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Volume Nr. 12, 21. März 1897

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1897, VI. Jahrgang, Nr. 3-52 (Public Domain)

Nr. 12. 
Dienst aus dem Heime herausriß, das er nun seit zwei 
Jahren nicht gesehen hatte. Denn Mübchen hatte 
ügtürlich keinen Urlaub verdient. Der dumme, 
schwerfüllige Mützchen, der nie etwas begriff und 
die schlechtesten Griffe „kloppte“, der zum Appehl 
niemals fertig und überdies mit drei Tagen bestraft 
war, konnte solch' ein Soldat Urlaud dekommen? 
Nein, —3 — Korporal, Feldwebel und Haupt⸗ 
nann waren einstimmig darin. 
Natürlich konnte es Niemand wissen, daß Mütz—⸗ 
hen an dem Allen schuldlos war. Hatte er mal mit 
ieler Mühe seine Sachen in Ordnung gebracht, so 
agen auch schon, ließ er seinen Schrank auch nur 
eine Minute offen, an Stelle der sauberen, ausge— 
zesserten Kleider andere da, die alles andere aͤls 
appellfähig waren, und die Arbeit konnte von nenem 
ꝛeginnen, Mützchen aber natürlich nicht fertig werden. 
Ja, die Berunet Jungen. Aber, daß auch in den 
imgetauschten Kleidern gleich sein Nanmie, sogar 
zedruckt, wie es porgeschrieben, d'rin war, das konnt 
Mützchen nicht begreifen. Ueberhaupt das Begreifen 
Wie oft hatte er dieses Wort hören müssen, nament 
ich bei der Instruktion. Mützchen begriff nie, was 
ein mit Feuer gedeckter Raum“, eine Seelenachse“ 
und „eine Visirlinie“ ist. Wozu brauchte er auch 
olche Gelehrsamkeit, aber der Herr Lieutenant wal 
anderer Meinung, und dann war es immer 
Mützchen, der Strafe Bogen und Bogen mit 
ein⸗ und demselben Worte, das er so leicht vergaß, 
eschreiben mußte. Da hatte es doch die Hanne 
zu Hause besser. Doch jetzt ist er bald Reservemann! 
—. Ein stolzes Gefühl schwellte Mützchen's Brust. 
Wie schrieb doch sein guter Vater durch den Herrn 
Lehrer: „Jung'!“ hatte er geschrieben, „lass' Din 
Kopp nich' hängen, halt' aus. Geld und z' Essen 
jast“ ja und dann wirst auch zuletzt Reservemann!“ 
— Mützchen war aber jetzt wirklich eingeschlafen, 
ein kräftiges Schnarchen bewies das. Niemand 
törte feinen Schlummer. Seine Kameraden ver— 
mügten sich zum Theil in nahen Bauerngehöften, 
zum Theil lagen sie auch in Morpheus Armen. 
Mützchen träumte: Er saß in Vaters flottem 
Zweispänner, der Jochen mit seinem großen Koffer 
sinten auf dem Wagen, die Hanne und den Vater 
neben sich, so ging's unter lustigem Schwatzen von 
der Bahnstation dem Heimathsdorfe zu. Sein Herz 
clopfte, wenn er Hanne, die in den zwei Jahren, in 
denen er sie nicht gesehen, noch hübscher geworden 
war, ansah. Sie sah auch zu schmuck aus in ihrem 
Sonntagsputz, das rothe Mieder, das ihre bvolle 
Brust ümgab, stand ihr zu gut. Und der Hanne, 
Herliner Illustrirle Zeitung. 
a, der gefiel Mützchen auch — ausnehmend, wie 
er so keck dasaß, die schmucke Reservemütze auf einem 
Rr, und die Brauuen munter ausgreifen ließ. 
r hat in mehr Schneid, dachte sie. Mützchen 
ah ihre bewundernden Blicke und blickte noch stolzer 
rein. Dann waren sie da. Knechte und Mägde 
tanden mit freudestrahlenden Gesichtern am Hofthor 
ind Karo, der gute, alte Karo, riß so stürmisch an 
zer Kette, daß die Bude Gefahr lief, umzufallen. 
Mützchen's weiches Gemüth gerieth in heftige Be— 
vegung, er fühlte, wie ihm die Thränen heiß in die 
Augen schossen. Und nun seine Mutter! Noch so 
risch und rüstig wie immer, eilte sie die Stufen der 
kampe herab und schloß Muͤbchen schluchzend in 
ie Arme. — Da plötzlich fühlte er, wie eine schwere 
Zand sich auf seine Schulter legte, und sah zu seinem 
entsetzen in das strenge Gesicht seines Unteroffiziers. 
Dieser zog ein paar Handschellen hervor und fagte 
u den beiden hinter ihm steheuden Soldaten; 
Fesselt den Deserteur, Iftanzt das Bajonett auf 
ind bringt ihn auf dem kürzesten Wege zur Bahn.“ 
Mützchen hörte nur noch, wie Hanne, seine Braut, 
inen gellenden Schrei ausstieß, dann — — erwachte 
r, in Angstschweiß gebadet. Zitternd richtete er sich 
uf, also wirklich nur ein Traum. Mützchen rieb 
ich den Schlaf aus den Augen. Was, er hatte 
eweint, er, ein zukünftiger Reservemann? Oder sollte 
s geregnet haben? Doch nein, alles um ihn herum 
