nr. 34.
wvecken, daß er biblische Dramen dichtete und die—
elben mit großem Pomp aufführen ließ; den Nach—
geborenen vermachte er seine rätische Chronik und
chosmographie, welche bis heute in seiner genauen
darstellung und Charakterisirung des Landes und
ciner Bewohner uns unerreichtes Vorbild ist. Dies
Ales ist aber wenig im Vergleich zu dem, was er
ils Reformator seines Volkes gewirkt.
Ich hatte mich auf der ausgetretenen Steinstufe
jor der Hausthüre niedergelassen, blickte in den zu
neinen Füßen vorüberrauschenden Inn und dachte
jber die Unvergänglichkeit des Schönen und Edeln
jach. — Geistig erbaut und gehoben setzte ich meine
Vanderung fort. Die Wolken begannen sich zu
zerstreuen und die Sonne spiegelte sich in den Lachen,
je der Regen auf dem Wege gebildet. Auf beiden
Zeiten des Straßenrandes blühte die frische rosa
anina; nirgends in der Welt trifft man diese
Zlume so häufig als im Unter-Engadin, sie bildet
den reizenden Schmuck aller Wege, die der Wanderer
helrist.“ Im Schatten der am Innufer üppig
prießenden Weiden vorwärts wandernd, erreichte
ch endlich den Wald, durch dessen grüne Wildniß
alter Zeit die Hauptstraße von Sus nach Zernez
uührte. Der Himmel hatle sich vollständig auf—
seheitert, die feuchte Waldluft war erfüllt von dem
chweren bezaubernden Harzgeruch. Ein von blühen⸗
en Schlingpflanzen fast überwachsener schmaler
pfad zweigle sich vom Wege ab und führte durch
eine einsame, insektendurchschwirrte Lichtung zum
ziel meiner Wanderung. Am Fuße einiger Stämme
agt aus dem Heidelbeergesträuch ein Granitblock
servor, der die Jahreszahl 1616 trägt. Einige
Ichritte weiter oben stehen zwei düstere, ungefähr
io Meter hohe, festgemauerte Säulen und im grünen
Moose daneben ein halbverfaulter Balken, an welchem
nan noch die Nägel gewahrt, woran der Scharf—
ichter die Köpfe der Enthaupteten hing ...
Ein tiefes Schweigen herrscht an diesem einsamen
Irt; nur ein Specht hämmert etwas weiter oben
seschäftig an einem hohlen Baumstumpfe; im stillen
daͤmmerlicht des Waldes aber ragen die zwei
üstern, für eine Ewigkeit gebauten Denkmäler einer
auhen Zeit zum leuchtenden Blau des Himmels
mpor; der Zahn der Zeit aber hat den sie ver⸗ 9
zindenden Bälken so lange zerfressen, bis erz
Jerunterfiel; Epheu und Immergrün winchinginß
lie Säulen und den Armsünderstuhl, und die wohl⸗7
iechende Arnika treibt am Fuße desselben ihre gelben
Blüthen. Die allliebende, allgute Natur lebt und
vebt'auch hier auf dieser blutgetränkten Stätte und
veiß nichts von den Verirrungen der Menschen.
O. v. P.W.
Interessantes aus aller Welt.
Zur sächsischen Selbstmordstatistik. Nach
»em soeben erschienen „Statistischen Jahrbuch für
das Königreich Sachsen“ ist die Zahl der Selbst-
nörder in den letzten 2 Jahren wiederum gestiegen.
wWährend im Jahre 1890 nur 1066 Selbstmörder
845 männlichen, 211 weiblichen Geschlechts) gezählt
vurden, kamen im Jahre 1891 1172 Selbstmorde
908 Personen männlichen, 264 Personen weiblichen
Beschlechts) und im vorigen Jahre 1179 Selbst—
norde (958 Männer, 226 Frauen) vor. Der Pro—
Verliner Sllustrirle Zeitung.
