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Sommerfrische

Volltext: Die Familie Buchholz / Stinde, Julius (Public Domain)

Sommerfrische. 
Ls ist ja am Lnde keine Kunst, dicke zu thun und mit 
einem billigen Lxtrazug irgendwo hinzureisen, um nachher 
sagen zu können: wir waren in der Schweiz oder Zoppot 
oder sonst in der fern entlegenen Fremde, aber bescheiden in 
der Nähe von Berlin zu weilen, daß Frau und Kinder sich 
am Luftwechsel erfreuen und der Mann Sonntags heraus- 
kommt und auch sein Vergnügen hat, . . . das halte ich für 
keine leichte Aufgabe. Da heißt es, die Krone des bjoch- 
muths abzulegen und das einfache Waschkleid der Tugend 
anzuziehen. 
Deshalb entschieden wir uns dafür, nach Tegel hinaus 
zuziehen, sowohl wegen der Wohnung und der Umgebung, 
die uns sehr gefiel, als auch wegen meines Karl. 
Mein Mann hat trotz des Schutzzolles ja brillant zu thun, 
so daß ich glaube, wenn dieser fehlte, würde er in zwei Jah 
ren bereits zu den oberen Zehntausend gehören, und darum 
kann er nicht auf Wochen vom Geschäft bleiben. Soll er nun 
ganz auf mich verzichten und seine Kinder? — Nein, er muß 
die dankbaren Gesichter derer sehen, für die er sich abarbeitet, 
wenigstens alle acht Tage einmal. Und für solche Zwecke liegt 
Tegel sehr angenehm. 
Und dann ist von dem Dorf Tegel das Schloß Tegel 
mit seinem park nicht weit entfernt, und in dem park liegt 
Alexander v. Humboldt begraben, dieser außerordentliche Ge 
lehrte, der ja auch den Globus erfunden hat, der jetzt zu den 
beliebtesten Zimmerzierden gehört, obwohl seine blaue Farbe 
nicht immer mit den Möbelstoffen harmonirt. — bsat man 
einen solchen historischen bsintergrund in unmittelbarer Nähe, 
so fühlt man auf den Spaziergängen das walten des Genius 
und ist glücklich in dem Bewußtsein, ebenfalls zu den Gebil 
deten zu gehören. 
Lmmi ist beim Vater in der Stadt geblieben, um ihm 
die wirthschaft zu führen; ich und Betti sind hier draußen. 
Betti mußte aus den alten Verhältnissen herausgerissen 
werden, die sie überall an den treulosen Lmil erinnern. 
Das Kind war so still und schweigsam geworden, daß es 
mir durch die Seele schnitt, wenn ich es heimlich beobachtete, 
und sagen durfte man nichts, denn dann gab es gleich
	        
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