var splittertrocken. Scheu blickte er um sich: wenn 
as nur, nicht einer von seinen Kameraden sah, 
hohn und Spott war ihm sicher. Dann sah er nach 
er Uhr; hu, hatte er geschlafen! blos noch ne halbe 
Stunde, dann ging's los in's Bivouak und dann, ja 
ann war er ja baͤld frei, konnte seiner Eltern und 
danne's geliebte Nähe genießen und war der 
zlücklichste Mensch in ganz Posemuckel und auch 
ioch zwei Meilen im Umkreis. Bei diesem Ge— 
anken wurde ihm froh und leicht um's Herz. — 
Aber waschen, ja waschen mußte er sich noch. Wo 
atte er doch heute nur während des Gefechts 
Wasser geseh'n? Richtig, hinter der Waldecke — Orfks— 
inn hatte Mützchen ja immer gehabt — lag ein stiller 
erborgener Weiher, schön, mit langem Schilf un 
eben und hellein, klaren. Wasser. Hurtig packte 
Nützchen seine Sachen zusammen und steuerte der 
VBaldecke zu. Na, das ist bequem, lachte er, sogar 
in Brett haben sie extra für mich hingelegt. Schwapp, 
veg mit Tornister, Lederzeug und Koppel. „Dich 
rag ich bloß noch einmal,“ dachte Mützchen mit 
reuͤdiger Genugthuung, als er sich seines Rockes 
ntledigte. Ha, wie däs wohlthat, seit langer Zeit 
wieder 'mal ordentliches Wasser, und wie kalt, hell 
und klar es ist. Mützchen kaun beinahe bis auf 
den Grund sehen. Fische scheinen keine d'rin zu 
sein. Er beugte sich tief herunter, mit beiden Händen 
hielt er sich an dem Rand des Brettes und steckte 
den Kopf in die klare Fluth. — Ein Krachen, Holz 
plitterte, und schwer sank der Körper Mützchen's, 
den Kopf voran, in den tiefen Grund. Noch ein⸗ 
mal tauchte er auf, halb betäubt. „Hanne, hilf',“ 
zurgelte er mühsam hervor, doch schon füllte das 
ee Nase, Mund und Ohr seiner Beute 
und Mützchen verlor das Bewußtsein. — — — 
„Trösten Sie sich, lieber Mann,“ sagte acht Tage 
später der Hauptmann zu einem noch rüͤstigen, jetzt 
aber wie gebrochen dastehenden Manne und zu einem 
hleichen, jsungen Mädchen in ländlicher Tracht: 
„Ihr Sohn und Bräutigam war ein braver Soldat 
und ist in seinem Berufe gestorben. Er hat viel 
vor seinen Kameraden voraus.“ — Der Mann nickte 
stumm und das Mädchen weinte heftig. — 
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Briefkalsten. 
. 
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O. S. Gera. Ein Thaler mit dem Bildnisse des 
Königs Friedrich Wilhelm IV. aus dem Jahre 1861 
yat, sofern das Gepräge noch scharf ist, einen Ka— 
alogwerth von 30 Mk. Wenden Sie sich wegen 
Verkaufs an die Münzenhandlung von Julius 
Hahlo, Berlin, Unter den Linden; den Katalog— 
preis werden Sie jedoch vom Händler nicht erzielen, 
dielleicht finden Sie dort Gelegenheit, das Stuͤck an 
einen Liebhaber zu verkaufen. 
Uhrmacher V. H. Eine Karte von Kreta brachte 
die „Berliner Abendpost“, die wir Ihnen zum 
Abonnement empfehlen. Ihre Wünsche sind damit 
vohl erledigt. 
Herrn H. W. in O. Wir sehen der Einsendung 
von Räthseln gern entgegen. — Zur Weiterempfehlung 
stellen wir Ihnen gern zur Verfügung. 
C. M. in O—n. Beiträge für die Spielecke 
werden nicht honorirt, der volle Name der Einsender 
wird dagegen gern genannt. 
Thalia. Es thut uns leid, Sie kränken zu 
müssen, man spricht aber allgemein Potpourri 
inter Betonung der ersten Silbe und deutlicher 
MAussprache des t. 
Herr Dr. med, Fgenoltf in Kelkheim a. / Taunus schreibt: Von Dr. Hommel's Haematogen Kann ich nur Gutes berichten. Bei beginnendor Lungen- 
tuberkulose, wo der Appetit voôllis darniederlag und ieh schon viele Stomachiea crfolglos gebraucht hatte, hob sich der Appetit und das Ugemeinbefinden 
Unden b8l M sehr. Ausgezreiehnete Resultate sah ich bei Kindern, bei denen in Folge von Verdauungsstörungen grosse Sehwache eingetreten war.“ 
7 Herr, Dr. med. Hnbor in Rosenheim: „Mit Pr. Hommel's Haematogen habe iehb bei einem Lungeuschwindsüchtigen durch Hebung des Appetits 
bedeutende Besserung des Allgemeinzustandes erzielt.“ 
9 d s t 9 790 ee Forinee ei e 98 Haemoglobin ist die natürliehe organische 
* * isen-Manganverbindung der Nahrungsmittel. esehmackszusutze: yc. puriss. 20,.0. Vin. malac. 10.0. Preéeis per 
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Vorzũel. Rof
	        
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