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Volume Nummer 35, 27. August 1893

Full text: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

Ar. 35. 
Verliner Zhustrirte Zeilung. 
Man muß in der That gestehen, daß es nir— 
gends in Europa so gute Gelegenheit wie hier 
ziebt, authentischen großen Damen und wirklichen 
Fürfilichkeiten vorgestellt zu werden. Es sind das 
reilich nur uguge Bekauntschaften, welche in dem 
Homent abbrechen, wo sich das Rad des Reise— 
bagens in Bewegung setziz aber welche Glüchselig- 
ei wenn man des nicht ganz ungewöhnlichen 
Ramens Prudhomme oder Maheuse ist (wir würden 
uf denisch Wieier und Müller sagen, Anm. des 
ebersetzers) nachher renommieren zu können: Mein 
Freund, der Graf ** sagte mir in St. Moritz .... 
Sie keunen ihn 'nicht? .... das ist ja der Vetter 
von der Fürstin *», die Schwester des Marguis **. 
Statt obiger Sterne dürfent Sie ganz nach Vlieben 
hetanne, Ramen aus den hoden ãristokralischen 
reisen schen, 
„Snob“ ist unheilbar, er beneidet das Wappen 
der Andern und wird beim Spazieren ganz hyp— 
hplisir durch die in einer Ecke des Taschentuches 
gestickte Frone seiner Nachbarin oder seines Nach— 
dars. Aber unter allen diesen Gästen des Zufalls, 
welche das wildromantische Engadin empfängt, giebi 
es auch manche, welche noch in ihrem Herzen das 
grüne Eckchen haben, das wir alle bei der Geburt 
t auf den Lebensweg bekommen. Ja, es giebt 
solche, welche würdig wären durch Pierre Loli in 
einer Rovelle verewigt zu werden, Wie schön müßte 
es sich beschreiben ldassen, wie sie sich, von dieser 
hunderbaren Ratur überwälligt, ihre Liebe gestehen 
Die Ratur ist hier immer dieselbe, wie zu jener 
Zeit/ wo Gallus seiner Lycoris, welche in der St 
Roriher Sommerfrische von damals weilte, schrieb; 
Die ewigen Firnen. Ach, wie kalt bist Du mit 
r ...* und die Gletscher, — Du wirst sie allein 
ohne mich erblicken. Wenn nur die kalten Winde 
Dich nicht belästigen, Deine Füße sind zu zart, wie 
leicht könnten sie durch scharfe Eiskristalle verwundet 
werdente. In St. Moritz von heutzutage giebt 
es Weiber, welche das Alter der Schönheit haben, 
wie es Lykoris vor neunzethnhundert Jahren haite, 
und welche auch die höchssen Gipfel und die ent⸗ 
ferntesten Gletscher zu erklimmen suchen. Und unter 
den Männern die gewandter sind im Erklettern der 
Treppen des Klubs als der kleinen durch das Beil 
des Führers im Gletschereis eingehauenen Stufen, 
zibt es manche, die diesen jungen Damen dort hin— 
juf folgen und andere, welche aus Sportsliebe 
oder Abdenteucrungslust die nämliche Versuchung 
spüren. Im Nu üs eine Partie arrangirt“ 
vegung der Meeresobeirfluche störende dunkle Wolken. 
Zerr Bouton erkannte daher bald, daß nur die 
lugenblicksaufnahme zuverlässige und günstige Er— 
ebnisse liefern könne. So wurde denn tin Apparat 
rsonnen, der sein Licht durch eine auf einer Flasche 
nit Oxygen ruhende, mittelst einer Glasglocke ge⸗ 
chützte Epiritusslamme erhält, in die durch Druchk 
uͤf eine Kautschukbirne Magnesiumpulver einge— 
pritzt wird. Bei jedem der hierdurch erzeugten Licht— 
litze wird eine Platte gewonnen. Der Gelehrte er— 
ählt, wie durch diese Blitze die Bewöhner der Tiefe 
ur höchsten Neugier gereizt, von allen Seiten herbei 
ilen Fische groß und klein schwimmen in Schaaren 
serbei und umkreisen das fremde Unthier, das zwischen 
hnen in so sellsamer Weise sein Wesen treibt 
durcht zeigen sie nicht. Streckt der Taucher nach 
inem der Neugierigen die Hand aus, so weicht er 
iur gerade genug zurück, um sich, dem Bereiche 
„iefer Hand zu entziehen, und beobachtet aus einem 
»der zwei Meter Entfernung ruhig den weiteren 
ßorgaͤng. Die bisherigen Versuche wurden nur in 
erhallmißmäßig geringer Entfernung von der Küste 
n eciner geschuͤßten Bucht gemacht. Man plant aber 
ine Erweiteruͤng der erzielten Fortschritte und 
räumt bereits von großen automatischen Apparaten, 
ie man in unendliche Tiefe hinabsenken würde, 
im den Anblick von Stellen des Meeresbodens zu 
ewinnen, die noch keines Sterblichen Auge zu er— 
unden vermochte. 
