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Die schöne Gießerin

Full text : Die Messalinen an der Spree (Public Domain)

359 —

Der Hof Joachims war reformiert. Ihn und die
Mark zum Katholizismus zurückzuführen, schien eine Auf—⸗
gabe, die dem Papfttum zu lösen notwendig war. —
Eines Tages, als ein glänzendes Fest mit Ritter—
spielen und Tierhetzen die kurfürstliche Residenz in Atem
hielt, ritt ein stattlicher Ritter, von reichgekleideten Knappen
und Pagen begleitet, in Berlin ein. Er nannte sich Graf
di Roblero und wurde vom Kurfürsten sofort zum Hofe
geladen. Gern und freudig kam der Graf dem ihn so
auszeichnenden Befehle nach, und mit echt ritterlichem Au—
stande neigte er sich bald vor der schönen Gießerin und
bewies ihr seine schuldige Achtung.
Da, als Anna in das schöne, geistvolle Gesicht des
Grafen, das von langen, schwarzen Locken umwallt war.
blickte, als sie ein Blitzstrahl aus den herrlichen Augen
des Mannes traf, da wußte sie, daß sie liebte. Zum
ersten Male in ihrem Leben empfand die schöne Gießerin
das Gefühl einer reinen und veredelnden Liebe und preßte
sie denn ihre Hände auf den schönen Busen, den die
Macht der Gefühle zu sprengen drohte.
Anna vergaß nun Alles um sich her; versunken war
alle Sinnlichkeit, und nur noch das Verlangen lebte in
ihr, den schönen Fremden zu sehen, seiner geistvollen
Unterhaltung zu lauschen. Der aber liebte ebenfalls die
schöne Gießerin, denn mit seinen Glutblicken schaute er
oft genug sie an.
Wieder war ein Turnier auf dem Schloßhofe. Der
Fremde, der es verstanden hatte, die volle Gunst ⸗des
Kurfürsten zu erringen, beteiligte sich gar wacker an den
ritterlichen Uebungen und warf manchen der Gegner in
den Sand. Nun riefen die Herolde „Halt,“ und die
Sieger empfingen aus den Händen der Damen die köst—
lichen Preise. Anna Sydow teilte sie aus, und als der
Fremde einen Ehrenkranz aus ihrer Hand emfing, da
drückte sie ihm zugleich ein Papier in die Hand, das die
Worte trug: „Kommt um Mitternacht zu mir.“ — — —
Still war es im Schlosse. Nur in einem der Zimmer
Annas brannte noch eine Ampel. Mit gelöstem Haare,
in einem durchsichtigen Gewande lehnte das sechöne Weib
            
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