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staunten bei dem Anblick ihrer Befreier. Sie trauten der
Sache nicht recht, wenn sie auch wußten, daß Brandenburg
seit hundert Jahren schon in deutschen Händen war.
Der Edle von Jspandowe ritt inzwischen vor, hielt neben
den beiden deutschen Rittern und sprach seinerseits die Bürger
an: „Für Euch, Konrad Ryke, und für Euere Brüder ist
dieser Tag wirklich ein Tag der Freude und des Triumphs.
Ich muß der Wahrheit die Ehre geben und zeige Euch an,
daß dies Land seinen Herrn gewechselt hat. Herzog Barnim
ist fort, die Markgrafen Johann und Otto sind wirklich Euere
Herrscher."
Noch standen die
Bürger zweifelnd,
und die deutschen
Ritter wollten schon
ungeduldig werden,
da ritt Markgraf
Johann selbst zu
ihnen heran, leutselig
nach allen Seiten
grüßend, und rief:
„So grüße ich Euch
zuerst, Ihr Bürger
von Collne und rufe
mit Euch: Hoch lebe
Markgraf Otto! Hoch
lebe Sankt Peter,
der Schutzheilige
dieser wehrhaften
Stadt! Hoch leben
meine treuen Bürger,
die ersten Deutschen
im schönen Teltow,
und möge ihr Handel
und Gewerbe auf
blühen unter dem
Schutze meiner
Waffen."
Auch Markgraf
Otto ritt vor, um
armte den Bruder
und rief: „Hoch lebe
Markgraf Johann,
der Städtegründer!"
Da war das Eis geschmolzen, und jubelnd warfen die
Bürger Collnes ihre Kappen in die Luft und riefen ein Hoch
über das andere.
Herr Konrad Ryke trat zuerst heran, küßte beiden fürst
lichen Brüdern die Hand und lud sie unter sein schlechtes
Dach, da der Ort weder Schloß noch Halle besäße, würdig für
den Empfang der hohen Gäste.
„Noch nicht, Konrad Ryke," sprach Johann, tief bewegt
von den schlichten Worten der Bürger, „gern will ich später
Euere Schwelle überschreiten, und ausruhen unter dem ersten
deutschen Dache, das ich in Mitte dieser Wälder und Sümpfe
gefunden, zuerst aber führt uns in die Kirche; am Altar wollen
wir dem Ewigen danken für seine Hilfe."
Darauf lenste er sein Roß der Kapelle zu, die in nächster
Nähe mit offenen Thüren winkte, während die Glocke alle
Gläubigen herbeirief. Unter der Kirchthür trat den Fürsten
imd Rittern ein Geistlicher in vollem Ornate, von den Chor
knaben umgeben, entgegen, sie im Namen Gottes zu begrüßen
und ihren Eingang zu segnen. Auf eine Frage des Herrn
Heinrich, Abt zu Lehnin, nannte er sich Symeon, Plebanus
zu St. Petri, und schloß mit den tiefernsten Worten: „Herr,
nun laß Du Deinen Diener in Frieden fahren, denn diese
Augen haben die Befreier des Landes gesehen."
Alles drängte in die Kirche hinein, die fast zu klein war,
um die Menge zu fassen; denn jedermann wollte die neuen
Landesherren und Befreier sehen, die da an dem kleinen Altar
auf denKnieen lagen,
dem Höchsten für
seine weise Führung
Dank zu sagen.
Nur einer konnte
nicht diese allgemeine
Freude mit feiern,
das war Heinz, der
jüngere Bruder von
Konrad Ryke, der
flog auf Weisung
des Bruders über
die lange Brücke nach
dem Berlin hinüber,
um dem Schulzen
des Orts, Herrn
Marsilius, die
frohe Kunde zu
bringen, daß die
Brandenburger
Fürsten soeben
drüben angelangt und
mit dem Bruder sofort
den Altar des Herrn
aufgesucht. Das
Ereignis selbst hätte
den Burschen wohl
nicht allein zu der
Eile getrieben, wenn
es auch vielleicht das
größte und auf
regendste seines
jungen Lebens war;
aber er hatte damu Gelegenheit, die schöne Ursula wieder zu
sehen, die es ihm angethan, seit er den Reigen mit ihr
gesprungen am Tage des Abzugs der Wenden.
Sonst war damals trotz der langen Brücke der Verkehr
noch schwach zwischen den beiden Flecken, und Heinz, der den
ganzen Tag in des Bruders Schmiede beschäftigt war, kam
selten dazu, den Berlin zu betreten. Heut aber schwang er
die Sohlen, denn mit einer solchen Botschaft mußte er drüben
ja willkommen sein. Nie war ihm die lange Brücke so lang
erschienen wie heute. Ueber zwei mächtige Flußarme, die
durch eine breite Sanddüne getrennt, zog sich die niedrige
Brücke, auf dicken Eichenpfosten und aus rohen Planken zu-
sanunengenagelt, hin, und gewährte nach Ost und West freien
Ausblick über das breite Wasser. Ueber dem hohen Ufer auf
beiden Seiten zog sich dichter Wald ringsum, und nur hie
Tischplatte, von König Friedrich Withettn IV. während seiner
Schulzeit wit Federzeichnungen dedecttt.