« die WVnsenshat sür Alle.pz
Wissenschaftliche Rundschau.
Machdruck verboten.)
(Musik als Heilmittel. — Weggesungene
Schwindsucht. — Das größte Fernrohr der
Welt. — Der Mond auf zehn Kilometer
Zistanz. — Ein Setzerphonograph. F. Das
Flvorado der Redakteure. — Keine Manu—
skripte mehr!!)
Die Musik wurde in der Medizin schon häufig
angewandt. Namentlich beim Veitstanz wurde sie
mꝰ Mittelalter häufig als Heilmittel verwendet; in
Reapel wurden angeblich beim Stich der Tarantel
die Folgen des Giftes durch Musik paralysirt, woraus
fich der Nationalianz, die „Tarantella“ entwickelt
haben soll, und auch bei verschiedenen Wahnsinns⸗
formen wurde und, wird die Musik als Heilmittel
verwendet. Nun kommt die Kunde von der —
musikalischen Heilung der Schwindsucht, und
zwar kommen seltsamerweise Nachrichten von solchen
nusikalischen Kuren gleichzeitig aus England und
Amerika.
In England wird die Schwindsucht weggesungen,
in Amerika muß sie flöten gehn und pfeift dort auf
dem letzten Loch.
Der englische Arzt Balmer verfährt bei seiner
Gesangskur nach folgenden Normen:
Die Uebungen dauern nur je fünf Minuten für
den Anfang und werden nur ganz allmählig aus—
gedehnt; die Uebungen werden, dreimal des Tage⸗
vorgenommen ne möglichst vor den drei Haupt
mahlzeiten. Die Mahlzeiten müssen kräftig und von
hohem Nährwerth sein. Der Patient halte sich mög
lichst in fteier Luft auf. Das sind die Vorbedin—
gungen. Und nun die Kur selber.
. Man beginnt mit der Mittelnote seiner Stimme
und sucht diese Note so lange als möglich zu halten,
ohne sich jedoch dabei anzustrengen. Man geht
dann drei Noten hinauf und drei Noten hinab. Die
Stimme muß naturlich aus der Brust und nicht aus
der dee kommen.
2. Beim Singen sind nur „a“ Laute zu brauchen,
also da-la-ra⸗ma ꝛc. ⁊c.
3. Die Scala wird auf und ab gesungen. Jede
Note soll voll klingen. Nach jeder ist ein tiefer
Athemzug zu machen. Vor jedem Tone muß die
Brust durch die Luft förmlich geschwellt sein.
4. Die Töne werden allmählich nach der Höhe
und der Tiefe hin erweitert.
Das find die Kurvorschriften. Wie man sieht,
basiren dieselben auf einer bestimmten Athemgym⸗
nastik und können im Initiativstadium aller—
dings von günstigem Einfluß sein.
Ebenso beruht die „Kur durch methodisches Flöten⸗
spiel“ auf der Gymnastik der Lungen und basirt sich
auf die angebliche Beobachtung, daß Flötenspieler
meist „kleine, schwächliche Personen mit phthisischem
Habitus sind.“ niemals aber an Schwindsucht leiden
Das große Fernrohr von Gerkes, welches auf der
Weltausstellung von Chicago die allgemeine Bewun—
derung erregte, wird nun in dem neu errichteten
Observatorium von Chicago aufgestellt werden. Die
Linse dieses größten Fernrohres der Welt hat
einen Durchmesser von über 1 Meter und übertrifft
die des großen Lick'schen Fernrohrs auf Mount Ha—
milton in Californien um 10 Centimeter Durchmesser
Mit diesem Fernrohre wird man vom Monde pho—
tographische Aufnahmen machen können, welche dem
Bilde des Mondes auf eine Entfernung von nur
100 Kilometer entsprechen würden. Durch zehn⸗
fache Vergrößerung werden wir dann Bilder erhalten,
die uns unseren Satelliten in eine Rähe von 10
Kilometer rücken. Natürlich ist die Zeit nicht weit,
in der auch dieses — nebstbei gesagt 20 Meter lange
— Fernrohr durch ein noch groͤßeres übertroffen
wird, und werden wir dann auf dem Monde ganz
wie zu Hause sein,—
Eine außerordentliche Erfindung, welche namentlich
in Redaktionen und Druckereien freudige Sensation
exxegen wird, ist gegenwärtig in den Sälen der
Elektrizitätsgesellschaft in Newyork ausgestellt. Durch
dieselbe ist der schrecklichste der Schrecken aus der
Welt geschafft: das Manuskript!
