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Volume Nr. 29, 20.07.1895

Full text: Stenographischer Bericht (Rights reserved) Ausgabe 1947 (Rights reserved)

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Zentralblatt der Bauverwaltung. 
16. Jini »20. 
Für den südlichen Teil mit dem Absatz aus Richtung Nord 
hausen— Sangerhausen-—Eisleben wird erfreulicherweise festgestellt, 
daß die Linienführung unter der Annahme, daß der Saale-Zweigkanal 
in jedem Fall gebaut wird, belanglos ist Diese Feststellung ist des 
wegen erfreulich, weil von den Vertretern der Südlinie immer wieder 
behauptet wird, der Südharz, das Saalegebiet, Leipzig uaw., kurzum 
der ganze „mitteldeutsche Industriebezirk“ habe einzig und allein von 
der Südlinie Vorteile, die Mittellinie sei für ihn dagegen bedeutungslos, 
d. h. also schädlich. 
Für den Westharz wird für die Südlinie mit Börssum, für die 
Mittellinie mit Braunschweig als dem maßgebenden Kanalpunkt ge 
rechnet; hierbei wird auch von der „Verlängerung der Vorfracht um 
24 km“ zu ungunsten der Mittellinie gesprochen. Dieses Rechnen 
mit einfachen Entfernungen (oder auch Tarifkilometera) ist sehr be 
quem, und man kann damit dem Laien gegenüber bekanntlich alles 
beweisen. Der Verkehrsmann muß aber in einer für das ganze Vater 
land so wichtigen Frage doch eine etwas größere Gründlichkeit ver 
langen. Es durfte nicht verschwiegen werden, daß. der Verlänge 
rung der Eisenbahnstrecke eine entsprechende Verkürzung der 
Kanalstrecke gegenübersteht, daß die Eisenbahnlinie eine Flachland 
auslaufstrecke ist, also mit sehr niedrigen Selbstkosten arbeitet, während 
die Kanallinie mit zwei Schleusen belastet ist, daß. also eine genaue 
Berechnung der Frachtkosten auch in dieser Beziehung aller Voraus 
sicht nach die Überlegenheit der Mittellinie ergeben wird. Auch die 
höchst ungünstigen Verhältnisse des Bahnhofs Börssum und die für 
seine Erweiterung etwa erforderlich werdenden Mittel müßte man 
gegen die entsprechenden für Braunschweig abwägen. 
Mit noch mehr Zweifeln muß man die Behauptung aufnehmen, 
daß der nordöstliche Harz „durch die Mittellinie so gut wie gar 
nicht beeinflußt“ werden würde. Für diese erneut vorgebrachte, aber 
noch nie bewiesene Behauptung wird auch hier kein Beweis versucht. 
Ich möchte der Kürze wegen nur auf die Eisenerze eiDgehen. Es 
wird andeutungsweise vom Bau einer Hütte bei Halberstadt gesprochen; 
daß aber der (anscheinend gar nicht zum Regierungsprogramm ge 
hörige) Stichkanal nach Halberstadt zwei Schleusen erfordert, wird 
nicht erwähnt; ebenso wird vergessen, daß man zum Verhütten 
Brennstoff braucht und daß dessen Wege um so kürzer werden, mit 
je längeren Wegen man für das Erz arbeitet, ferner, daß auch hier 
wieder die Verlängerungen für die Erze auf Flachlandauslauf 
strecken mit besonders niedrigen Beförderungsselbstkosten erfolgen, 
während die teueren Wegstrecken, nämlich die auf den Gebirgs- 
strecken unbedingt auf der Schiene zurückgelegt werden müssen; so 
dann, daß das Roheisen des Absatzes bedarf, also doch zur Ebene be 
fördert werden müßte. Wenn man diese grundlegenden Momente nicht 
vergißt, kommt man zu dem Schluß, daß es durchaus verfehlt ist, 
wenn behauptet wird, daß mit Rücksicht auf die vielen kleinen Lager 
stätten und die teilweise armen Erze Halberstadt als Ort der Ver 
hüttung den Vorzug vor Braunschweig oder Magdeburg verdiene. 
