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B. Einzelnes.
zeichen des böhinischen Viehs, dessen Einfuhr durch Schmuggel die Seuche wiederholentlich
in's Deutsche Reich eingeschleppt Hütte, sich zu äußern. Als dann im
Jahre 1885 auf Antrag Preußens in einer Novelle zum Viehseuchengesetze Prohibitivmaßnahmen
gegen die Lungenseuche den gesetzgebenden Körperschaften vorgeschlagen
wurden, war es Aufgabe des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, diesen Entwurf, welcher
jedoch Gesetzeskraft nicht erlangt hat, mit zu vertreten.
Die Maul- und Klauenseuche bot nur ein Mal im Jahre 1885 Gelegenheit,
Maßnahmen gegen deren Verbreitung in Berathung zu ziehen, als in Folge
wiederholter Verschleppung der Seuche aus dem Innern des Reiches nach deutschen
Häfen britischerseits Einfuhrbeschränkungen erlassen waren, welche die deutsche Landwirthschaft
und den deutschen Viehhandel schädigten.
Die für nothwendig erachteten Schritte kamen in einer Kommission, welche
über die Desinfektionsvorschriften für Eisenbahnviehwagen im Mai und Juni 1885
Berathungen pflog (siehe unten), zur Sprache.
Erforschung von Krankheitsursachen.
In anderer Weise, als die bisher genannten Viehseuchen, haben einige weitere
übertragbare Krankheiten der Hausthiere wissenschaftliche Arbeiten im Gesundheitsamt
bedingt.
Seit dem Sommer 1880 wurden unter Leitung des damaligen Regierungsraths
Dr. Koch im Laboratorium des Gesundheitsamtes umfangreiche Versuche über
die Entstehung und Verbreitungsweise des Milzbrands angestellt, welche eine Fortsetzung
früherer wissenschaftlicher Arbeiten des genannten Forschers bilden. Dieselben
brachten u. A. entscheidende Aufklärung über die Art der natürlichen Milzbrandinfektion
der Thiere (vgl. Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte, Band I
S. 49).
Weitere Untersuchungen in dieser Richtung wurden, da in dem Laboratoriuin
des Gesundheitsamtes Versuche mit größeren Thieren nicht stattfinden konnten, in
einem für diese Zwecke erbauten Stalle auf dem Grundstücke der Berliner Abdeckerei
fortgesetzt. Daneben wurden ausgedehnte Versuche zur Nachprüfung der von französischen
Forschern geinachten Mittheilungen über Abschwächung der Milzbrandbacillen
und über künstlich erzeugte Immunität gegen Milzbrand angestellt. Die gewonnenen
Erfahrungen sind von dem Leiter der Versuche, Dr. Koch, zuerst in einer besonderen
Druckschrift kurz veröffentlicht'), während der ausführliche Bericht hierüber im Band II
der Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte, (S. 147 ff.) sich findet.
Auch jetzt noch bildet die Frage der Milzbrandaetiologie fortgesetzt den Vorwurf
für experimentelle Studien im Laboratorium des Gesundheitsamtes.
Die Tuberkulose der Hausthiere ist in ihrem Wesen und in ihren Ursachen
zusammen mit der Tuberkulose des Menschen erforscht und lange Zeit Gegenstand
') R. Koch. Über die Milzbrandimpfung. Caffel u. Berlin 1882.