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Band Nummer 34, 20. August 1893

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1893, II. Jahrgang, Nr. 1-53 (Public Domain)

nr. 34. 
wvecken, daß er biblische Dramen dichtete und die— 
elben mit großem Pomp aufführen ließ; den Nach— 
geborenen vermachte er seine rätische Chronik und 
chosmographie, welche bis heute in seiner genauen 
darstellung und Charakterisirung des Landes und 
ciner Bewohner uns unerreichtes Vorbild ist. Dies 
Ales ist aber wenig im Vergleich zu dem, was er 
ils Reformator seines Volkes gewirkt. 
Ich hatte mich auf der ausgetretenen Steinstufe 
jor der Hausthüre niedergelassen, blickte in den zu 
neinen Füßen vorüberrauschenden Inn und dachte 
jber die Unvergänglichkeit des Schönen und Edeln 
jach. — Geistig erbaut und gehoben setzte ich meine 
Vanderung fort. Die Wolken begannen sich zu 
zerstreuen und die Sonne spiegelte sich in den Lachen, 
je der Regen auf dem Wege gebildet. Auf beiden 
Zeiten des Straßenrandes blühte die frische rosa 
anina; nirgends in der Welt trifft man diese 
Zlume so häufig als im Unter-Engadin, sie bildet 
den reizenden Schmuck aller Wege, die der Wanderer 
helrist.“ Im Schatten der am Innufer üppig 
prießenden Weiden vorwärts wandernd, erreichte 
ch endlich den Wald, durch dessen grüne Wildniß 
alter Zeit die Hauptstraße von Sus nach Zernez 
uührte. Der Himmel hatle sich vollständig auf— 
seheitert, die feuchte Waldluft war erfüllt von dem 
chweren bezaubernden Harzgeruch. Ein von blühen⸗ 
en Schlingpflanzen fast überwachsener schmaler 
pfad zweigle sich vom Wege ab und führte durch 
eine einsame, insektendurchschwirrte Lichtung zum 
ziel meiner Wanderung. Am Fuße einiger Stämme 
agt aus dem Heidelbeergesträuch ein Granitblock 
servor, der die Jahreszahl 1616 trägt. Einige 
Ichritte weiter oben stehen zwei düstere, ungefähr 
io Meter hohe, festgemauerte Säulen und im grünen 
Moose daneben ein halbverfaulter Balken, an welchem 
nan noch die Nägel gewahrt, woran der Scharf— 
ichter die Köpfe der Enthaupteten hing ... 
Ein tiefes Schweigen herrscht an diesem einsamen 
Irt; nur ein Specht hämmert etwas weiter oben 
seschäftig an einem hohlen Baumstumpfe; im stillen 
daͤmmerlicht des Waldes aber ragen die zwei 
üstern, für eine Ewigkeit gebauten Denkmäler einer 
auhen Zeit zum leuchtenden Blau des Himmels 
mpor; der Zahn der Zeit aber hat den sie ver⸗ 9 
zindenden Bälken so lange zerfressen, bis erz 
Jerunterfiel; Epheu und Immergrün winchinginß 
lie Säulen und den Armsünderstuhl, und die wohl⸗7 
iechende Arnika treibt am Fuße desselben ihre gelben 
Blüthen. Die allliebende, allgute Natur lebt und 
vebt'auch hier auf dieser blutgetränkten Stätte und 
veiß nichts von den Verirrungen der Menschen. 
O. v. P.W. 
Interessantes aus aller Welt. 
Zur sächsischen Selbstmordstatistik. Nach 
»em soeben erschienen „Statistischen Jahrbuch für 
das Königreich Sachsen“ ist die Zahl der Selbst- 
nörder in den letzten 2 Jahren wiederum gestiegen. 
wWährend im Jahre 1890 nur 1066 Selbstmörder 
845 männlichen, 211 weiblichen Geschlechts) gezählt 
vurden, kamen im Jahre 1891 1172 Selbstmorde 
908 Personen männlichen, 264 Personen weiblichen 
Beschlechts) und im vorigen Jahre 1179 Selbst— 
norde (958 Männer, 226 Frauen) vor. Der Pro— 
Verliner Sllustrirle Zeitung. 
entsatz (3,8 auf je 10 000 der mittleren Bepölkerung) 
lieb in beiden Jahren derselbe. Wie früher, so hat 
ian auch jetzt wieder die nachweis baren oder muth— 
aaßlichen Ursachen des unheimlichen Schrittes zu— 
ammengestellt, aber es ist doch ein schwankender 
zrund, auf den man da baut. In vielen Fällen 
leibt die wahre Ursache verborgen. Oft sind 
nehrere Ursachen vorhanden, deren Zusammenwirken 
»en grausigen Entschluß hat reifen und zur That 
oerden lassen! Wse oft wird der unmittelbare An— 
oß verwechselt mit der schon lange wirkenden inner— 
ichen Ursache! In fast 300 Fällen wird Melancholie 
Is Ursache angeführt, in etwa 150 körperliches 
eiden, in etwa 100 Trunksucht, in anderen Furcht 
or Strafe, in noch anderen Zerrüttung der Ver—⸗ 
rögensverhältnisse, in einigen verletztes Ehrgefühl 
1. a. m. 
