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Volume 6. November 1897, Nr. 6

Full text: Der Steinarbeiter (Public Domain) Ausgabe 1.1897,1 (2.Okt.) - 1.1897,13 (25.Dez.) (Public Domain)

arbeiter statt, in welcher Genosse Witti über „die herr— 
schenden Klassengegensätze und Klassenkämpfe“ referirte. 
Dem ausführlichen und beifällig aufgenommenen Vortrag 
folgte der Bericht über die Thätigkeit der Agitations— 
Kommission. Aus dem Bericht geht hervor, daß be— 
deutende Fortschritte in Bezug auf Lohnerhöhung, 
Arbeitszeit und Organisation in Bayern gemacht wurden. 
Einen günstigen Erfolg hatten die Steinarbeiter im 
Fichtelgebirge. In der letzten Zeit hielt die Kommission 
mit Hilfe des Referenten Schielein (Hof) sieben Stein— 
arbeiter-Versammlungen ab. Im boayerischen Wald 
fkonnten noch keine abgehalten werden, weil kein Lokal 
zu bekommen war, obwohl die dortigen Arbeiter viele 
Lersuche machten, eins zu bekommen. Die Revision bei 
Mitschke, Geschäftsleiter in Berlin, der Kollege Zankl 
veiwohnte, ergab, daß Bücher und Kassa in Ordnung 
waren. Für die Maschinenbauer Englands wurden 
sofort 25 Mark abgeschickt, Werkplätzesammlungen folgten. 
Auch wurde von vielen Kollegen Klage geführt über die 
chechte Bezahlung auf Platz Schönemann, woselbst der 
Vorstand vom Arbeiterschutz, Herr Braun, Polier ist 
Rostock. Dienstag, den 26. Oktober, legten 
8 Steinschleifer auf dem Schräp'schen Platz die Arbeit 
nieder, weil sie zu ihrer Arbeit den Stahlsand kaufer 
ollten, wo das Pfund 10Pf. und Schmirgel das Pfund 
15 Pf. kostet, wofür der Quadratmeter Kantenarbeit 
mit 13 Mk. Arbeitslohn berechnet werden sollte. Ee 
wäre dieses eine wöchentliche Ausgabe bei den Schleifern 
»on ca. 5 Mk gewesen. Zwei Tage später wurde den 
Schleifern vom Herrn Freudemann die Lohnbedingung 
dahin formulirt, daß jeder pro Stunde nicht unter 
26 Pf. Lohn bekommen sollte. Verdienen dieselben bei 
einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden nur 
15,60 Mk., so wird kein Schmirgelgeld in Abzug ge 
bracht, und der Quadratmeter wird mit 11 Mark 
herechnet. Verdienen die Schleifer in derselben Arbeits 
zeit mehr als 15,60 Mk., so wird der Quadrameter 
statt 11 Mk. mit 13 Mk. Arbeitslohn berechnet und der 
Schmirgel kommt in Abzug. das Pfund mit 15 Pf 
Unter diesen Bedingungen haben die 19 Mann die 
Arbeit am 29. Oktober wieder aufgenommen, zugleich 
nit dem Versprechen, daß nachträglich keine Maßregelung 
tattfinden soll. Im Anschluß richten wir die Bitte an 
alle Vertrauensmänner, wenn die beiden Steinmetzen 
Ernst Moritz Arnd aus Wick auf Rügen, geb,. den 
16. Juli 1878 und Franz Rudolf aus Golies bei 
Leipzig, geb. den 9. April 1867, sollten zugereist 
rommen, oder wo sie sich in Arbeit befinden, dieselben an 
ihre Vergeßlichkeit der Oraganisatiön gegenüher zu er— 
nnern. 
Striegau. Wir machen die Kollegen von hier 
und Umgegend, welche unsere Organisation hochhalten, 
aufmerksam, recht fleißig zu agitiren und den Kollegen 
die Frage klar zu legen: warum organisiren wir uns? 
Damit wir im nächsten Jahre Forderungen stellen 
'önnen, auf höheren Lohn und Arbeitsbedingungen, und 
es uns nicht wieder so geht, wie in diesem Geschäfts 
zahr. Daß wir Forderungen zu stellen haben, das wird 
vohl jeder Kollege einsehen, dies beweist ja schon, daß 
zahlreiche Kollegen zu Fabriken und Landwirthschaften 
ibergehen. Es giebt Kollegen, die sich nicht für unsere 
Organisation erwärmen können. Die hiesigen Kollegen 
ind die in den Brüchen sind unaufgeklärt und folge— 
dessen kampfunfähig, deshalb kommt es vor, daß bei 
Tage nicht gearbeitet wird, dagegen des Nachts bei Licht; 
zas ist für die Kollegen, welche die Ordnung lieben, 
zum Nachtheil. Wenn die Tagarbeiter und Werkmeister 
hr Geld verdient haben, so müssen auch wir es ver 
zienen, und wenn nicht, dann müssen wir uns organi— 
iren. Wir machen die Platzvertreter aufmerksam, dem 
Vertrauensmann genau anzugeben, wo des Nachts ge— 
arbeitet wird, wer. und au welcher Stunde. ob mit oder 
ohne Aufsicht. 
