In der Tapezierer-Zwangsinnung war die Meinung über die
Bewährung der Tarifverträge geteilt. Eine Anzahl der Mitylieder
ist der Ueberzeugung, daß die Arbeiter es verstehen,
alle Rechte aus dem Vertrage für sich in Anspruch zu nehmen,
lie Pflichten aber den Arbeitgebern zu überlassen. Trotzdem
war die Meinung der Innung für den Abschluß eines Tarıfvertrages,
in dem Glauben, daß durch ein jahrelanges tarifliches
Verhältnis in dem Berufe ein größeres gegenseitiges Vertrauen
aufkommen werde.
Eine Firma der Holz verarbeitenden Industrie: Die Löhne
der Fabriken sind jetzt ungefähr gleich hoch, so daß alle
unter gleichen Verhältnissen arbeiten.
Baugewerbe: Dem Arbeitgeberverband der Steinsetzbetriebe
scheint der Tarifvertrag ein großes Interesse der Arbeiter für
das Gewerbe hervorzurufen.
Der Verband der Glasereien schreibt: Der Tarifvertrag
schützt insofern, als einzelne große Betriebe nicht mehr der
Willkür der Arbeiter ausgesetzt sind. Dennoch bringen die Tarıfverträge
und die festen Lohnsätze sowie der Ausschluß der
Akkordarbeit den Arbeiter auf keine höhere moralische Stufe.
Es wird zwar der Arbeitslohn, aber nicht die Arbeitsleistung
yarantiert, und dadurch ist der Arbeitgeber stets im Nachteil.
Der Verband der Baugeschäfte war im allgemeinen mit dem
Tarifvertrage recht zufrieden.
Nach dem Bericht des Berliner Beton-Vereins hat sich der
Tarifvertrag in den ersten Jahren nicht, in den letzten Jahren
dagegen wohl bewährt. ‘
. Dem Arbeitgeberverbande für das Isoliergewerbe bot der
Vertrag wenigstens während der Vertragsdauer einigermaßen
stabile Lohn- und Arbeitsverhältnisse.
Der Verein der Berliner Buchdruckereibesitzer schreibt: Daß
ler Vertrag sich bewährt hat, beweist das fast dreißigjährige
Bestehen der Buchdruckereigemeinschaft, ihre seit 1896 regelmäßig
in Perioden von fünf zu fünf Jahren erfolgte Erneuerung
and der auch seit 15. Jan. 1907 auf weitere fünf Jahre erneuerte
Abschluß des Tarifes, sowie ferner der in diesem Jahre
arfolgte Abschluß eines Lohntarifes mit den Hilfsarbeitern.
Eine‘ Firma des Buchbindergewerbes schreibt: Wenn die
Tarifverträge auch Vorteile für die Unternehmer ergeben, namentlich
wenn möglichst alle Großbetriebe dem Verbande angehören,
was leider bis jetzt noch nicht der Fall ist, so liegt der Hauptvorteil
doch auf seiten der Arbeiter, da sie viel leichter durch
Verhandlungen mit einem geschlossenen Verbande etwas erreichen
können als mit den einzelnen Firmen. Bei den einzelnen
Firmen, besonders in der Provinz, die dem Verbande nicht anzehören,
hat der Arbeiterverband, trotz mehrfacher Versuche,
aicht seine Forderungen so einheitlich durchdrücken können, wie