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Volume Nummer 6, 5. Februar 1893

Full text : Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Die Hochzeit am Kaiserhofe.
ZJu unseren Bildern auf 5. 1, 2 u. 354

Die letzte der Töchter Kaiser Friedrichs, Prinzessin
DMMargarethe, ist nun ebenfalls in den Stand
der Ehe getreten; ihre Vermählung mit dem Prinzen
Friedrich Karl von Hessen, der dem Difizierkorps
des 1. Garde-Dragoner-Regiments (Königin von
Großbritannien und Irland) angehört, fand am
Mittwoch, den 25. d. M. im kaiserlichen Schlosse zu
Berlin mit all' dem höfischen Pomp und dem glanz—
vollen Gepränge statt, welche derartige Familien—
estlichkeiten an dem deutschen Kaiserhofe zu begleiten
pflegen. Zu diesen Vermählungsfeierlichkeiten hatten
sich zahlrciche deutsche und außerdeutsche Fürstlich—
keilen eingefunden, unter denen der Großfürst Thron—
folger von Rußland, in Folge der besonderen Auf—
merksanmkeiten, die ihm vom Kaiser gewidmet wurden,
am meisten die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Opti—
mistische Gemüther erhoffen denn auch bereits von
diesem Besuch eine Besserung der Beziehungen der
beiden großen Nachbarstaaten, Deutschland und
Rußland, zueinander. Als ob die Freundschaft der
Höfe einen Gradmesser abgäbe auch für die der
Völker. Die große Politik ist nur selten in den
letzten 80 Jahren durch derartige Fürstenbesuche in
dem einen oder anderen Sinne beeinflußt worden
Jedenfalls dürfte in Rußland auch nach den Ber—
liner Fesstagen immer noch mehr Hinneigung zu
Frankreich — trotz des Panamaskandals! — als
zu Deutschland vorhanden sein. VNoch dies nur
uebenbci.
Nachdem am Dienstag im Palais der Kaiserin
Friedrich der Akt der Civiltrauung vor sich ging,
erfolgte am Mittwoch Mittag in der Kapelle des
Kaiserlichen Schlosses die kirchliche Trauung, bei
welcher Konsistorialralh D. Dryander die Ehe des
jungen Paares einsegnete. Hieran schloß sich u. A.
eine große Galacour im Weißen Saale des Schlosses
an und der Abend brachte den althistorischen, von
sämmtlichen Ministern ausgeführten Fackeltanz, der
uns heute wie ein Anachronismus anmuthet. Eine
ganze Reihe weiterer Festlichkeiten an den nächst—
folgenden Tagen, an welche sich jene zu Ehren des
Geburtstages des Monarchen anschlossen, füllten
den Rest der Woche aus.

Der
Vrand der Gentralmarkthalle.
(Zu unseren Bildern auf 5. 3 und 4)

E⸗ war am Freitag Abend. Eine gewaltige
Menschenmenge duürchwogte die Straßen des
Centrums der Stadt, um die Illumination zu Ehren
des Kaiserlichen Geburtstages anzustaunen, als sich
plötzlich die Schreckenskunde verbreitete: die Central—
markthalle brennt! Tausende strebten denn auch
diesem Ziele entgegen und fanden die Kunde durch
die Anwesenheit der Feuerwehr, welche mit mehreren
Dampfspritzen und vielen Handdruckspritzen unter
dem Kommando des Branddirektors Stude ange—
eückt war, bestätigt. Aber an dem gewaltigen Gebäude
der größten Markthalle Berlins war nicht viel von
dem Brande zu bemerken; nur aus dem Erdgeschoß
drangen Rauchwolken in den Abend hinaus, die
dadurch anzeigten, daß hier der Brandheerd zu
uchen war.
Und so war es. Die umfangreichen Keller—
cäumlichkeiten der Markthalle waren von den
Flammen ergriffen und zwar in einer Intensivität,
die für Stunden den Anstrengungen der Feuerwehr
spottete. Hier lagerten große Massen von Lebens—
milteln aller Art; Gemüse, Kartoffeln, Wild, Geflügel,
Butter, Schmalz, Konserven ꝛc. Und alle diese
Stoffe boten dem verheerenden Element reichliche
Nahrung und verbreiteten bei dem Verbrennungs—
prozeß einen so undurchdringlichen, beizenden OQualm,
daß an ein offensives Vorgehen der Feuerwehr vor
der Hand nicht zu denken war, und dieselbe sich
ür's erste darquf beschränken mußte, den Brand—
heerd unter Wasser zu setzen. Unmengen Wasser
vurden in den Keller hinabgeleitet; aber da dasselbe
durch die Abflußleitungen der Kanalisations-Vor—
richtungen wieder abfloß, wurde das Flammen—
meer dadurch nur wenig berührt. Erst nachdem
die Abflußrohre durch den Schlamm und Schutt
verstopft waren, wurde der Brand zum Stehen
gebracht und konnte auch zur direkten Bekämpfung
desselben geschritten werden. Mit dem Rauchhelm
ausgerüstete Feuerwehrleute begaben sich in die
Flammenglühenden, Rauchdurchwirbelten Keller und
schleuderten hier die Wassermassen direkt in die
Flammen. Endlich, nach Stunden heißester Arbeit,
gegen õ Uhr Morgens,, war die Mächt des Feuers
gebrochen und eine weitere Ausdehnung desselben
unmöglich gemacht. Die Berliner Feuerwehr hat
sich bei diesem Brande wieder mit Ruhm bedeckt;
wölf Stunden hindurch war sie Andespauni

