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ausgesetzt ist dabei, daß Muaufnahmen vom
IZ.Februar ab nicht mehr erfolgen, und daß die
Zahlung schon früher aufhört, wenn der Be
stand so niedrig wird. daß die Aufnahme aller
noch in der Klinik befindlichen Säuglinge im
Krankenhaus Westend möglich ist.
Seit sechs Jahren besteht in Charlottenburg
unter Leitung eines Arbeitsausschusses, dem Mit
glieder des Magistrats und der Stadtverordneten
versammlung angehören, eine unter ärztlicher Lei
tung des Professors Dr. Bendix strhende Säuglings
klinik. Sie nimmt nur kranke Kinder auf und
ist bisher in der Hauptsache durch uns beschickt wor
den. Die Überweisungen erfolgen nahezu ausnahms
los durch unsere Stadtärzte und durch die Ärzte un
serer Säuglingsfürsorgestellen. Der Verpflegungs
satz beträgt bisher, wie in allen andern Kranken
anstalten. 3 dl täglich.
Infolge der allgemeinen Erhöhung aller Preise
auf der einen und der hohen Anforderungen an eine
Anstalt für kranke Säuglinge auf der andern Seite
deckt der Verpflegungssatz von 3 cF, auch unter Hin
zurechnung des von der Stadt der Klinik gewährten
Jahreszuschusses von 3006 dl, die Selbstkosten nicht
mehr. Die Klinik hat vielmehr im letzten Jahre, wo
die Bettenzahl. die seit Oktober 1912 auf 45 erhöht
ist. zum Teil noch geringer war. einen Mehrverbrauch
von etwa 5000 dl gehabt, der sich weiterhin schon in
folge der Angestelltenversicherung noch steigern wird.
Der Arbeitsausschuß hat daher bei uns den Antrag
gestellt, den Pflegesatz auf 3,50 dl zu erhöhen, um
so die Kosten decken zu können.
Wir haben aus grundsätzlichen Erwägungen die
sem Antrage nicht entsprechen zu können geglaubt, und
vielmehr in Aussicht genommen, wenn die Klinik
ohne eine solche Erhöhung den Betrieb nicht weiter
zu führen vermag, künftig die bisher dort unterge
brachten Säuglinge im Krankenhaus Westend auf
zunehmen. wo ohnehin schon alle infektiös erkrankten
Säuglinge Aufnahme finden.
Der Arbeitsausschuß der Klinik hat darauf, da
zur Zeit jeder weitere Tag des Betriebes von ihm
etwa 30 dl Zuschuß erfordert, beschlossen, die Klinik
sogleich zu schließen und uns die in ihr befindlichen
etwa 45 Säuglinge zur Unterbringung in Westend
zu überweisen. Die eingeleiteten Verhandlungen
haben jedoch ergeben, daß die sofortige Aufnahme
einer so großen Zahl von kranken Säuglingen in
Westend nicht möglich ist, da natürlich keine Anstalt
darauf vorbereitet sein kann, Mehraufnahmen in
dieser Höhe plötzlich zu bewerkstelligen. Die Klinik
hat sich daher bereit erklärt, ihren Betrieb noch bis
zum 31. März weiterzuführen. Sie bittet aber. daß
ihr zur Deckung der ihr entstehenden Kosten der
Mehrverbrauch von 30 dl täglich neben den Ver
pflegungssätzen erstattet wird.
Unter Berücksichtigung der Selbstkosten der
Säuglingsklinik, deren Ausgaben zum großen Teil
zu Gunsten der von der Stadt überwiesenen Säug
linge stattfinden, haben wir am 13. Februar be
schlossen, von diesem Tage ab bis zum 31. März dem
Antrage zu entsprechen — unter den Maßgaben jedoch,
die aus unserem Antrage ersichtlich sind. — Wir er
suchen, unserem Beschlusse zuzustimmen.
Charlottenburg, den 25. Februar 1913.
DerMagistrat.
Dr. M a i e r. G o t t st e i n.
Villa G 1 43.
Charlottenburg, den 1. März 1913.
Der Stadlverordneterr-Rorstrher.
vr. Frentzel.