Ursprung des Billards. Im British— 
Nuseum befindet sich ein Dokument von 1760, 
belches dem Billardspiel einen eigenthümlichen Ur— 
rung zuschreibt. Dieses Spiel soll etwa im Jahre 
650 von einem Pfandleiher, Namens William Kew, 
rfunden worden sein. Dieser würdige Mann soll 
ie Angewohnheit gehabt haben, des Abends die 
dugeln, die zum Zeichen seines Gewerbes dienten, 
enommen und auf seinem Schreibtische mit der 
jard, welche ihm zum Messen der Stoffe diente, hin 
ind her gestoßen zu haben. Billard sei daher eine 
zusammensetzung von Bill (William) Yard. (2) 
Eine Hinrichtung bei den Indianern. 
zu Apuckshunnuble im nordamerikanischen Indianer- 
jebiet wurde vor einiger Zeit ein Choctaw-Indianer, 
er eine alte Frau ermordet hatte, hingerichtet. 
leber die Art und Weise, wie die Choctaws ihre 
Nörder in die ewigen Jagdgründe befördern, finden 
hir in einem New-Yorker Blatte folgende Einzel⸗ 
eiten: Neben dem Rathhause, das gleichzeitig als 
zefängniß dient, befindet sich ein von hohem Pfahl—⸗ 
oerk uümgebener Platz; in einer Ecke ist ein vier— 
ckiger Duadratstein halb in der Erde vergraben 
as ist der Todtenstein der Choctaws, auf dem der 
delinquent Platz zu nehmen hat, um die Strafe für 
eine Missethat zu erhalten. Das Blut vieler armer 
Teufel, die auf diesem Steine ihre letzten Seufzer 
ausgehaucht haben, hat ihm eine schmutzigbraune 
Farbe verliehen. Am Tage der Hinrichtung war 
die ganze Nachbarschaft schon lange vor Tages— 
inbruch auf den Beinen; alles hatle Festgewänder 
ingelegt, als handle es sich um eine Kirmeß. Dite 
xhoectaws gehören zu den gesittetsten Indianern 
illein von ihren alten Gebräuchen lassen sie sich 
rzicht abbringen. Ihr Gesetz bestimmt, daß die An— 
erwandten des Opfers den Mörder vom Leben 
um Tode zu bringen haben. Die Angehörigen 
es Delinquenten betrachten das auch als etwas 
anz Selbstverständliches, und es fällt ihnen nicht 
in, den Henkern irgend welchen Groll nachzutragen. 
IIs der Platz bereits mit Menschen gefüllt war, 
rschien, von bewaffneten Wächtern geleitet, der 
odeskandidat. Innerhalb der Umzäunung ange— 
ingt, wurde er von seinen Fesseln befreit und 
arfte sich frei bewegen. Er schien guter Laune zu 
ein, zeigte keine Spur von Aufregung und unter— 
nelt sich lachend und scherzend mit seinen Freunden. 
as Gesetz verbietet, daß die Hinrichtung vollzogen 
herde, ehe die ersten Strahlen der Sonne den 
odtenstein geküßt haben. Als der verhängnißvolle. 
fugenblick kaͤm nahm der Verurtheilte Abschied von 
einen Verwandten, bestieg ruhig den Stein, setzte 
ich nieder und begann den Todtengesang der 
xhoctaws anzustimmen, eine traurige, einförmige 
MNelodie, die schon seit undenklichen Zeiten die Choc⸗ 
aws ins Jenseits geleitet. Unterdeß hatten die 
Inverwandten des Opfers eine Besprechung mit— 
inander gehalten und sich darüber geeinigt, welche 
son ihnen die Hinrichtung vollziehen sollten. Nach 
urzer Berathung traten sechs junge Krieger vor 
ind nahmen zehn Schritte von dem Deliquenten 
lufstellung. Letzterer sang noch, als die Gewehre 
einer Henker schon im Anschlag lagen. Im nächsten 
Jugenblick stürzte er von sechs Kugeln durchbohrt, 
odt auf den Slein. Sein Verbrechen war gesühnt; 
ils tapferer Krieger konnte er seinen Einzug in die 
»wigen Jagdgründe halten. 
Aus der Rücherei. 