Perliner FIllustrirte Zeilung.
hätig und mehrere Feuerwehrleute mußten wegen
ölliger Erschöpkung aus dem „Gefecht“ gesührt
verden.
Der Schaden, den die Feuersbrunst angerichtet
at, wird, soweit es die theils verbrannten, theils
urch das Wasser gelittenen Vorräthe anbetrifft,
uf etwa eine halbe Million Mark beziffert, der
ber durch Versicherung gedeckt ist. Die Beschädigung
er Baulichkeiten selbst cerreichen die Höhe von etwa
0 000 Mark, für welche aber ebenfalls die Feuer—
zersicherung haftbar ist. Bleiben nur die Kosten
ir die Wiederinstandsetzung der Kellerräumlichkeiten,
Zhelche unverzüglich in Angriff genommen worden
it, und die etwa 4000 Maärk betragen werden.
Die Feuersbrunst soll durch Explodiren einer
ampe in den Kellerräumlichkeiten veranlaßt worden
ein, würde aber niemals eine derartige Ausdehnung
ewonnen haben, wenn zwischen den einzelnen
dellerabtheilen Brandmauern errichtet gewesen wären,
instatt wie bisher nur durch Lattenverschläge und
drahtgeflechte abgegrenzt zu sein. Wie der Brunnen
mmer erst zugedeckt wird, wenn das Kind hinein—
„efallen ist, so auch hier: man wird jetzt die Brand—
nauern aufführen. Hoffentlich geschieht dies aber
zuch in den übrigen Markthallen, deren Keller die—
elbe Einrichtung aufweisen, wie bisher die der
Tentralmarkthalle.

Der Kunslkenner.
KFine wahre Begebenheit

De Fürsten von B... Steckenpferd war die Lieb—
haberei für Gemälde; er hielt sich für einen
denner, so wenig dies auch der Fall war. Alle
dünstler und Kunsthändler waren ihm willkommen,
ait Ausnahme eines einzigen der letzteren, mit
amen Ledoux, der allgemein für einen verschmitzten
zetrüger galt. Der Fürst hatte seinen Leuten streng
erboten, ihm je den Zutritt zu sich zu gestatten.
S„chon sein Name war ihm ein Schrecken, denn
ielfältig prophezeite man, er werde über kurz oder
ang doch in seine Schlingen fallen.
Ledoux wußte sehr guüt, in welchem Kredit er
zei dem Fürsten stand, und um so mehr brannte
r vor Begierde, diese Prophezeiung wahr zu machen.
Einst ließ er sich, sein Gesicht ganz uͤnkennilich
jemacht durch künstliche Schminke und eine Perrücke,
nutiefe Trauer gekleidet, bei dem Fürsten unter
remdem Namen melden. Er wird vorgelassen.
hit Thränen und Schluchzen fällt er dem Fürsten
u Füßen und ruft aus: „Ach, Ew. Durchlaucht,
ch bin auf immer ein unglücklicher Mann, wenn
döchstdieselben sich meiner nicht anzunehmen ge—
uhen.“
„Was kann ich denn für Sie thun?“
„Soeben ist mein Vater gestorben. Es war der
tederste Mann von der Welt, aber er war von der
Nanie besessen, Gemälde zu sammeln. Er hat mir—
vie man mir versichert, seltene Meisterstücke hinter—
assen, aber sein ganzes Vermögen darauf ver—
vendet. Ich verstehe mich nicht darauf, und bei
zieser kostbaren Sammlnng bin ich ein — Bettler“
„Sie müssen sie losschlagen.“
„An wen, Ew. Durchlaucht? Alle Kunsthändler
ind Gaudiebe, die nicht den zehnten Theil des
vahren Werths dafür geben werden. Es giebt
inen unter ihnen, Ledoux, der mich bestürmt; er
oll Geld haben, aber sein Gebot ist zu schimpflich.“
„Um Gotteswillen, lassen Sie sich mit dem Ledoux
niicht ein. Das ist der abgefeimteste Schurke. Er
vird Ihre Erbschaft für einen Pappenstiel an sich
ringen wollen. Ich will Ihre Gemälde sehen
Sie interessiren mich.“
„Ew. Durchlaucht sind als Kenner bekannt und
dabei großmüthig. Sie werden meine Unwissenheit
n dergleichen Dingen nicht zu meinem Schaden be—
iutzen, davon bin ich überzeugt. Sie werden mir
en wahren Werth dafür gnädigst bewilligen. Mein
‚anzes Vermögen besteht ja nur in diesen Gemälden;
im so mehr wollte ich Ew. Durchlaucht unter—
hänigst bitten ...“
Der Herzog befahl: „Laßt vorfahren!“ und
igte darauf zu Ledour: „Wir wollen zusammen
jinfahren; ich muß die Gemälde gleich in Augen—
hein nehmen.“
Darauf hatte es Ledoux angelegt. Er hatte zu
iesem Zwecke in einer abgelegenen Straße ein
Ruartier gemieihet und dort in schönen goldenen
tahmen seine schlechten Kobvien und Schülerarbeiten
ufgestellt.
Beide traten in das Zimmer. Der Schwindler
»egann beim Anblick dieser Bildergallerie auf's
ieue über diese unglückliche Kunstliebhaberei seines
baters zu wehklagen, der sein ganzes, nicht unbe—
eutendes Vermögen für so nutzlose Dinge ver—
hleudert habe. Dabei beobachtete er den Prinzen
liüs seinen Augenwinkeln sehr genau und bemerkte
u seiner Freude, daß derselbe Wohlgefallen an den
vemälden fände.
„Was wollen Sie denn für die Sammlung
aben?“ fragte der Prinz.

