Path:
ColorChart

Full text : Der Bär (Public Domain) Ausgabe 20.1894 (Public Domain)

Zur  selben  Zeit,  da  Guncelin  von  Hagen
In  Burg  Dobin  vor  Fürst  Niclot  erschien,
Verließ  das  Lager  Heinerichs  des  Löwen  |
Der  Erzbischof  von  Bremen,  der  den  Gang
Des  Ritters  Guncelin  mit  scharfem  Auge
Bewacht,  begleitet  nur  von  seinen  Knechten;
Und  als  der  Mond  am  Sternenhimmel  stand,
Sah  man  ihn  eifrig  mit  den  beiden  Fürsten
Der  Dänen  in  dem  Dänenlager  reden.
Als  er  am  nächsten  Morgen  wieder  schied,
Da  war  die  alte  Feindschaft  neu  begründet,
Die  schon  seit  Jahren  zwischen  Dänemark
Und  Herzog  Heinerich  bestanden  hatte.
„Der  Herzog  hält  es  heimlich  mit  den  Wenden;
Er  sendet  und  empfängt  geheime  Boten;
Vielleicht  war  gar  das  Unheil  dieser  Nacht
Und  die  Zerstörung  Eurer  stolzen  Flotte
Ein  Werk  nur  jenes  falschen  Freundes."
Das  war  es,  was  der  Erzbischof  den  Fürsten
Der  Dänen  zugeflüstert,  und  der  Aerger
Ob  dieses  Krieges  unheilvoller  Führung
Schafft'  seinen  Worten  leicht  den  vollsten  Glauben.
Nur  allzugerne  schiebt  man  ja  die  Schuld
Für  alles  Unheil  auf  des  Nächsten  Schultern!  —
Jedoch,  was  thun?!  Sich  Rechenschaft  vom  Herzog
Zu  fordern,  dieses  schien  mit  Recht  gefährlich.  —
Allein  den  Krieg  beenden  ohne  jenen?
Unmöglich,  denn  die  Wenden  waren  Sieger!  —
So  blieb  den  Königen  das  eine  nur,
Auch  ihrerseits  mit  Niclot  zu  verhandeln,
Um  ihres  Heeres  letzten  Rest  zu  retten
Und  ihre  Rache  an  dem  Sachsenherzog
Auf  günstigere  Zeiten  zu  verschieben.  —
Es  war  ein  sonnenheller  Sommermorgen.
Vom  Thau  befeuchtet  dufteten  die  Blumen,
In  Rohr  und  Weiden  klang  der  Vögel  Lied.
Und  wie  im  Festschmuck  glänzten  Wald  und  Fluren.
Da  stießen  Kähne  von  des  Ufers  Rand
Und  lenkten  ihren  Lauf  zur  Insel  Lieps,
Wo  Rethra  stand,  der  Tempel  Radegasts.
Des  Wendengottes.  An  der  Flotte  Spitze
Fuhr  festgeschmückt  der  tapfre  Fürst  Niclot,
Und  in  den  Kähnen,  die  dem  Fürsten  folgten.
Da  drängte  sich  des  Volkes  bunte  Menge
Im  Festgewande.
Heute  galr's,  dem  Gotte
Zu  danken  für  die  Rettung  aus  den  Händen
Der  übermächt'gen  Feinde.
Jubel  herrschte
Im  ganzen  Land.  —
Der  Friede  war  geschloffen!
5.  In  Salzburgs  Bergen  (1148).
Im  Rittersaale  tönt  des  Sängers  Lied:
„Salzburg,  Du  Perle  in  den  weiten  Landen,
Da  man  die  traute  deutsche  Zunge  spricht.

Sei  mir  gegrüßt!  —  Gegrüßt,  Ihr  Felsenhäupter,
Ihr  stillen  Seeen  und  Ihr  dunklen  Wälder!  —
Was  käme  Eurem  heil'gen  Frieden  gleich?!
Mag  auch  das  Leben  drunten  ewig  wechseln  —
Mag  auch  der  Mensch  im  flücht'gen  Lauf  der  Jahre
Sich  wandeln,  mag  er  schaffen  und  zerstören:
Euch  rührt  cs  nicht  in  Eurem  Bergesfrieden.  —
Wenn  mich  des  Lebens  hundertfält'ge  Plagen
Erbittern  —  wenn  ich  an  den  Idealen,
Die  sich  des  Jünglings  Herz  begeistert  schuf,
Verzweifeln  möchte  in  dem  Sturm  des  Lebens  —
Dann  träum'  ich  mich  in  Euren  Schoß  zurück,
Ihr  ew'gen  Berge,  und  mem  Herz  gesundet.
Bergt  Ihr  mir  doch  das  Liebste  auf  der  Welt!  —
Ich  träume.
Dichter  Nebel  liegt  im  Thale
Und  wallt  und  wogt  am  Berghang  auf  und  nieder;
Ein  Schleier  hängt  sich  um  der  Föhren  Wipfel.
Im  Dunkel  liegen  droben  noch  die  Häupter
Der  grauen  Berge,  und  im  Dunkel  liegen
Die  tiefen  Thale.  Sieh,  da  schießt  ein  Strahl
Des  Lichtes  durch  die  dichten  Nebelmassen,
Im  Frührot  glänzen  all  die  hohen  Gipfel.
Und  dort  im  Osten,  über  jener  Wand
Erglüht  als  Siegerin  die  goldne  Sonne.
Noch  kämpft  im  Thal  das  Heer  der  Nebelgeister;
Doch  vor  dem  Strahl  der  Königin  des  Tages
Zerrinnen  fie.  Und  wie  sie  so  zergehen,
Erglüht  der  Tau  im  Schein  der  Morgensonne,
Die  grünen  Gräser  und  die  bunten  Blumen,
Sie  heben  sich  und  öffnen  ihre  Kelche,
Und  aus  den  Büschen  schallt  der  Jubelchor^
Der  kleinen  Sänger.
Liebe  schwellt  ihr  Herz  —
Und  „Liebe"  jubeln  ihre  frohen  Lieder,  —
„Und  „Liebe"  jubelt  auch  des  Träumers  Herz.
Behüt  Dich  Gott,  Du  Seele  meiner  Lieder!
Doch,  weiter  nimmt  die  Sonne  ihren  Lauf;
Die  Strahlen  fallen  glühend  auf  mein  Haupt,
Im  Bergsee  spiegeln  sich  die  dunklen  Föhren,
Es  flimmert  über  Berg  und  Thal  die  Luft.
Da  hebt  der  Almwind  seine  leichten  Schwingen
Und  haucht  mir  Kühlung:  würz'ger  Blumenduft
Und  frischer  Waldduft  wehn  mir  draus  entgegen.
Hoch  droben  zieht  der  Adler  seine  Kreise
Und  wiegt  sich  in  dem  hellen  Meer  der  Lüfte.
Und  wie  ich  meinen  Blick  nach  oben  wende,
Da  leuchtet  hoch  am  Berghang  mir  entgegen
Ein  Meer  von  purpurroten  Alpenrosen;
Die  glüh'n  und  blühen  in  dem  frischen  Grün
Der  dunklen  Blätter.  —  Wer  in  seinem  Leben
Dies  einmal  sah,  der  kann  es  nie  vergessen.  —
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.