Path:
Volume Nr. 29, 18. Juli 1897

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1897, VI. Jahrgang, Nr. 3-52 (Public Domain)

ßerlin, 18. Juli 1897. 
11. Jahrgang. Ar. 29. 
3 24 ——— 
D 7 Ii n P r7 Mn 5* 
lbutssrinr 
⸗ 
—— 
3 
— ß 
g JBVB— 
4 . — 3 —8 
* * 5 *8 
— —— — 
F c — 
3 FJF 
Erscheint jeden Sonntan. 
Abonnement in Berlin:0— 
vierteljährlich· ¶ M. 30 Pf., monatlich 4s Pf. 
urch alle Zeitungs-Spediteure und die Erpedition 
frei in's Haus. 
Redaktion und Expedition: 
BVerlin 8.V., Charlottenstraße 9. 
— Abonnement Außerhalb: 
bei den Postanstalten für 1M. s50 Pf. pro Quartal 
Postzeitungsliste 988) sowie bei allen Buchhandlungen. 
KAnzeigen: 6o Pfg. die Nonpareille⸗-gFeile. 
In einem Rundreisebillet Bureau in Berlin. — 
* 
Oridinalzeichnung von A. Kiekebusch. 
2* or etwa 30 Jahren veröffentlichte ein popu⸗— 
lärer süddeutscher Kalender ein niedliches 
5 Geschichtchen, „Der Rundreisehut“ betitelt. 
Hatte da der Zufall ihrer zwei in einem Coupé, 
wie man heute sagt „Abtheil“, zusammen gewürfelt. 
Einen behäbigen „ausgedienten“ Metzgermeister, dem 
zie Wohlhabenheit und die Biederkeit nur so aus 
Kleidung und dem Angesicht strahlte, und einen 
chäbig⸗eleganten Kerl mit konfiszirter Visage, der 
nit Kennerblick sofort die Zugehörigkeit des Dicken 
zu „denen, die nicht alle werden“, herauserkannt hatte. 
Man kam in's Gespräch, über Zweck und Ziel der 
Reise, über den Norddeutschen Bund, Herrn von 
Bismarck und Napoleon, und schließlich auch über 
die Fortschritte im Eisenbahnwesen, wie einem das 
Reisen doch immer bequemer gemacht werde. 
Namentlich der Dicke, der noch wenig gereist war 
ind seinen ersten größeren Flug in Gottes weite 
Welt wagte, sprach sich enthusiastisch darüber aus, 
vährend der Andere kritischer veranlagt war und 
nur einer neuen Einrichtung uneingeschränkten Bei— 
all zollte: dem Rundreisehut. Der Dicke horchte 
uf. Der Rundreisehut? Davon hatte er noch nie 
was gehört. Ein mitleidig-überlegenes Lächeln 
es Anderen. Ohne den Rundreisehut ist man auf 
er Bahn überhaupt nur ein halber Mensch. Er 
cspart das Laufen von einem Kassenschalter zum 
ndern, das so lästige Billetkoupiren ꝛc. ꝛc. Noch 
iachte der Dicke ein ungläubig erstauntes Gesicht. 
Is aber dann, kurz vor einer größeren Station der 
ontrolleur an das Fenster trat und um die zwei 
ahrkarten bat und der Rundreiseschwärmer statt der 
inen nur seinen Hut vom Kopf nahm und ihn 
nit der Futterseite dem Beamten entgegenhielt, der 
var einen Moment etwas verblüfft dreinschaute, 
inn aber mit einem lachenden „Alles richtig“ vom 
enster verschwand, da schwor der Dicke, solch' einen 
ut müsse er auch haben, koste es, was es wolle. 
er Andere tröpfelte Wasser in diesen Wein. Diese 
undreisehüte würden nur in beschränkter Anzahl 
ngefertigt und seien nur im Hauptbureau der Eisen⸗ 
ahn-⸗Direktion in der Landeshauptstadt zu haben; 
wiel er wisse, seien sie für dieses Jahr gänzlich 
usverkauft. Der Dicke verbarg seine Enttäuschung 
icht; er sondirte, wie er meinte, sehr vorsichtig, ob 
»inem Reisegefährten denn der Hut nicht feil wäre. 
der wollte erst nicht recht; aber schließlich: sein 
zutes Herz“, die Erwägnng, daß er für dieses Jahr 
hon reisemüde sei und dies und jenes noch, be— 
immten ihn endlich, dem Dicken den Hut für 
O Gulden zu überlassen. Aber natürlich müsse er 
nsehen, daß er, der Verkäufer, nicht gut ohne Hut 
erumlaufen könne, und so gab ihm der Dicke zu 
en 50 Gulden noch seinen funkelnagelneuen Cylinder 
nd tauschte dafür seelenvergnügt einen ziemlich 
hmierigen und abgegriffenen — man bedenke, der 
zut war schon viel gereist! — Filz ein. 
Auf der nächsten kleinen Station empfahl sich 
er liebenswürdige Reisegefährte, der sich plötzlich 
arauf besonnen hatte, daß er in dem „Nest“ ein 
oringendes Geschäft“ abzuwickeln hatte mit dem 
Zunsche „Glückliche Reise“, während der Dicke, der 
ine Fahrkarte, als überflüssig geworden, zum Fenster 
inausgeworfen hatte, den Moment herbeisehnte, wo 
r den Rundreisehut in Aktion treten lassen konnte. 
daß er schließlich erfahren mußte, einem Schwindler 
à—uea eenvnv —
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.