Ein grausgmer Sport. Mecklenburgische 
ind auswärtige Thierschutzbereine haben sich wieder— 
solt die Aufgabe gestellt, den vor 20 Jahren 
im Heiligendäamm bei Doberan eingeführten und 
eildem in jedem Sommer betriebenen Sport des 
Taubenschiceßens zu bekämpfen. Sie haben sich 
in die Landesbehörden, dann auch an den Reichs- 
ag und den Bundesrath mit Eingaben gewandt, 
hne irgend twas zu erreichen. Man urtheilt über 
as Tauͤbenschießen in manchen Kreisen anders, als 
ie Mitglieder der Thierschuzvereine. So hat denn 
ruch in der diesjährigen Badezeit zu Heiligendamm 
er von jenen Kreisen in Schutz genommene Sport 
vieder in höchster Blüthe gesianden. Nach einer 
Nittheilung in einer Sport-Zeitung wurden dort vom 
5. Juli bis zum 7. August d. J. täglich Tauben— 
chießen unter lebhaftester Betheiligung abgehalten 
In 17 Schießen wurde um Geldpreise von 1200 
ind 1000 Mk. und um zahlreiche Ehrenpreise ge— 
ämpft, die größtentheils von hochgestellten Damen 
heilweise auch vom Großherzoge und von der 
Broßherzogin ausgesetzt waren. Die bekanntesten 
ind beften Taubenschützen Deutschlands waren 
pährend der genannten Zeit am Heiligendamm 
sersammelt 
gebenden Rath nur um neun Mitglieder vermehrt 
wissen, der Premierminister bestand aber auf zwölf. 
der britische Minisiter der Kolonien, Lord Ripon, 
hat es, wie der „Observer“ mittheilt, vermieden, sich 
in diesen Verfafsungsstreit zu mischen, Ler hat viel⸗ 
miehr den Gouverneur Lord Glasgow angewiesen, 
in diesem besonderen Falle nachzugeben. 
Kus der Rücherei. 
Wir Drei. Fünf Alte. Von Ernst Rosmer. 
Verlag von Dr. E. Albert & Co., Separat-Konto, 
Müuͤnchen. 
Ernst Rosmer, dessen Schauspiel „Dämmerung“ 
xẽnde März ds. Is. bei seiner Aufführung in Berlin 
son der Kritik übereinstimmend als das Werk eines 
zanz außerordentlichen Talentes anerkannt wurde, 
zeröffentlicht jetzt ein Schauspiel: Wir Drei“, das 
nicht verfehlen wird, die über „Dämmerung“ aus— 
gesprochenen günstigen Urtheile zu bestätigen. Es 
rzaͤhlt nicht ñur eine interessante und spannende 
Zegebenheit, sondern schildert auch Menschen, mit 
zöchster Anschaulichkeit und ächter Poesie. Ferne 
on Allem, was die, Forderungen der Sittlichkeit 
der Sille verletzen könnte, ferne aber auch von 
zermeintlich „idealistischer“ Schönfärberei, stellt es 
Wesen dar in denen daͤs allgemein Menschliche und 
zie besondere Bedingung ihrer Zeit, das Moderne, 
in Eules verwoben sind: in Charaktere von über— 
zeugender Wahrheit. 
Der Deutsche Kaufmanun — Berlin 027. Dem⸗ 
nächst beginnt der V. Jahrgang d. Bl. Die uns 
orliegende Nummer enthält u. A. folgende Artikel: 
Zettelbanken“, „Kaufmann, und Konsumverein“, 
„Blüthenlese aus dem Gerichtssale“, Winke für 
risenbahnreisende“, „Anregungen für Schaufenster— 
dekorallon“ und eine solche Fuͤlle des Interessanten 
und Praktischen, daß das Abonnement (pr. Quartal 
ur Mark 2,) jedem Kaufmanne bestens empfohlen 
verden kann. 