Anter den zahlreichen Verehrern und Freunden 
es gefeierten Schriftstellers und Gelehrten Georg 
Fbers war die Kunde, daß die Deutsche' Ver— 
ags-Anstalt in Stuüttgart eine Gesammtausgabe 
einer schönwissenschaftlichen Werke veranstalten 
vürde, eine höchst willkommene. Nunmehr liegen 
ie ersten sechs Lieferungen dieser Gesammtausgabe 
‚or. Sie enthalten den vollständigen ersten sowie 
den Anfang des zweiten Bandes seines ersten 
somans „Eine ägyptische Königstochter“, der uns 
en Zauber Ebers'scher Darstellungskunst, seine 
rbenprächtige Schilderung altägyplischen Lebens 
olt empfinden läßt. Wie ümmer, so hat auch dies- 
nal die Verlagshandlung es sich angelegen sein 
assen, dem gediegenen Inhalt eine schöne äußere 
fassung zu geben Großer, klarer Druck auf gutem 
zapier und ein handliches Format sind die hervor⸗ 
echendsien äußeren Vorzüge der neuen Ausgabe, 
u welchen noch der ungemein billige Preis von 
0 Pfennig für eine statkliche Lieferung von fünf 
zogen Oktavformat tritt. Es bietet sich somit hier 
ins außerordentlich günstige Gelegenheit dar, auf 
illige Weise Georg Ebers herrliche Werle zu er⸗ 
verben, die ein wahrer Schatz für die Familie sind, 
dem ein Ehrenplatz in der Bücherei jedes deutschen 
zauses gebührt, und aus dem Alt und Jung ge— 
ijegene Unterhaltung und Belehrung schöpfen kann. 
Humoristisches. 
Fataler Nachsatz. „Warum flennst du denn 
chon wieder?“ — „Der Hausherr hat mir eine 
Ohrfeig' gegeben und gesagt, ich wär n dummer 
Terl und“ ..“ — „Das bist du auch! ·, Was 
hat'er denn noch gesagt?“ —„Der Apfel thät' nit 
vweit vom Stamm falle'!“ 
* 
Kirchliche Reform,. Junger Pastor: „Was 
läßt sich thun, unseren Gottesdienst fesselnd genug 
zu machen, um auch die Leute anzuziehen, welche 
zewöhnlich nicht in die Kirche gehen?“ — Mitglied 
des Kircheuvorstandes (seinen Kopf kratzend und sich 
besinnend): „Ich wüßte nicht was — Vielleicht wenn 
man die Predigt wegließe?“ 
maeigen zum Preise von 60 Pf. pro 5 gesp. Nonp. Zeile durch alle Annoncen-Bureaux. Anzeigen für die nachste Nummer müesen pis Dienstag Mittag in der Expedition, Berlin S.W., Charlottenstr. II. sein. 
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unft ertheidt Die Rurverualtung. 
VOo— 
beim Einkaufe von Zacherbin 
diosos ztaunenswerth wirscenden Mittels gegen jederlei Insecten). 
Kunde: „.... Warum reichen Sie mir denn 
fenes Insectenpulver .... Ich habe doch 
3a cherfin“ verlangt und solches existirt be— 
nuntlich uf in Flaschen! — Osfenes Pulper 
nehme ich nicht an. . .., denn ich weiß gar 
Jut daß es blos ein arger Mißbrauch des 
nit Recht gerühmten Naͤmens „Zacherlin“ 
ist, wenn gewöhnliches Insectenpulver in Briefen, 
Düten oder Schachteln für „Zacherlin“ ausge⸗ 
geben wird. 
Entweder geben Sie mir eine versieg eldte 
Flasehe mâ dem Namen „Pacν— — 
oder mein Geld retour. 
Irre führen lasse ich mich nicht!!“ 
aschen kosten: 30 Pf., 60 pf., Nk. .—, k. 2.—, ller Zach. dparer 60 pf. 
Niederlagen sind in Verlin viele hunderte — jedoch wohlgemerkt — nur dort, wo Zacherlin-⸗Plakate 
ausgehängt sind. 
J —AV 
oreee 
Robert Ernst 
HerIim WV., Steglitzerstr. 81. 
serfasser des soeben erschienenen 
Xerkes: Das Stottern und seine 
eiiung. Preis M. 5. Prosp. kostenl. 
XX u — 
ummi · Artilcel, 
Amnimtlithe nur das Allerfeinste, verseno 
ortofrei R. Kruger, Rerlim SW. 
indenstradag oß. — IUlustr. Preislist 
sonst und frapeo in verschlossenen 
Qouvert. Billigste Qquelle. 
Bill. fortwähr. R8 
piiz · Anlage fur jede Familie i. Keller, 
Slall. Brut. u. Instr. v. 13 Mk. an 
——c—— jegl. Vorkenntniß, vorzügl 
stentabintaͤt. Vers. nach au. Ländern. Erf 
tets durch 20 jaͤhrige Erfahr. gesichert. 
IJ. Nepp, Lei pzix — ιν.
	        
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