Nr. 12.
Dienst aus dem Heime herausriß, das er nun seit zwei
Jahren nicht gesehen hatte. Denn Mübchen hatte
ügtürlich keinen Urlaub verdient. Der dumme,
schwerfüllige Mützchen, der nie etwas begriff und
die schlechtesten Griffe „kloppte“, der zum Appehl
niemals fertig und überdies mit drei Tagen bestraft
war, konnte solch' ein Soldat Urlaud dekommen?
Nein, —3 — Korporal, Feldwebel und Haupt⸗
nann waren einstimmig darin.
Natürlich konnte es Niemand wissen, daß Mütz—⸗
hen an dem Allen schuldlos war. Hatte er mal mit
ieler Mühe seine Sachen in Ordnung gebracht, so
agen auch schon, ließ er seinen Schrank auch nur
eine Minute offen, an Stelle der sauberen, ausge—
zesserten Kleider andere da, die alles andere aͤls
appellfähig waren, und die Arbeit konnte von nenem
ꝛeginnen, Mützchen aber natürlich nicht fertig werden.
Ja, die Berunet Jungen. Aber, daß auch in den
imgetauschten Kleidern gleich sein Nanmie, sogar
zedruckt, wie es porgeschrieben, d'rin war, das konnt
Mützchen nicht begreifen. Ueberhaupt das Begreifen
Wie oft hatte er dieses Wort hören müssen, nament
ich bei der Instruktion. Mützchen begriff nie, was
ein mit Feuer gedeckter Raum“, eine Seelenachse“
und „eine Visirlinie“ ist. Wozu brauchte er auch
olche Gelehrsamkeit, aber der Herr Lieutenant wal
anderer Meinung, und dann war es immer
Mützchen, der Strafe Bogen und Bogen mit
ein⸗ und demselben Worte, das er so leicht vergaß,
eschreiben mußte. Da hatte es doch die Hanne
zu Hause besser. Doch jetzt ist er bald Reservemann!
—. Ein stolzes Gefühl schwellte Mützchen's Brust.
Wie schrieb doch sein guter Vater durch den Herrn
Lehrer: „Jung'!“ hatte er geschrieben, „lass' Din
Kopp nich' hängen, halt' aus. Geld und z' Essen
jast“ ja und dann wirst auch zuletzt Reservemann!“
— Mützchen war aber jetzt wirklich eingeschlafen,
ein kräftiges Schnarchen bewies das. Niemand
törte feinen Schlummer. Seine Kameraden ver—
mügten sich zum Theil in nahen Bauerngehöften,
zum Theil lagen sie auch in Morpheus Armen.
Mützchen träumte: Er saß in Vaters flottem
Zweispänner, der Jochen mit seinem großen Koffer
sinten auf dem Wagen, die Hanne und den Vater
neben sich, so ging's unter lustigem Schwatzen von
der Bahnstation dem Heimathsdorfe zu. Sein Herz
clopfte, wenn er Hanne, die in den zwei Jahren, in
denen er sie nicht gesehen, noch hübscher geworden
war, ansah. Sie sah auch zu schmuck aus in ihrem
Sonntagsputz, das rothe Mieder, das ihre bvolle
Brust ümgab, stand ihr zu gut. Und der Hanne,
Herliner Illustrirle Zeitung.
a, der gefiel Mützchen auch — ausnehmend, wie
er so keck dasaß, die schmucke Reservemütze auf einem
Rr, und die Brauuen munter ausgreifen ließ.
r hat in mehr Schneid, dachte sie. Mützchen
ah ihre bewundernden Blicke und blickte noch stolzer
rein. Dann waren sie da. Knechte und Mägde
tanden mit freudestrahlenden Gesichtern am Hofthor
ind Karo, der gute, alte Karo, riß so stürmisch an
zer Kette, daß die Bude Gefahr lief, umzufallen.
Mützchen's weiches Gemüth gerieth in heftige Be—
vegung, er fühlte, wie ihm die Thränen heiß in die
Augen schossen. Und nun seine Mutter! Noch so
risch und rüstig wie immer, eilte sie die Stufen der
kampe herab und schloß Muͤbchen schluchzend in
ie Arme. — Da plötzlich fühlte er, wie eine schwere
Zand sich auf seine Schulter legte, und sah zu seinem
entsetzen in das strenge Gesicht seines Unteroffiziers.