Ich möchte den Verfasser bitten, seine Darlegungen noch einmal 
nachzuprüfen und dabei die hier angedeuteten Punkte zu berück 
sichtigen. 
Hannover. Professor Blum. 
Da die vorstehenden Ausführungen des Professors Blum im wesent 
lichen die verkürzte Wiedergabe eines Schriftsatzes im 4. Heft der 
Zeitschrift „Der Mittellandkanal“ darstellen, worin Blum ein von mir 
erstattetes Gutachten bespricht, so nimmt Unterzeichneter Gelegenheit, 
kurz auf sie hier einzugehen. 
Wir gehen zunächst von dem richtigen Satz Blums aus, „daß 
die Wege des zur Verhüttung gebrauchten Brennstoffes um so kürzer 
werden, mit je längeren Wegen man für das Erz arbeitet“. 
Auf die „Gebirgsstrecke“ Elbingerode—Halberstadt soll hier nicht 
weiter eingegangen werden, da auf ihr das Erz in jedem Fall mit der 
Bahn zu Tal befördert werden muß. Alle übrigen Schienenwege 
dürften unter den Begriff der „Flachlandauslaufstrecken“ fallen. 
Wir nehmen an, daß zur Herstellung von 1 t Roheisen 1,8 t Koks und 
nur 2,5 t Elbingeroder Erz (mit 40 vH Eisen) gebraucht werden (in 
Wirklichkeit und in Zukunft dürfte die Erzmenge mindestens auf 2,3 
bis 3 t steigen). Bestände nun ein Kanal nicht und Koks und Erz 
müßten zu gleichen Tarifen ^ftkit der Bahn befördert werden, so würde 
bei dem angenommenen günstigen Verhältnis Koks: Erz wie 1:2 ein 
Hüttenwerk um so billigeres Roheisen liefern können, je näher es der 
Erzlagerstätte liegt. 
Sieht man von der unwirtschaftlich erscheinenden Bergaufbeförde 
rung des Kokses nach Elbingerode ab, so kämen in diesem Fall für 
eine Hüttenanlage nur Halberstadt oder Oschersleben in Frage. Würden 
nun die Frachtsätze auf dem anzulegenden Kanal so bemessen, daß 
sie der Eisenbahnfracht für Massengüter gegenüber nicht wettbewerb 
fähig wären, so würde der Kanal sich nie verzinsen; sie müssen also 
so gestellt werden, daß die Verfrachtung von Gütern, auf deren schnelle 
Beförderung es nicht ankommt, auf dem Kanal der Eisenbahn gegen 
über Vorteile bietet. Daß dies Verhältnis sich bei der Knappheit an 
Brennstoffen in Zukunft noch zugunsten des J^anals verschieben wird, 
ist wahrscheinlich, und die von Blum a. a. 0. errechneten überaus 
günstigen Frachtsätze der Eisenbahn, die vor dem Kriege vielleicht 
möglich waren, verlieren heute immer mehr an Wahrscheinlichkeit. 
Wenn man daher statt dessen, um einen festen Anhaltpunkt zu 
haben, der Frachtkostenberechnung den Ausnahmetarif 7 u. 7 a von 
1918 und die amtlichen Berechnungen über Kanalfraohten aus jener 
Zeit zugrunde legt, so betragen allein die Beförderungskosten der 
Rohstoffe für eine Tonne Roheisen bei einer Verhüttung in 
bei 9,5 t Erz bei 3 t Erz 
Oschersleben .... 12,12 M 13,27 Ji 1 Annfthme; 8 üdU j 
Börssum -14,07 „ 15,72 „ 1 
Br a unschw.ig . ■ ■ /■ 15,03 . 16,93 . j. A nna hm 0 : Mittellinie. 
Magdeburg .... 14,97 „ 16,62 „ ß 
Würden also, wie in Zukunft zu erwarten, ärmere Erze verhüttet 
als solche mit 40 vH Eisen, zu denen übrigens noch die Zuschläge 
treten, so verschieben sich die Frachtunterschiede zwischen Oschera- 
leben einerseits und den übrigen Orten anderseits noch weiter zu 
ungunsten der letzteren, ebenso bei höheren Eisenbahntarifen, mit 
denen in Zukunft zu rechnen ist. 
