Kummer 35.
III. Jahrgang.
Berliner
Inlfrin
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Berlin, 2. September 1894.
*. Die
KRommißbrotbäckerei
der
Berliner Garnison. »—
“
Nach der Natur gezeichnet von R. Canisius.
55—
—— den verschiedenen Anstalten, welche der
koniglichen Garnisonverwaltung in Berlin
tessortiren, ut die Kommißbrotbäckerei in der Köpenicker
Straße eine der interessantesten. Schon um ihrer Be—
stimmung wegen. Denn das Kommißbrot ist in der
Zerliner Bevolkerung populär, und namentlich die
irmere Bevölkerung treibt mit den Soldaten, des
Kommißbrotes wegen, einen stillen, aber schwung⸗
haften Handel. Denn da der Soldat von Regiments⸗
wegen kein anderes Brot als das Kommißbrot ge⸗
efert erhält, so mundet ihm dasselbe nicht in allen
Jeilen, uͤnd er kauft sich für die wenigen Groschen,
die er dafür erhält — etwa 30 bis 35 Pfennige, —
gern auch mal Weizenbrod, sehr häufig aber sind
8 die paar Groschen überhaupt lieber, als das
rot, namentlich dann, wenn das Traktement noch
weiter Ferne steht, und von „Muttern“ daheim
eine „Kiste“ zu erwarten steht.
Allerdings, der Kommißbrothandel der Soldaten
t verboten; sie sollen das ihnen gelieferte Brot selbst
erzehren; aber aus den oben angedeuteten Gründen
oissen fie schon Mittel und Wege, ihr Kommißbrot
n den Mann resp. die Frau zu bringen, die es
ann mit Freuden heimtragen. Denn es ist etwas
anz anderes wie dieses Brot, wie das gewöhnliche
Zäckerbrot; es ist bedeutend nahrhafter wie dieses,
llerdings, seiner Schwere wegen, nur von guten
Nagen zu verdauen.
er Bedarf der Berliner Garnison an Kommiß—
roi ist natürlich allwöchentlich kein geringer. Die
ruf der Hoöhe ver Zeit stehenden technischen Ein—
ichtungen der Militärbäckerei aber, deren Innenraum
vir oben im Bilde wiedergeben, genügen allen An—
prüchen und können noch, wenn es darauf ankommt,
ei Weitem mehr produciren, als jetzt. Die Hand—⸗
irbeit in dieser Bäckerei beschränkt sich fast nur auf
ie Bedienung der Maschinen, die in ihrer Art
nustergiltig sind. Besonders servorubegn sind die
roßen Knetmaschinen, die den groben Teig so be⸗
ind verarbeiten, wie dies vorher von Menschenkräften
tie möglich war. Auch die Oefenanlagen sind vor⸗
refflich.
Wenn das Brot ausgebacken ist, wird es auf
ahrdaren, etagenförmigen Stellagen nach dem Aus—
ieferungsraum befördert, wo es dann auf die Re—
— verladen und den Kasernen zugeführt
vird.