Dur gütigen Veachtung. 
Den vielfachen Wünschen aus den Ureisen unserer 
zeehrten Abonnenten sind wir nunmehr nachgekommen 
uͤnd haben zum Zwecke des Sammelns und Auf— 
legens der „Berliner Illustrirten Zeituna“ praktische 
und haltbare 
Interessantes aus aller Welt. 
Photographieen vom Meeres boden. 
Louis Bouton, Privatdocent an der Pariser Uni⸗— 
versität und bikaunt durch seine untersceischen For—⸗ 
schungen und zoologischen Arbeiten über das Rothe 
Meer' hat durch ein finnreiches Verfahren photo— 
Fraphische Aufnahmen des Mecresbodens erzielt. 
Der junge Gelehrte stieg zuerst in einem Taucher⸗ 
anzug in der Nähe des Ichthr ologischen Laborato— 
riums bei Banyul-sur⸗Mer y den Seeboden hinab 
und begann seine Aufnahmen mit einem eigens zu 
dicfem Zweck angefertigten Apparat bei natürlichem 
Lichte. Es siellf sich indessen heraus, daß dieses 
Licht zu schwach war und die Aufnahmen zu lange 
Zeiu erforderten. Auch brachte die geriuaste Be— 
In Neuseeland hat das Parlament, wie ein 
Drahtbericht aus Wellington meldet, allen Frauen, 
xngiäuderinen wie Maodri⸗-Frauen, das Wahlrecht 
erliehen. Vor einem Jahre schon genehmigte das 
eufeeländische Unterhaus eine Bill, die den Frauen 
uropaͤischer Abkunft das Wahlrecht gab. Unter 
gewissen Umständen sollten sie sogar im eigenen 
Zaufse die Stimmen abgebeg dürfen. Der gesetz⸗ 
scbende Rath verwarf diese Bill. Seitdem ist der 
sRalh jedoch reformirt worden, indem das Ministe⸗ 
ium zwölf neue Anhänger in, ihn gebracht hat 
Vegen dieser neuen Mitglieder kam es zu heftigen 
Ztreitigkeiten zwischen dem Gouverneur, und dem 
RNinificrium; der Gouverneur wollte den gesetz— 
— * Vesemappen ⸗— 
anfertigen lassen, die ihren Zweck, die Hefte in 
sauberem Zustande zu erhalten, wohl erreichen werden. 
Gegen Vergütigung von 
40 Pfg · Versandlspesen 
senden wir an jeden unserer werthen Abonnenten 
eine solche Lesemappe. 
Bochachtend 
Die Expedition der Verl. Sllustr. Deilung 
Berlin 8. W., Charlottenstr. u. 
— — — — — — — — — — — —— — — — — —— c777ccee7 
3 543 3 3 
z n is Di i .W. lottenstr. 11, aein. 
nzei Freise von 60 Pf. pro 58esp. Nonp. Zeile duren alle Annoncen-Buroeaux- Anzeigen fur die nachste Nummer mussen bis Diengtag Mittas in der Expedition, Berlin S. W. Char ne 
macigen 2zu— 
— — —— — — — —— — — — — 
Kunde: „. ... Warum reichen Sie mir denn 
osfenes Insectenpulver.... Ich habe doch 
Zacherlin“ verlangt und solches existirt be— 
kauntlich nur in Flaschen! — Offenes Pulver 
nehme ich nicht an. .. ., denn ich weiß gar 
zui, daß es blos ein arger Mißbrauch des 
mit“ Recht geruͤhmten Naͤmens Zacherlien“ 
ist, wenn gewöhnliches Insectenpulver in Briefen, 
Düten oder Schachteln für „Zacherlin“ ausge— 
geben wird. 
Entweder geben Sie mir eine vensiege Dte 
plasene imi dem Namen „ Pacher lv — — 
oder mein Geld retour. 
Irre führen lasse ich mich nicht!!“ 
hie flaschon kosten: 30 Pf. 60 Pf., Nk. l.—, Nk. 2.—, der Zach. dharer —V 
Niederlaaen sind in Berlin viele hunderte — jedoch wohlgemerkt — nur dort, wo Zacherlin⸗Plakate 
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—RV — — — 
Jeilt die Anstalt 
OIIEFHMe 
Rohert Ernst 
Berlim WV., Steglitaerstr. 81. 
verfasser des soeben erschienenen 
ee Des Stottexn und seine 
Ueisung. Preis M. 5. Prosp. kostenl.
	        
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