei gen Fell lag der dunkle Kopf
es berückend schönen Weibes, mit den weichen,
zroßen Augen, die sich jetzt fest auf sein Gesicht hef⸗
kten, und Um sie her tiefes, träumendes Schweigen!
ind sie begunn zu plaudern, harmlos, ununter⸗
hrochen mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit. Sie sprach
hon seiner Kunst, von seinen Studien, seiner Auf⸗
assung, sie iwere ihre eigene gee echte Schwär⸗
nerei jür Alles, was Kunst und Musik heißt, ihre
Dankbarkeit für alles Wahre und Schöne, das auf
iefein Gebiete sich ihr je geboten. Dabei hielt sie
miner seine fiebernde Hand, und Erich fühlte, wie es
bon ihr zu ihm herüberzog wie ein magischer Strom,
wie ein geheimnißvolles Fluidum.
(Fortsetzung folgt.)
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entgegenstreckte. „Nund“ rief er Fedor entgegen, „sind
Sie zufrieden?“ —
„Konnen Sie fragen?“ antwortete ihm dieser.
„Hat Ihnen der Beifall der Menge, das Entzücken
bes Publikums nicht Jaut und braufend zugerufen,
velche elettrisirende Wirkung Sie ausgeübt ·
„Ja,“ rief Erich, und helle, fast kindliche
Freude leuchtete über sein ganzes Gesicht, „ich
derde an diesen Abend denken, so lange ich lebe,
und heut habe ich Ihre Landsleute von ganzem
Herzen lieben gelernt. Das war Beifall, den man
bei uns zu Lande nicht kennt, der den Künstler an—
Pornen muß wie ein heiliges Feuer.“
„Mir schien es, als hätten Sie den ganzen
Jubel überhört, wie Sie dastanden mit den ver⸗
Närten Augen, als existirte nur ein einziges Wesen
für Sie in dem ganzen dichtgedrängten Hause,“
sagte Fedor, der direkt, auf sein Iuf losging.
Erxrich errdthete leicht und antwortete in einem so
ruhigen Tone, daß der Freund ihn ganz verblüfft
mschaute Sie meinen die Fürstin? Gewiß, ich
gebe zu, daß die Schönheit dieser wunderbaren Frau
Anen ungeheuren Reiz auf mich ausübte, daß ich
einen großen Theil der flammenden Begeisterung
ihr verdauke. Aber das gilt, ehrlich gesagt, nur für
den Kunftler, weniger fuür den Meuschen, Sie war
fuͤr mich ein Phantom, ein überirdisches Wesen, das
die Steule meiner Muse vertrat, aber nun ist der
Raufch voruber, die phantastische Selbsttäuschung
verflogen. Das, nüchtern-gesunde Leben umfängt
mich Wwieder und mein Blut schlägt wieder seinen
normalen Takt. Es ist etwas ganz Besonderes um
das bischen Kunsthegeisterung, woher wir sie
nehmen, it uns im Augenblick, wo wir sie brauchen,
vollftändig gleichgültig, aber mit dem gewöhnlichen
Civilmenschen ziehen wir auch unsere gewöhnlichen
Alltagsansichten und Grundsaͤtze wieder an. Die
Frau“ist verheirathet. — Und so etwas ist mir nun
einmal heilig!“
Sie lieben sie also nicht?“ fragte Fedor ganz
erstaͤunt.
„Noch nicht, und Gott gebe, daß dieser Fall nie
einttitt.Ich habe nie ein Weib gesehen, daß im—
puͤlfiver und gewaltiger auf eine sinnlich veranlagte
Ratur gewirtt hat, aber von diesen Gefühlen bis
zur Liebe ist bei mir wenigstens noch ein unendlich
weiter Weg.
Hundertmal könnte ich wie heute auf der Bühne
stehen und hundertmal würde, das unsagbare Etwas,
das von ihr auf mich ausstrzmt, dieselbe Wirkung
den, aber wie gesagt, das wurde nur für das künst⸗
lerische Empfinden dFelten, für die Welt der Selbst—
aufchung, der ich Jensents der Rampen angehöre.
Im Privatlehen bin ich vielleicht ein sehr harmloser
Mensch mit sehr spießbürgerlichen Grundsätzen, die
ganz. und gar nicht zu den Moralbegriffen der
russischen Fraͤuen passen, die Sie mir geflern Abend
childerten.“
adhad läßt dieses Weib Sie wirklich vollkommen
a 4
„Im Gegentheil! Ihre Nähe jagt mir das Blut
örnmich durch die Adern, aber ich habe von früh
an glücklicher Weise zwei gute Dinge dbe Mich
selber zu beherrschen und fremdes Eigenthum zu
respektiren!“
Fedor drückte die Hand seines Freundes und
agte, indem er erleichtert aufathmete; „So will
ss Aen nur von ganzem Herzen wünschen, daß es
o bleibt!“
Als Erich a einer Stunde gemüthlichen
Plauderns im Kreise der ihm so lieben Menschen
—X
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—
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ꝛei. Aber, wenn Sie auch noch so reizend sind,
vie foll Sie der Posthote unter den vielen Wölfen in
Berlin ausfindig machen, sofern Sie uns ihre Adresse
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aie kleine Vergeßlichkeit nicht zu errbthen, verehrtes
Fräulein, denn daß Jemand in der Aufregung über
die Absendung des ersten Manufkripts die wichtigste
Angabe unterläßt, auch das ist für ein abgebrühtes
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