Ar. 35.
Verliner Zhustrirte Zeilung.
Man muß in der That gestehen, daß es nir—
gends in Europa so gute Gelegenheit wie hier
ziebt, authentischen großen Damen und wirklichen
Fürfilichkeiten vorgestellt zu werden. Es sind das
reilich nur uguge Bekauntschaften, welche in dem
Homent abbrechen, wo sich das Rad des Reise—
bagens in Bewegung setziz aber welche Glüchselig-
ei wenn man des nicht ganz ungewöhnlichen
Ramens Prudhomme oder Maheuse ist (wir würden
uf denisch Wieier und Müller sagen, Anm. des
ebersetzers) nachher renommieren zu können: Mein
Freund, der Graf ** sagte mir in St. Moritz ....
Sie keunen ihn 'nicht? .... das ist ja der Vetter
von der Fürstin *», die Schwester des Marguis **.
Statt obiger Sterne dürfent Sie ganz nach Vlieben
hetanne, Ramen aus den hoden ãristokralischen
reisen schen,
„Snob“ ist unheilbar, er beneidet das Wappen
der Andern und wird beim Spazieren ganz hyp—
hplisir durch die in einer Ecke des Taschentuches
gestickte Frone seiner Nachbarin oder seines Nach—
dars. Aber unter allen diesen Gästen des Zufalls,
welche das wildromantische Engadin empfängt, giebi
es auch manche, welche noch in ihrem Herzen das
grüne Eckchen haben, das wir alle bei der Geburt
t auf den Lebensweg bekommen. Ja, es giebt
solche, welche würdig wären durch Pierre Loli in
einer Rovelle verewigt zu werden, Wie schön müßte
es sich beschreiben ldassen, wie sie sich, von dieser
hunderbaren Ratur überwälligt, ihre Liebe gestehen
Die Ratur ist hier immer dieselbe, wie zu jener
Zeit/ wo Gallus seiner Lycoris, welche in der St
Roriher Sommerfrische von damals weilte, schrieb;
Die ewigen Firnen. Ach, wie kalt bist Du mit
r ...* und die Gletscher, — Du wirst sie allein
ohne mich erblicken. Wenn nur die kalten Winde
Dich nicht belästigen, Deine Füße sind zu zart, wie
leicht könnten sie durch scharfe Eiskristalle verwundet
werdente. In St. Moritz von heutzutage giebt
es Weiber, welche das Alter der Schönheit haben,
wie es Lykoris vor neunzethnhundert Jahren haite,
und welche auch die höchssen Gipfel und die ent⸗
ferntesten Gletscher zu erklimmen suchen. Und unter
den Männern die gewandter sind im Erklettern der
Treppen des Klubs als der kleinen durch das Beil
des Führers im Gletschereis eingehauenen Stufen,
zibt es manche, die diesen jungen Damen dort hin—
juf folgen und andere, welche aus Sportsliebe
oder Abdenteucrungslust die nämliche Versuchung
spüren. Im Nu üs eine Partie arrangirt“
vegung der Meeresobeirfluche störende dunkle Wolken.
Zerr Bouton erkannte daher bald, daß nur die
lugenblicksaufnahme zuverlässige und günstige Er—
ebnisse liefern könne. So wurde denn tin Apparat
rsonnen, der sein Licht durch eine auf einer Flasche
nit Oxygen ruhende, mittelst einer Glasglocke ge⸗
chützte Epiritusslamme erhält, in die durch Druchk
uͤf eine Kautschukbirne Magnesiumpulver einge—
pritzt wird. Bei jedem der hierdurch erzeugten Licht—
litze wird eine Platte gewonnen. Der Gelehrte er—
ählt, wie durch diese Blitze die Bewöhner der Tiefe
ur höchsten Neugier gereizt, von allen Seiten herbei
ilen Fische groß und klein schwimmen in Schaaren
serbei und umkreisen das fremde Unthier, das zwischen
hnen in so sellsamer Weise sein Wesen treibt
durcht zeigen sie nicht. Streckt der Taucher nach
inem der Neugierigen die Hand aus, so weicht er
iur gerade genug zurück, um sich, dem Bereiche
„iefer Hand zu entziehen, und beobachtet aus einem
»der zwei Meter Entfernung ruhig den weiteren
ßorgaͤng. Die bisherigen Versuche wurden nur in
erhallmißmäßig geringer Entfernung von der Küste
n eciner geschuͤßten Bucht gemacht. Man plant aber
ine Erweiteruͤng der erzielten Fortschritte und
räumt bereits von großen automatischen Apparaten,
ie man in unendliche Tiefe hinabsenken würde,
im den Anblick von Stellen des Meeresbodens zu
ewinnen, die noch keines Sterblichen Auge zu er—
unden vermochte.