At. 6.

„Das muß ich lediglich Ew. Durchlaucht unter—
hänigst anheim stellen. Hochdieselben sind ein
denner und denken viel zu gerecht, um sie unter
hrem Werthe an sich bringen zu wollen.“
Was hat Ihnen Ledour dafür geboten?“
Dieser Jude, dieser Gauner wollte mir dafür
reitausend Thaler geben. Meinem Vater kostete
iese Sammlung über dreißigtausend.“
„Ihr Vater hat sich übervortheilen lassen. So
iel fsind die Gemälde nicht werth. Wollen Sie
ehntausend Thaler, so will ich sie kaufen. Ein
Vort für tausend!“
Ledoux jammerte, daß er so wenig für den
jeuren Nachlaß seines Vaters zu erwärten habe:
ahm aber doch das Anerbieten des Prinzen end—
ich an. Die Gemälde wurden abgenommen und
ndas Palais des Prinzen gebracht. Der Ver—
äufer strich das Geld dafür em und empfahl sich.
Bald kamen nun die Kunstfreunde zu dem Prinzen,
im seinen neuen Zuwachs zu seiner Gemälde—
ammlung zu sehen.
„Das' sind ja nichts als Bilder aus Ledour'
crödelkram!“ riefen mehrere, „das beste daran sind
ie goldenen Einfassungen.“
der Prinz war äußerst entrüstet über diesen
Schelmenstreich, er wollte den Verkäufer verklagen.
aber er besann sich, daß die Sache dann noch ruch—
zarer werden, er seinem Ruf als Kunsikenner, auf
»en er sehr stolz war, einen tödtlichen Stoß geben
ind auch nicht einmal seinen Prozeß gegen den
Zetrüger gewinnen würde, da dieser ihm nicht den
Breis“ gemacht, sondern er sich freiwillig erboten
jatte, ihm eine so unverhältnißmäßig große Summe
ür bunte Sudeleien zu bezahlen. Ihm blieb also
nichts anderes übrig, als die ganze Sammlung in
ine Trödelkammer unter anderen alten Geräthen
zerbergen zu lassen.

Humoristisches.

Verrannt. Geck: „Gnädige Frau spielen ja
iuch ganz vortrefflich Klavier — das hätte ich nicht
zeglaübt'“ Dame: „Sie scheinen mich für dümmer
u halten als ich bin.“ Geck: „D bitte, für viel
gescheidter!“
Ueberredungsgabe. Herr: „Ich muß den
herrn Baron sprechen.“ Diener: Unmöglich, kann
riiemanden vorlassen.“ Herr (ihm ein Geldstück
sebend): „Hier!“ Diener (süß lächelnd): „Sie
aben aber eine merkwürdige Ueberredungsgabe!“
—ADDD0
s5chmidt?“ B: „O nein, ich bin sogar ein Gönner
son ihm!“ A: „Nun, der Mensch hat doch aber
vegen Wuchers 17/ Jahre Gefängniß erhalten.“
3: Na, die gönne ich ihm ja eben!“
Unvorhergesehene Wirkung. Hausherr
während seine Frau in Ohnmacht gefallen ist zum
MNädchen): „Laufen Sie mal rasch zum Arzt, Rosa!“
xrau (plötzlich erwachend): „Sieh, was der fordert,
»afür kannst Du, mir schon den halben Sommerhut
'aufen, den Du mir vorhin abgeschlagen hast!“

wo ist der Fisch?
            
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