entsatz (3,8 auf je 10 000 der mittleren Bepölkerung)
lieb in beiden Jahren derselbe. Wie früher, so hat
ian auch jetzt wieder die nachweis baren oder muth—
aaßlichen Ursachen des unheimlichen Schrittes zu—
ammengestellt, aber es ist doch ein schwankender
zrund, auf den man da baut. In vielen Fällen
leibt die wahre Ursache verborgen. Oft sind
nehrere Ursachen vorhanden, deren Zusammenwirken
»en grausigen Entschluß hat reifen und zur That
oerden lassen! Wse oft wird der unmittelbare An—
oß verwechselt mit der schon lange wirkenden inner—
ichen Ursache! In fast 300 Fällen wird Melancholie
Is Ursache angeführt, in etwa 150 körperliches
eiden, in etwa 100 Trunksucht, in anderen Furcht
or Strafe, in noch anderen Zerrüttung der Ver—⸗
rögensverhältnisse, in einigen verletztes Ehrgefühl
1. a. m.
Ursprung des Billards. Im British—
Nuseum befindet sich ein Dokument von 1760,
belches dem Billardspiel einen eigenthümlichen Ur—
rung zuschreibt. Dieses Spiel soll etwa im Jahre
650 von einem Pfandleiher, Namens William Kew,
rfunden worden sein. Dieser würdige Mann soll
ie Angewohnheit gehabt haben, des Abends die
dugeln, die zum Zeichen seines Gewerbes dienten,
enommen und auf seinem Schreibtische mit der
jard, welche ihm zum Messen der Stoffe diente, hin
ind her gestoßen zu haben. Billard sei daher eine
zusammensetzung von Bill (William) Yard. (2)
Eine Hinrichtung bei den Indianern.
zu Apuckshunnuble im nordamerikanischen Indianer-
jebiet wurde vor einiger Zeit ein Choctaw-Indianer,
er eine alte Frau ermordet hatte, hingerichtet.
leber die Art und Weise, wie die Choctaws ihre
Nörder in die ewigen Jagdgründe befördern, finden
hir in einem New-Yorker Blatte folgende Einzel⸗
eiten: Neben dem Rathhause, das gleichzeitig als
zefängniß dient, befindet sich ein von hohem Pfahl—⸗
oerk uümgebener Platz; in einer Ecke ist ein vier—
ckiger Duadratstein halb in der Erde vergraben
as ist der Todtenstein der Choctaws, auf dem der
delinquent Platz zu nehmen hat, um die Strafe für
eine Missethat zu erhalten. Das Blut vieler armer
Teufel, die auf diesem Steine ihre letzten Seufzer
ausgehaucht haben, hat ihm eine schmutzigbraune
Farbe verliehen. Am Tage der Hinrichtung war
die ganze Nachbarschaft schon lange vor Tages—
inbruch auf den Beinen; alles hatle Festgewänder
ingelegt, als handle es sich um eine Kirmeß. Dite
xhoectaws gehören zu den gesittetsten Indianern
illein von ihren alten Gebräuchen lassen sie sich
rzicht abbringen. Ihr Gesetz bestimmt, daß die An—
erwandten des Opfers den Mörder vom Leben
um Tode zu bringen haben. Die Angehörigen
es Delinquenten betrachten das auch als etwas
anz Selbstverständliches, und es fällt ihnen nicht
in, den Henkern irgend welchen Groll nachzutragen.
IIs der Platz bereits mit Menschen gefüllt war,
rschien, von bewaffneten Wächtern geleitet, der
odeskandidat. Innerhalb der Umzäunung ange—
ingt, wurde er von seinen Fesseln befreit und
arfte sich frei bewegen. Er schien guter Laune zu
ein, zeigte keine Spur von Aufregung und unter—
nelt sich lachend und scherzend mit seinen Freunden.
as Gesetz verbietet, daß die Hinrichtung vollzogen
herde, ehe die ersten Strahlen der Sonne den
odtenstein geküßt haben. Als der verhängnißvolle.