Der Redakteur wird sich nicht mehr durch die
unmöglichsten Handschriften mühselig durchwinden
müssen, der Setzer wird nicht mehr über die aben—
teuerlichsten Hieroglyphen in dumpfer een
brüten müssen, nein, das wird alles anders, Redakteur
und Setzer werden das „Manufkript“ nicht mehr
lesen, sondern hören.
Ein genialer Erfinder hat nämlich einen „Setzer⸗
phonographen“ erfunden. Der Autor spricht in den
Phonographen hinein, der Cylinder rotirt und nimmt
die Stimmzeichen auf. Das Blatt wird nun ab—
gelöst und der Redaktion als „Manufkfript“ ein—
Berliner Illustrirle Zeitung.
æereicht. Der Redakteur legt das Blatt um den
Tylinder seines Phonographen und läßt sich nun
as Manuskript“ von diesem, vorlesen. Entweder
hanbert es nun in den Papierkorb oder zum Setzer.
Diefer paßt es seinem Phonographen an und läßt
5 sich auch diktiren, und zwar, durch eine Einstell⸗
chraube, so schnell oder so langsam als er will. Das
Zriginellste aber ist, daß der Redakteur bei jeder Stelle,
Aie seine Billigung nicht findet, den Apparat „stoppen“
ind seine Korrekturen mündlich“ anbringen kann
der Phonograph des Setzers nun überspringt die
estrichenen Stellen und giebt sofort die redaktio—
ellen Korrekturen wieder, die vom Setzer nur —
in der veränderten Stimme erkannt werden.
In Newyork sind bereits fünf Druckereien mit
iesen Setzerbhonographen probeweis ausgestattet und
ewähren sich dieselben außzerordentlich, da die
Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Setzers dadurch
vesentlich erhöht wird.
Fuür Setzer und Redakteure bhricht also eine neue
Zeit an. Die Zeit goldiger Träume — die manu—
friptlose Zeit! A. B...r.
Das fahrende Boot. Eine eigenthümliche Eigen—
schaft des Kampfers läßt sich zu einem hübschen
Spielzeuge verwerthen. Wird ein Stückchen Kampfer
na Wasser gethan, so eilt es im Zickzack so lange
iber die Oberflaäche desselben hin, bis dieselbe voll⸗
sändia mit einer dünnen Kampferschicht bedeckt ist.
Kleine Erperimente.
Wenn man nun an dem Hintertheil eines kleinen
Schiffchens ein Stück Kampfer befestigt und das
Schiff nun in's Wasser setzt, so wird das Schiffchen
den anmuthigsten Wendungen auf dem Wosser
dahin fahren
inte
Sehr hübsch macht es sich auch, wenn man dasselbe
Experiment mit leichten Nachbildungen von Wasser—
käfern, Spinnen ꝛc., wie dies auf unserem aweiten
Bilde dargestellt ist, ausführt.
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Inetesuntes ous ler V.
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Die höchste Eisenbahn der Welt ist
die Cordillerenbahn, deren höchster Punkt der Golera—
Tunnel ist.
Santijago Imabel, ein Greis von 100
Jahren, hat in Coatzakolko ein 18jähriges Mädchen
zur Frau genommen. Er war früher noch nie
berheitathet.
*
*
„Mitten durchs Herz“ ist der Name eines
neuen Londoner Clubs, in welchen nur Männer als
Nr. 17.
Mitglieder aufgenommen werden, die nachweislich
unglücklich verliebt sind.
Der Erzbischof von MYork, Lancelot
Blackburne, der 1724 zu dieser Würde ernannt wurde,
war zwei FJahre vorher Kapitän eines Seeräuberschiffes.
Die längste Brücke der, Welt ist die
Löwenbrücke bei Sangang in China. Sie führt
über einen Arm des gelben Sees, ist 18 deutsche
Meile lang, hat 300 Pfeiler, und jeder derselben ist
mit einem 20 Fuß langen Steinlöwen gekrönt.
In Island ist ein See mit milchweißem
Wasser. Es ist der Langislor. Ein ähnlicher
See findet sich in Patagonien, und einer auf Neu—
Seeland, etwa 10 Meilen von Tauranga.
*
Die gelbe Farbe ist in der Blumenwelt die
häufigste.
