ßerlin, 18. Juli 1897.
11. Jahrgang. Ar. 29.
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In einem Rundreisebillet Bureau in Berlin. —
*
Oridinalzeichnung von A. Kiekebusch.
2* or etwa 30 Jahren veröffentlichte ein popu⸗—
lärer süddeutscher Kalender ein niedliches
5 Geschichtchen, „Der Rundreisehut“ betitelt.
Hatte da der Zufall ihrer zwei in einem Coupé,
wie man heute sagt „Abtheil“, zusammen gewürfelt.
Einen behäbigen „ausgedienten“ Metzgermeister, dem
zie Wohlhabenheit und die Biederkeit nur so aus
Kleidung und dem Angesicht strahlte, und einen
chäbig⸗eleganten Kerl mit konfiszirter Visage, der
nit Kennerblick sofort die Zugehörigkeit des Dicken
zu „denen, die nicht alle werden“, herauserkannt hatte.
Man kam in's Gespräch, über Zweck und Ziel der
Reise, über den Norddeutschen Bund, Herrn von
Bismarck und Napoleon, und schließlich auch über
die Fortschritte im Eisenbahnwesen, wie einem das
Reisen doch immer bequemer gemacht werde.
Namentlich der Dicke, der noch wenig gereist war
ind seinen ersten größeren Flug in Gottes weite
Welt wagte, sprach sich enthusiastisch darüber aus,
vährend der Andere kritischer veranlagt war und
nur einer neuen Einrichtung uneingeschränkten Bei—
all zollte: dem Rundreisehut. Der Dicke horchte
uf. Der Rundreisehut? Davon hatte er noch nie
was gehört. Ein mitleidig-überlegenes Lächeln
es Anderen. Ohne den Rundreisehut ist man auf
er Bahn überhaupt nur ein halber Mensch. Er
cspart das Laufen von einem Kassenschalter zum
ndern, das so lästige Billetkoupiren ꝛc. ꝛc. Noch
iachte der Dicke ein ungläubig erstauntes Gesicht.
Is aber dann, kurz vor einer größeren Station der
ontrolleur an das Fenster trat und um die zwei
ahrkarten bat und der Rundreiseschwärmer statt der
inen nur seinen Hut vom Kopf nahm und ihn
nit der Futterseite dem Beamten entgegenhielt, der
var einen Moment etwas verblüfft dreinschaute,
inn aber mit einem lachenden „Alles richtig“ vom
enster verschwand, da schwor der Dicke, solch' einen
ut müsse er auch haben, koste es, was es wolle.
er Andere tröpfelte Wasser in diesen Wein. Diese
undreisehüte würden nur in beschränkter Anzahl
ngefertigt und seien nur im Hauptbureau der Eisen⸗
ahn-⸗Direktion in der Landeshauptstadt zu haben;
wiel er wisse, seien sie für dieses Jahr gänzlich
usverkauft. Der Dicke verbarg seine Enttäuschung
icht; er sondirte, wie er meinte, sehr vorsichtig, ob
»inem Reisegefährten denn der Hut nicht feil wäre.
der wollte erst nicht recht; aber schließlich: sein
zutes Herz“, die Erwägnng, daß er für dieses Jahr
hon reisemüde sei und dies und jenes noch, be—
immten ihn endlich, dem Dicken den Hut für
O Gulden zu überlassen. Aber natürlich müsse er
nsehen, daß er, der Verkäufer, nicht gut ohne Hut
erumlaufen könne, und so gab ihm der Dicke zu
en 50 Gulden noch seinen funkelnagelneuen Cylinder
nd tauschte dafür seelenvergnügt einen ziemlich
hmierigen und abgegriffenen — man bedenke, der
zut war schon viel gereist! — Filz ein.
Auf der nächsten kleinen Station empfahl sich
er liebenswürdige Reisegefährte, der sich plötzlich
arauf besonnen hatte, daß er in dem „Nest“ ein
oringendes Geschäft“ abzuwickeln hatte mit dem
Zunsche „Glückliche Reise“, während der Dicke, der
ine Fahrkarte, als überflüssig geworden, zum Fenster
inausgeworfen hatte, den Moment herbeisehnte, wo
r den Rundreisehut in Aktion treten lassen konnte.
daß er schließlich erfahren mußte, einem Schwindler
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