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Full text : Erinnerungsfest Alter Joachimsthaler (Public Domain)

der gewundene, süßlächelnde den Frömmler und
deuchler. Hervoxtretende Unterlippe, wohl gar des
ußcn unteren Kauapparates bekuudet theils den
ut und Feinschmecker, theils selbstgefälligen Dünkel.
Der ohne besondere Veranlassung ofsenstehende Mund
deweist geiftige Beschrünktheit und ist nur bei Schwer⸗
sörigen zu entschuldigen.
Der große. Schädel mit hervorgehobenem Voꝛrder⸗
aupt birgt Genie und die Kraft für festes, klares
Frfafsen, der breit und hoch enlwickelte Vorderwirbel
noch die Fähigkeit, das gut Erkannte auch gut zu
hehalten. Besondere Ausbildung des Mittelhauptes
ftFolge einer starken Gemüths— und Glaubenskraft
ind damit auch künstlerischen Talentes. Wer es
hinter'n Ohren“, also einen großen Hinterkopf hat,
der sogenannte Dickkopf im, gutem Sinne mit
cüchtigkeit' für materielle Leistungen. Seitliche
Schwellungen am Vorderkopfe sind die Hochebenen
scharfen Verstandes, die auf der Mittelstirn einer
räftigen Intelligenz überhaupt. Einfache Wölbung
des Vorderkopfes gilt als Kennzeichen argloser, zu⸗
raulicher Gutmuthigkeit. Besondere Schwellungen
iber dem Augen-Höhlenrande, befähigen für scharfe
Zeobachtung, an den Schläfen für musikalischen
Sinn“ Tulen am Hinterkopfe starke, Ecken und
danten hervor, so sind sie die Vorrathskammern für
tarken Willen und noch stärkerer Beaierden ver—
chiedener Art.
Faft noch mehr kann man den Menschen an der
Nafe anfehen. Der stumpfnasige Guckindiewelt ist
eiter, kindlich und naivp, starke Willeus— und Er⸗
euntnißkraft hat eine Habichts- oder lieber Adler⸗
tase und, der Forscher, der. seine Nase gern in alles
decken möchte, streckt sie mit der, Zeit immer länger,
ogar nach auf⸗ und auswärts bei großer Neugierde
ind Topfguckerei. Die aufgedunsene, dicke Nase hat
nateriellen Sinn, Sinnlichkeit hinter sich, die mager
zugespitzte Geiz und Gemüthlosigkeit. Uebrigens
dann man sich jede Nase, mit Ausnahme derer, die
man uns giebt, aufbindet und, dreht und mit
Ater man Zuletzt wohl gar abziehen muß, gefallen
assen.
Wer einen großen Mund, hat auch ein großes
Maul und kann damit sehr energisch sprechen und
dirken, während der kleine Mund (bis zur Unmög—
lichkeit klein in den Gesichtern der üblichen Mode—
ilder) auf geringe Kraft, sogar Schwäche schließen
läßt. Die überragende Oberlippe bedeutet Gefühl,
die Unterlippe dagegen, um Bexlinisch zu sprechen:
„sehre nach de Nahrung.“ Kinder machen mit
etzterer gern eine „Schippe“, wenn sie schmollen,
dies thun wohl auch Erwachsene im Gefuͤhl des
Widerwillens und der Verachtung. In den Mund—
vinkeln verstecken sich je nach Hebung und, Senkung
Schmerz, Kummer,Ermattung, Frohsinn und
Lebenslust, in den Gruͤbchen der Jugend neckische
Rebesgötter. Auch das Kinn verräth manches, bei
Vollheit Thatkraft, Wshalten und fett Phlegma und
outmandie, spitz Geiz und Knickerei; selbst das
Shr kann zur Menschenkenntniß beitragen. Ist es
groß, so bekundet es geistige Energie, klein Zartheit
ind feine Empfindlichkeit.
Endlich hat diese Wissenschaft auch „Hand und
Fuß“, sodaß man thatsaächlich nicht blos aus den
dinien der Hand, und der Gestaltung der Finger,
ꝛ des Daumens, sondern auch aus der
Biegung der Fußsohle, dem Bogen oben drüber, der
Breite und Lange und dem Verhältnisse zum ganzen
Körper wahrsagen kann. Aber wer wird die eoe
jeit aus solcher Tiefe holen wollen, da sie den
neisten Menschen schon auf der Stirn geschrieben
tehit 883 als „Naseweisbeit“ sehr gründlich
ein kann?