*
* *
*
Ehe ein DTischmesser fertig wird, ist es durch
fiebzig Hände gegangen.
—
Die vaticanischen Schätze an Medaillen,
Ketten, Werthgegenständen aus Gold würden, wenn
zu Münzen ausgeprägt, alle auf der Welt zirkulirenden
Goldmuünzen an Menge und Werth übertreffen.
Der Gelenkrheumatismus und seine
Vehandlung.
Zu den schmerzhaftesten Krankheiten, mit denen
aunser vielgeplagtes Geschlecht behaftet ist, zählt der
og. Gelenk-⸗Rheumatismus; wenn auch nich!
direkt lebensgefährlich, wird derselbe doch namentlich
vegen der häufigen Begleiterscheinungen, wie
derzkrankheiten ꝛc., als sehr bedenklich zu be—
cxachten sein. Doppelt hedenklich, weil die ärztliche
Wissenschaft bisher nur sehr heroische, ja theilweise
direkt schädliche Mittel zuͤr Bekämpfung desselben
hatte.
Die Behandlung des Gelenkrheumatismus be—
reffend, so zerfällt diese in eine örtliche und eine all⸗
zemeine. Die örtliche erheischt in erster Linie Ruhe
des Gelenks und eine zweckmäßige Massage der
Muskulatur, während die allgemeine in der Be—
cämpfung der Schmerzen und des Fiebers und in
der Anregung der Hautthätigkeit durch Hervor—
rufung einer gesteigerten Schweißproduktion besteht.
Um die Schmerzen zu lindern und das Fieber zu
beseitigen, hat man in neuerer Zeit sehr viele ver—
ichiedene Mittel vorgeschlagen und mit mehr oder
wveniger Erfolg angewendet. Allein die Verabreichung
all' der Mittel, die als Medikamente gegen Gelent—⸗
cheumatismus in Anwendung gebracht wurden, wie
des Antipyrin, Antifebrin, der Salicylsäure, des
salieylsauren Natrons, des Salols, einer Verbindung
von Salicylsäure und Phenol, ist durch die bei diesen
Präparaten zu Tage getretenen schädlichen Neben—
erscheinungen, den Magenbeschwerden, Ohrenaffek⸗
tionen, Kopfschmerz, Schwindel, demgemäß sie sehr
bald wieder ausgesetzt werden müssen, stark beein—
trächtigt. Aus diesem Grunde ist man auch längst
schon bestrebt gewesen, namentlich minder schädliche
Modifikationen der bereits bekannten und bewährten
Mittel, besonders der Salicylsäure, die sich wegen
ihrer hohen antirheumatischen und antifebrilen Wir—⸗
kung immer noch am besten bewährt hat, herzustellen.
Diesen Versuchen verdanken wir denn auch nun—
mehr ein neues Antirheumatikum, das nach den bis—
her gemachten Erfahrungen endlich einmal die sonst
zemerkten unangenehmen Rebenerscheinungen nicht
zufweist. Es ist dies das Salophen, ebenfalls ein
Salicylsäurepräparat, aber nicht wie das Salol in
Verbindung mit einer giftigen Substanz, sondern mit
ziner völlig ungiftigen, dem Acetylparamidophenol.
In Folge des Umstandes nun, daß auch diese Sub—⸗
tanz gleich der Salicylsäure, wenn auch nicht in
dem hohen Maaße wie diese, schmerzlindernd und
fieberwidrig wirkt, konnte der Gehalt des Salophens
in Salicylsäure soweit reduzirt werden, als dies noth⸗
wendig ist, um die sonst bemerkten schädigenden und
unangenehmen Nebenerscheinungen fernzuhalten. Dies
st nun auch in der That vollkommen erreicht worden,
vie dies die äußerst günstigen und schnellen Erfolge
hei frischen Fällen von akulem Gelenkrheumatismuͤs
owohl hinfichtlich des Ausbleibens jeglicher lästigen
Nebenerscheinungen als hinsichtlich der Heilung der
Erkrankungen zur Genüge dargethan haben. Wir
zögern daher auch nicht, das Salophen als das best—
geeignetste und wirksamste Antirheumatikum der
Begenwart zu bezeichnen. Schon in Dosen von
1,5 Gramm, 4-5 Mal täglich genommen, beeinflußt
es die fieberhaften Temperaturen in günstigster Weise,
dabei äußert es sich nicht in einem rapiden Abfalle