Ein grausgmer Sport. Mecklenburgische
ind auswärtige Thierschutzbereine haben sich wieder—
solt die Aufgabe gestellt, den vor 20 Jahren
im Heiligendäamm bei Doberan eingeführten und
eildem in jedem Sommer betriebenen Sport des
Taubenschiceßens zu bekämpfen. Sie haben sich
in die Landesbehörden, dann auch an den Reichs-
ag und den Bundesrath mit Eingaben gewandt,
hne irgend twas zu erreichen. Man urtheilt über
as Tauͤbenschießen in manchen Kreisen anders, als
ie Mitglieder der Thierschuzvereine. So hat denn
ruch in der diesjährigen Badezeit zu Heiligendamm
er von jenen Kreisen in Schutz genommene Sport
vieder in höchster Blüthe gesianden. Nach einer
Nittheilung in einer Sport-Zeitung wurden dort vom
5. Juli bis zum 7. August d. J. täglich Tauben—
chießen unter lebhaftester Betheiligung abgehalten
In 17 Schießen wurde um Geldpreise von 1200
ind 1000 Mk. und um zahlreiche Ehrenpreise ge—
ämpft, die größtentheils von hochgestellten Damen
heilweise auch vom Großherzoge und von der
Broßherzogin ausgesetzt waren. Die bekanntesten
ind beften Taubenschützen Deutschlands waren
pährend der genannten Zeit am Heiligendamm
sersammelt
gebenden Rath nur um neun Mitglieder vermehrt
wissen, der Premierminister bestand aber auf zwölf.
der britische Minisiter der Kolonien, Lord Ripon,
hat es, wie der „Observer“ mittheilt, vermieden, sich
in diesen Verfafsungsstreit zu mischen, Ler hat viel⸗
miehr den Gouverneur Lord Glasgow angewiesen,
in diesem besonderen Falle nachzugeben.
Kus der Rücherei.
Wir Drei. Fünf Alte. Von Ernst Rosmer.
Verlag von Dr. E. Albert & Co., Separat-Konto,
Müuͤnchen.
Ernst Rosmer, dessen Schauspiel „Dämmerung“
xẽnde März ds. Is. bei seiner Aufführung in Berlin
son der Kritik übereinstimmend als das Werk eines
zanz außerordentlichen Talentes anerkannt wurde,
zeröffentlicht jetzt ein Schauspiel: Wir Drei“, das
nicht verfehlen wird, die über „Dämmerung“ aus—
gesprochenen günstigen Urtheile zu bestätigen. Es
rzaͤhlt nicht ñur eine interessante und spannende
Zegebenheit, sondern schildert auch Menschen, mit
zöchster Anschaulichkeit und ächter Poesie. Ferne
on Allem, was die, Forderungen der Sittlichkeit
der Sille verletzen könnte, ferne aber auch von
zermeintlich „idealistischer“ Schönfärberei, stellt es
Wesen dar in denen daͤs allgemein Menschliche und
zie besondere Bedingung ihrer Zeit, das Moderne,
in Eules verwoben sind: in Charaktere von über—
zeugender Wahrheit.
Der Deutsche Kaufmanun — Berlin 027. Dem⸗
nächst beginnt der V. Jahrgang d. Bl. Die uns
orliegende Nummer enthält u. A. folgende Artikel:
Zettelbanken“, „Kaufmann, und Konsumverein“,
„Blüthenlese aus dem Gerichtssale“, Winke für
risenbahnreisende“, „Anregungen für Schaufenster—
dekorallon“ und eine solche Fuͤlle des Interessanten
und Praktischen, daß das Abonnement (pr. Quartal
ur Mark 2,) jedem Kaufmanne bestens empfohlen
verden kann.