Marie Kahle-Keßler *

Fin Name nach dem andern verschwindet von
der Tafel jenex Epoche des Königlichen Schau—
F spielhauses in Berlin, die noch heut den Stamm⸗
zästen dieser vornehmsten Bühne der Reichshaupt—
kedt in wehmüthiger Erinnerung steht. Da prangten
die Namen Theodor Döring, Minona Frieb—
Blumauer, Berndal, Liedtke — sie alle sind längst
zu den Todten gegangen. Nur wenige aus jener
Zeit wirken noch heuͤt an der Königlichen Bühne
der genießen im Privatleben ihre Pension; aber auch
zie Zahl dieser wenigen verringert sich mehr und mehr.
Und so ist denn nun auch Marie Kahle-Keßler,
die einstige glänzende Salondame des Schauspiel—
hauses, von der Bühne des Lebens abgetreten,
penige Monate darauf, als ein schweres Leiden
ie gezwungen, dem Schauspielhause für immer
Balet, zu sagen. Und, gar schwer mag ihr der
Abschied geworden sein! Hatte sie doch an die
dreißig Jahre in dem Hause am Schillerplatz ge—
wirkt und so manchen Triumph darin gefeiert, aüch
hier den Gatten gefunden: RWohmd Kahle, der nun
iuch schon zur „alten Garde“ dieser Bühne gehört.
Die Künstlerin wurde im Jahre 1845 in Detmold
Jeboren und betrat schon in ihrem 14. Lebensiahre

BPerliner Fllustrirte ZSeitung. Nr. 34.
ö— — ñ — — — — —⸗ — —
Sechs Homonyme.
Wer Reinlichkeit liebt, wird es loben,
In ihnen werden Früchte aufgehoben.
Von der Welt wird er verlacht,
Es vom Zimmermann gemacht.
Sie bringt uns Freude oft und Schmerz,
Doch er erfreut des Kaufmanns Herz.
lufs Gute richt es aus in allen Stunden,
zn jedem Lande werden anders sie gefunden
Wenn er kommt, so wird gefreit,
Thue es zu jeder Zeit.
Von einem Oberhaupt kommt sie,
Er ist ein Oberhaupt beim Vieh.
Trug⸗Räthsel.
In die zwei ersten hüll' dich ruhig ein,
Venn dir des Lebens rauhe Stürme dräu'n,
n mancher Handlung, schlicht und unscheinbar
Im Kittel oft nimmst du ihr Dasein wahr.
Das zweite Paar? In der Gard'robe hat's
Bei Hohen wie bei Niedern seinen Platz,
Das feine Dämchen, zierlich und modern,
Die schmucke Baͤu'rin sieht darin sich gern.
Dem Ganzen frägt die Jugend selten nach,
Die Alten aber preisen's jeden Tag,
Und rühmen seinen Werth zu jeder Frist,
Wenn's leider auch kein — Tugendspiegel ist!

n Flensburg die Bretter, die die Welt bedeuten.
zach einem vorübergehenden Engagement am Hof—
heater in Hannover witkte sie 1864 in Prag und kam
sdaun im Jahre 1866 an das hiesige Schauspielhaus.
Durch lange Jahre war, die Domäne der Künst⸗
ꝛrin das Salonfach, in welchem sie Ausgezeichnetes
eifiete. Sie war immer und immer die Dame
uf der Bühne. Es würde hier zu weit führen,
uch nur einen Theil der Rollen hier anzuführen,
denen man sich kaum eine andere Darstellerin als
die Keßler“ denken konnte. Aber als sie nach ihrer
ermahlung mit, Richard Kahle 1880 allmählich
das allere Fach überging, da offenbarte sie ihren
herraschten Freunden ganz neue Seiten ihrer Künstler⸗
gaft, die von dem damals auf der Bühne langsam
zer sicher Herrschaft gewinnenden neuen Stil in
er Schauspielkunst nicht unwesentlich beeinflußt
aren. Und so wuchs sie mit fast jeder neuen Rolle
sres neuen Faches, bis die Kraukheit sie zwang,
rer geliebten Kunst zu entsagen, just, wo sie uns
se reifsten Früchte dieser ihrer Kunst bot—
Marie Kahle-Keßler war auch in ihrem Privat⸗
eben eine wirkliche Dame, was man eben nicht
on jeder großen Künstlerin sagn kann. An ihren
Zarge trauerten nicht nur der Gatte und der Bruͤder
dofschauspieler Keßler), sondern, wenigstens im
Zedenken, die große Schauspielhaus-Gemeinde, der
ie so oft genußreiche Stunden bereitet.