Dieser zog ein paar Handschellen hervor und fagte
u den beiden hinter ihm steheuden Soldaten;
Fesselt den Deserteur, Iftanzt das Bajonett auf
ind bringt ihn auf dem kürzesten Wege zur Bahn.“
Mützchen hörte nur noch, wie Hanne, seine Braut,
inen gellenden Schrei ausstieß, dann — — erwachte
r, in Angstschweiß gebadet. Zitternd richtete er sich
uf, also wirklich nur ein Traum. Mützchen rieb
ich den Schlaf aus den Augen. Was, er hatte
eweint, er, ein zukünftiger Reservemann? Oder sollte
s geregnet haben? Doch nein, alles um ihn herum
var splittertrocken. Scheu blickte er um sich: wenn
as nur, nicht einer von seinen Kameraden sah,
hohn und Spott war ihm sicher. Dann sah er nach
er Uhr; hu, hatte er geschlafen! blos noch ne halbe
Stunde, dann ging's los in's Bivouak und dann, ja
ann war er ja baͤld frei, konnte seiner Eltern und
danne's geliebte Nähe genießen und war der
zlücklichste Mensch in ganz Posemuckel und auch
ioch zwei Meilen im Umkreis. Bei diesem Ge—
anken wurde ihm froh und leicht um's Herz. —
Aber waschen, ja waschen mußte er sich noch. Wo
atte er doch heute nur während des Gefechts
Wasser geseh'n? Richtig, hinter der Waldecke — Orfks—
inn hatte Mützchen ja immer gehabt — lag ein stiller
erborgener Weiher, schön, mit langem Schilf un
eben und hellein, klaren. Wasser. Hurtig packte
Nützchen seine Sachen zusammen und steuerte der
VBaldecke zu. Na, das ist bequem, lachte er, sogar
in Brett haben sie extra für mich hingelegt. Schwapp,
veg mit Tornister, Lederzeug und Koppel. „Dich
rag ich bloß noch einmal,“ dachte Mützchen mit
reuͤdiger Genugthuung, als er sich seines Rockes
ntledigte. Ha, wie däs wohlthat, seit langer Zeit
wieder 'mal ordentliches Wasser, und wie kalt, hell
und klar es ist. Mützchen kaun beinahe bis auf
den Grund sehen. Fische scheinen keine d'rin zu
sein. Er beugte sich tief herunter, mit beiden Händen
hielt er sich an dem Rand des Brettes und steckte
den Kopf in die klare Fluth. — Ein Krachen, Holz
plitterte, und schwer sank der Körper Mützchen's,
den Kopf voran, in den tiefen Grund. Noch ein⸗
mal tauchte er auf, halb betäubt. „Hanne, hilf',“
zurgelte er mühsam hervor, doch schon füllte das
ee Nase, Mund und Ohr seiner Beute
und Mützchen verlor das Bewußtsein. — — —
„Trösten Sie sich, lieber Mann,“ sagte acht Tage
später der Hauptmann zu einem noch rüͤstigen, jetzt
aber wie gebrochen dastehenden Manne und zu einem
hleichen, jsungen Mädchen in ländlicher Tracht:
„Ihr Sohn und Bräutigam war ein braver Soldat
und ist in seinem Berufe gestorben. Er hat viel
vor seinen Kameraden voraus.“ — Der Mann nickte
stumm und das Mädchen weinte heftig. —
d
Briefkalsten.
.
R
O. S. Gera. Ein Thaler mit dem Bildnisse des
Königs Friedrich Wilhelm IV. aus dem Jahre 1861
yat, sofern das Gepräge noch scharf ist, einen Ka—
alogwerth von 30 Mk. Wenden Sie sich wegen
Verkaufs an die Münzenhandlung von Julius
Hahlo, Berlin, Unter den Linden; den Katalog—
preis werden Sie jedoch vom Händler nicht erzielen,
dielleicht finden Sie dort Gelegenheit, das Stuͤck an
einen Liebhaber zu verkaufen.
Uhrmacher V. H. Eine Karte von Kreta brachte
die „Berliner Abendpost“, die wir Ihnen zum
Abonnement empfehlen. Ihre Wünsche sind damit
vohl erledigt.
Herrn H. W. in O. Wir sehen der Einsendung
von Räthseln gern entgegen. — Zur Weiterempfehlung
stellen wir Ihnen gern zur Verfügung.
C. M. in O—n. Beiträge für die Spielecke
werden nicht honorirt, der volle Name der Einsender
wird dagegen gern genannt.
Thalia. Es thut uns leid, Sie kränken zu
müssen, man spricht aber allgemein Potpourri
inter Betonung der ersten Silbe und deutlicher
MAussprache des t.
Herr Dr. med, Fgenoltf in Kelkheim a. / Taunus schreibt: Von Dr. Hommel's Haematogen Kann ich nur Gutes berichten. Bei beginnendor Lungen-
tuberkulose, wo der Appetit voôllis darniederlag und ieh schon viele Stomachiea crfolglos gebraucht hatte, hob sich der Appetit und das Ugemeinbefinden
Unden b8l M sehr. Ausgezreiehnete Resultate sah ich bei Kindern, bei denen in Folge von Verdauungsstörungen grosse Sehwache eingetreten war.“
7 Herr, Dr. med. Hnbor in Rosenheim: „Mit Pr. Hommel's Haematogen habe iehb bei einem Lungeuschwindsüchtigen durch Hebung des Appetits
bedeutende Besserung des Allgemeinzustandes erzielt.“
9 d s t 9 790 ee Forinee ei e 98 Haemoglobin ist die natürliehe organische
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