Ein Sticbkanal nach Halberstadt ist meines Wissens nicht geplant. 
Angenommen, das ln Osohersleben hergestellte Roheisen, das ja 
in erster Linie für die Versorgung Mitteldeutschlands in Frage kommt, 
kann an Ort und Stelle nicht verarbeitet werden und etwa die Hälfte 
muß z. B. nach Magdeburg geschafft werden, so ist natürlich die Fracht 
von 11 Roheisen auf dem Kanal billiger als von 2,5 bis 8 t Erz auf 
der Bahn. Zudem liegt ja Oschersleben unmittelbar an der Strecke 
Elbingerode—Magdeburg; ein Verlust an Kilometern duroh Umwege 
kommt also nicht in Frage. Das Roheisen würde sich also in Magde 
burg billiger stellen, als wenn das Hüttenwerk in Magdeburg läge. 
Bei dem Mangel an brauchbaren Eisenerzen nach dem Verlust 
des Minettegebietes an Frankreich muß unser Vaterland darauf bedacht 
sein, alle erreichbaren Eisenerze auszubeuten um für einheimische 
Industrie und Ausfuhr möglichst billiges Roheisen herzustellen. Bei 
einem in so gewaltigen Mengen, wie das Bisen, gebrauchten Metall 
fällt natürlioh eine Ersparnis von 2 bis 3 Mark je Tonne selbst bei 
einer verhältnismäßig geringen Jahreserzeugung erheblich ins Gewioht, 
Berlin. Dr. Bohrend. 
Den Bau ländlicher Siedlungshäuser behandelt in der April- 
nummer der Zeitschrift „Ostpreußisches Heim“ ein Aufsatz des Regie- 
rungsbaumeisters Lübbert, in dem eine äußerst sparsame, großen 
teils vom „ungelernten“ Siedler selbst durchzuführende, aber dennoch 
gediegene Bauweise beschrieben und durch sorgfältige Zeichnungen 
(vgl. Abb.) erläutert wird. Der Grundgedanke ist die Aufrichtung 
eines leichten Fachwerks aus 
6/10 cm starken Stielen und 
8/14 cm starken Deckenbalken 
und die unverzügliche Eindek- 
kung der ebenfalls nur 6/iO cm 
starken Sparren pit HolzsChin- 
dein, wobei der Holzverbänd 
durch als Dielen wieder verwert 
bare Sohwertbretter vorläufig 
verstrebt wird. Erst unter die 
sem Schutzdach werden dann 
die Lehmpatzen gefertigt und ge 
trocknet und die von der Beton 
gründung durch Daobpappe ge 
trennten SS cm starken Außen 
wände aufgemauert. Türen und 
Fenster, nach den Normen ge 
fertigt, können von einer Häupt> 
stelle auch beute noch preiswert 
geliefert werden. Im übrigen ist 
sowohl bei der Grundrißbildung 
als bei allen Einzelheiten eine 
rein ländliche Bauweise durch 
geführt, „d. h. eine solche, wie 
sie bis vor etwa 30 Jahren, ehe 
wir ein reiches Volk wurden, 
üblich war und sich bewährt hat“. 
In Aussicht genommen ist nach 
dem Vorgang der Schindeldeckung, also nach etwa 18 bis 20 Jahren, 
ihr Ersatz durch Dachziegel, womit eine Verstärkung des*Dacb8tuhls 
verbunden werden müßte. Die gemeinnützige Gesellschaft „Ost- 
preußische Heimstätte“ (Königsberg i. Pr., Theaterstr. 3) hat mit diesem 
Entwurf ihren früheren wertvollen Veröffentlichungen (vgl. 1919 d. Bl., 
S. 367) eine Leistung hinzugefügt, die mehr als viele der sonstigen 
ungezählten Versuche auch in der gegenwärtigen Notlage ein erfolg 
reiches Vorwärtskommen versprioht Kr, 
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