Silben-Räthsel.
Aus folgenden 69 Silben:
— ar — ber — bi — bin — bo — ca — eis
— de — do — dus — e — e — en — er — er
— fe — frank — gam — gnei — gro — i — 1
— iff — la — land — li — lü — lith — me —
moer — mö — mor — mund — na — nal — när
nau — ne — ne — ne — ne — nen — ni —
ni —20o — 0 — or — pal — pe — pon — rai
re — reieh — ri — rew — rho — rho — se
se — se — so — so — stab — te — te —
ve — zau — 2wing
sind 25 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben,
hon oben nach nuten, und deren Endbuchstaben, von
unten nach oben gelefen, ein Citat aus einem Schan—
piel das ————— und den Dichter desselben er⸗
geben.
1. Irische Partei. 2. Gebirge. 3. Waffenkammer
4. Ostiadisches Reich. 5. Reformator. 6. Republik.
7. Insel. 8. peet 9. Insel. 10. Werkzeug
des Magiers. 11. Berühmter Stratege. 12. Weib—
licher Vorname. 13. Pflanzengattung. 14. Großes
Wasser. 15. Vogel. 16. Genñeral im 30jährigen
Krieg 17. Desterreichischer Dichter. 18. Himmels⸗
erscheinung. 19. Planet, 20. Dichter und, Schau⸗
spieler. 21. Pflanze. 22. Person in einem Schiller⸗
schen Drama. 23. Fluß. 24. Afrikanische Landschaft.
25. Kalkgestein.

Cösungen der Räthsel aus voriger Nummer.
Füll-Rätbsele

Frau Kahle-Keßler
Ugl. Preuß. Hofschauspielerin f.
dach einer Photographie von Z. C. Schaarwächter in Berlin.

LAZ
pharehnt
—————
hawust
os se e
igbmiolnit

— ——
Num Deitvertreib.

—

Rösselsprung.

2 und teu⸗ ner —— ben⸗ J der
fel kei⸗ men finn platt ist die ssen
2 der ein tern Gen zu⸗ tau⸗ mit
— — —— — — — —
und flat⸗ sie oel⸗ nem brm sie hast
— ——— — — — —
fein nach winud be⸗ fort et grü⸗ hüt
— —— — — ——
ten men⸗ die sei⸗ nem last zu du
J
kind er⸗ —— im reu⸗ sie dich und
schen gu⸗ 8 X — vor leid wenn dir

Unterhaltungs-Aufgabe:
58 verschiedene Arrangements waren möglich

Charade: Gründung.
Ergänzungs-Räthsel:
„Anton von Werner.“
Aida Reid Thorn Oleander Aacht Vertrag Ostern Ramur Welle
Emanuel Recke Radel Ewald Rast.

*
irseh'seke Fehntider-Akcademie, sothes dehloss ?,
zrößte, älteste und renommirteste Fachlehranstalt der Welt.
zegründet 1889. Bereits 24 000 Schüler ausgebildet. Damen-Zerren⸗
 und Wäscheschneiderei. Kurse von Mt. 20. — an

Hervorragende Sehenswürdigkeit
der Berliner Gewerbe-MAusstellung.
Maurischer Aussstéllungspa villon der Rassfeebrennmerei
1. Zuntæ sel. Wwe., am Karpfenteiech vor der Wandelsalle
 zum Ausstellungsbahnhof. Kostproben daselbst
glieh von 2 Bis ß Unr. Man überzeuge sich dureh
leren Versuen von der Vorziilienαιt des T ntν
IGRVM.IIC5A FEMA.
            
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