Dur gütigen Veachtung.
Den vielfachen Wünschen aus den Ureisen unserer
zeehrten Abonnenten sind wir nunmehr nachgekommen
uͤnd haben zum Zwecke des Sammelns und Auf—
legens der „Berliner Illustrirten Zeituna“ praktische
und haltbare
Interessantes aus aller Welt.
Photographieen vom Meeres boden.
Louis Bouton, Privatdocent an der Pariser Uni⸗—
versität und bikaunt durch seine untersceischen For—⸗
schungen und zoologischen Arbeiten über das Rothe
Meer' hat durch ein finnreiches Verfahren photo—
Fraphische Aufnahmen des Mecresbodens erzielt.
Der junge Gelehrte stieg zuerst in einem Taucher⸗
anzug in der Nähe des Ichthr ologischen Laborato—
riums bei Banyul-sur⸗Mer y den Seeboden hinab
und begann seine Aufnahmen mit einem eigens zu
dicfem Zweck angefertigten Apparat bei natürlichem
Lichte. Es siellf sich indessen heraus, daß dieses
Licht zu schwach war und die Aufnahmen zu lange
Zeiu erforderten. Auch brachte die geriuaste Be—
In Neuseeland hat das Parlament, wie ein
Drahtbericht aus Wellington meldet, allen Frauen,
xngiäuderinen wie Maodri⸗-Frauen, das Wahlrecht
erliehen. Vor einem Jahre schon genehmigte das
eufeeländische Unterhaus eine Bill, die den Frauen
uropaͤischer Abkunft das Wahlrecht gab. Unter
gewissen Umständen sollten sie sogar im eigenen
Zaufse die Stimmen abgebeg dürfen. Der gesetz⸗
scbende Rath verwarf diese Bill. Seitdem ist der
sRalh jedoch reformirt worden, indem das Ministe⸗
ium zwölf neue Anhänger in, ihn gebracht hat
Vegen dieser neuen Mitglieder kam es zu heftigen
Ztreitigkeiten zwischen dem Gouverneur, und dem
RNinificrium; der Gouverneur wollte den gesetz—
— * Vesemappen ⸗—
anfertigen lassen, die ihren Zweck, die Hefte in
sauberem Zustande zu erhalten, wohl erreichen werden.
Gegen Vergütigung von
40 Pfg · Versandlspesen
senden wir an jeden unserer werthen Abonnenten
eine solche Lesemappe.
Bochachtend
Die Expedition der Verl. Sllustr. Deilung
Berlin 8. W., Charlottenstr. u.
— — — — — — — — — — — —— — — — — —— c777ccee7
3 543 3 3
z n is Di i .W. lottenstr. 11, aein.
nzei Freise von 60 Pf. pro 58esp. Nonp. Zeile duren alle Annoncen-Buroeaux- Anzeigen fur die nachste Nummer mussen bis Diengtag Mittas in der Expedition, Berlin S. W. Char ne
macigen 2zu—
— — —— — — — —— — — — —
Kunde: „. ... Warum reichen Sie mir denn
osfenes Insectenpulver.... Ich habe doch
Zacherlin“ verlangt und solches existirt be—
kauntlich nur in Flaschen! — Offenes Pulver
nehme ich nicht an. .. ., denn ich weiß gar
zui, daß es blos ein arger Mißbrauch des
mit“ Recht geruͤhmten Naͤmens Zacherlien“
ist, wenn gewöhnliches Insectenpulver in Briefen,
Düten oder Schachteln für „Zacherlin“ ausge—
geben wird.
Entweder geben Sie mir eine vensiege Dte
plasene imi dem Namen „ Pacher lv — —
oder mein Geld retour.
Irre führen lasse ich mich nicht!!“
hie flaschon kosten: 30 Pf. 60 Pf., Nk. l.—, Nk. 2.—, der Zach. dharer —V
Niederlaaen sind in Berlin viele hunderte — jedoch wohlgemerkt — nur dort, wo Zacherlin⸗Plakate
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Rohert Ernst
Berlim WV., Steglitaerstr. 81.
verfasser des soeben erschienenen
ee Des Stottexn und seine
Ueisung. Preis M. 5. Prosp. kostenl.