fugenblick kaͤm nahm der Verurtheilte Abschied von
einen Verwandten, bestieg ruhig den Stein, setzte
ich nieder und begann den Todtengesang der
xhoctaws anzustimmen, eine traurige, einförmige
MNelodie, die schon seit undenklichen Zeiten die Choc⸗
aws ins Jenseits geleitet. Unterdeß hatten die
Inverwandten des Opfers eine Besprechung mit—
inander gehalten und sich darüber geeinigt, welche
son ihnen die Hinrichtung vollziehen sollten. Nach
urzer Berathung traten sechs junge Krieger vor
ind nahmen zehn Schritte von dem Deliquenten
lufstellung. Letzterer sang noch, als die Gewehre
einer Henker schon im Anschlag lagen. Im nächsten
Jugenblick stürzte er von sechs Kugeln durchbohrt,
odt auf den Slein. Sein Verbrechen war gesühnt;
ils tapferer Krieger konnte er seinen Einzug in die
»wigen Jagdgründe halten.
Aus der Rücherei.
Anter den zahlreichen Verehrern und Freunden
es gefeierten Schriftstellers und Gelehrten Georg
Fbers war die Kunde, daß die Deutsche' Ver—
ags-Anstalt in Stuüttgart eine Gesammtausgabe
einer schönwissenschaftlichen Werke veranstalten
vürde, eine höchst willkommene. Nunmehr liegen
ie ersten sechs Lieferungen dieser Gesammtausgabe
‚or. Sie enthalten den vollständigen ersten sowie
den Anfang des zweiten Bandes seines ersten
somans „Eine ägyptische Königstochter“, der uns
en Zauber Ebers'scher Darstellungskunst, seine
rbenprächtige Schilderung altägyplischen Lebens
olt empfinden läßt. Wie ümmer, so hat auch dies-
nal die Verlagshandlung es sich angelegen sein
assen, dem gediegenen Inhalt eine schöne äußere
fassung zu geben Großer, klarer Druck auf gutem
zapier und ein handliches Format sind die hervor⸗
echendsien äußeren Vorzüge der neuen Ausgabe,
u welchen noch der ungemein billige Preis von
0 Pfennig für eine statkliche Lieferung von fünf
zogen Oktavformat tritt. Es bietet sich somit hier
ins außerordentlich günstige Gelegenheit dar, auf
illige Weise Georg Ebers herrliche Werle zu er⸗
verben, die ein wahrer Schatz für die Familie sind,
dem ein Ehrenplatz in der Bücherei jedes deutschen
zauses gebührt, und aus dem Alt und Jung ge—
ijegene Unterhaltung und Belehrung schöpfen kann.
Humoristisches.
Fataler Nachsatz. „Warum flennst du denn
chon wieder?“ — „Der Hausherr hat mir eine
Ohrfeig' gegeben und gesagt, ich wär n dummer
Terl und“ ..“ — „Das bist du auch! ·, Was
hat'er denn noch gesagt?“ —„Der Apfel thät' nit
vweit vom Stamm falle'!“
*
Kirchliche Reform,. Junger Pastor: „Was
läßt sich thun, unseren Gottesdienst fesselnd genug
zu machen, um auch die Leute anzuziehen, welche
zewöhnlich nicht in die Kirche gehen?“ — Mitglied
des Kircheuvorstandes (seinen Kopf kratzend und sich
besinnend): „Ich wüßte nicht was — Vielleicht wenn
man die Predigt wegließe?“
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Kunde: „.... Warum reichen Sie mir denn
fenes Insectenpulver .... Ich habe doch
3a cherfin“ verlangt und solches existirt be—
nuntlich uf in Flaschen! — Osfenes Pulper
nehme ich nicht an. . .., denn ich weiß gar
Jut daß es blos ein arger Mißbrauch des
nit Recht gerühmten Naͤmens „Zacherlin“
ist, wenn gewöhnliches Insectenpulver in Briefen,
Düten oder Schachteln für „Zacherlin“ ausge⸗
geben wird.
Entweder geben Sie mir eine versieg eldte
Flasehe mâ dem Namen „Pacν— —
oder mein Geld retour.
Irre führen lasse ich mich nicht!!“
aschen kosten: 30 Pf., 60 pf., Nk. .—, k. 2.—, ller Zach. dparer 60 pf.
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