Zwickau. Am 21. Oktober tagte im Restauran⸗ 
Belvedere eine öffentliche Steinarbeiter Versammlung. 
ollege Kremser giebt einen kurzen Bericht über unsert 
tatistischen Erhebungen und betont ferner, daß es ange— 
bracht sei die Arbeitsbuden auszumessen, wieviel cbm 
Lruft sie fassen, um festzustellen wieviel auf jeden ar— 
heitenden Kollegen Luft kommt, denn auf manchen Plätzen 
eien im Verhältniß zu den dort arbeitenden Kollegen 
die Buden viel zu klein und in sanitärer Beziehung sehr 
ingesund, es wird auch diesem Wunsch allgemein zuge 
timmt, Zu den Tarifangelegenheiten wurde eine Kom 
nission von 4 Kollegen gewählt, welche in nächster Zeit 
nit den Meistern in Unterhandlung eintreten soll, betreffs 
verbesserung des Tarifs. Allgemeinen Beifall erntete 
eine Aufforderung in Nr. 3 des Steinarbeiters unter 
Juerbach i. V. wo Kollege Bruno Grimm die säumigen 
sollegen auffordert, ihre Rückstände an die Organisation 
nachzuzahlen. Hoffentlich ist nun Kollege Bruno Grimm 
zu der Einsicht gelangt und begleicht endlich auch seine 
Reste in Zwickau an die Organisation. Den Kollegen 
nuf Werkplatz Mylhorn wird noch anheim gestellt, falls 
der Vertranensmann auf diesem Platz gemaßregelt wird, 
ie sich mit ihm solidarisch erklären und die Arbeit 
»benfalls niederlegen, die Kollegen von diesem Platz sind 
vamit einverstanden. 
Statistisches aus der Bildhauer-⸗Ecke. 
Es wird die Leser des „Steinarbeiter“, überhaup 
der gesammten Kollegenschaft der Steinarbeiter, ob Bild 
hauer oder Steinmetz, von Interesse sein, ein möglichst 
zenaues, selbständig zusammengestelltes statistisches 
Material über die Berliner Bildhauer-Bewegung 
dohn u. s. w., von einem derselben verfaßkt, vor Augen 
zu führen. 
Berlin hat gegenwärtig 135 Bildhauer und find 
diese vertheilt auf die verschiedenen Plätze und Ateliers 
vie folgt: 
Firma Wimmel 24, Zeidler 11, Schilling 838 
Plöger 1, Holzmann 4, Metzing 5, Huth 1, Unter— 
riehmer Schwarz 12, Kämpfer 2, Schleicher 1, Unter 
iehmer Folke 2, Unternehmer Ruhland 2, Casal 5 
Fiebiger (Potsdam) 2, in verschiedenen Ateliers noch 
5» Kollegen, zusammen 115 Kollegen. Arbeitslos sind 
20 Kollegen. Summa 1335 Kollegen. 
Von diesen 135 Kollegen sind 67 verheirathet 
Der Verdienst im Lohn und Akkord ist durchschnittlich 
gleich und ist im Lohn annähernd vertheilt: 
2 Kollegen 9,— Mk. pro Tag. 
4 850 
26 8 —— 
17 * 750 
u 7—- u „ 
630 
ß4 — 
15 „unter dem Miinimallohn. 
Diese 15 Kollegen arbeiten in ihrer Mehrzahl bei 
Schilling, es sind größtentheils recht gute Arbeiter, aber 
rasse Angftmeier, die stufenweise, je nachdem was sit 
ich bieten lassen, 5. 4,50 bis herunter zu 4, — Mk. 
a einer soll für 3,50 Mk. arbeiten. Es sind einige 
Volontaire“, die von Holz auf Stein übergehen 
ibrigens mit diesem Schimpfnamen wird viel Mißbrauch 
getrieben, wir kommen später noch einmal darauf zurück. 
Dann sinds mehrere Böhmen, die da glauben in 
herlin recht viel lernen zu können, infolgedessen billig 
irbeiten und uns Berliner als Vivisektionsthierchen be— 
rachten. Anbei sinds aber auch ein Vaar, die über 
den Minimallohn verdienen. 
Organifirt sind von 135 ohngefähr 53 Kollegen 
m „Zentralverein der Bildhauer Deusschlands.“ Vor 
2 Jahren, vor und zur Zeit des Streikes waren 5 
der Berliner Steinbildhauer organisirt. 
Die Arbeitszeit beträgt durchgängig 72,2 Stunde. 
In einigen Ateliers, darunter „Lock“ soll noch 
3 Stunden gearbeitet werden, derselbe, der auch während 
der günstigen Zeit des Reichssstagsbaues, als er das 
zroße Giebelfeld hatte und andere Arbeiten vom Reichs— 
agsbau, seine Bildhauer 8 Stunden arbeiten ließ; wie 
war das damals möglich, wo doch am ganzen Reichstag 
von allen anderen Bildbauern 79/2 Stunde ge— 
irbeitet wurde. 
Von Interesse für uns Bildhauer ist auch wohl, 
wenn wir mal einen Ueberschlag machen, aus was für 
Berufen die Steinbildhauer hervorgegangen sind, speziell 
vieviel direkt gelernte Steinbildhauer darunter sind. 
nicht um etwa innungsrückständige Ansichten zu Tage 
zu fördern, nur das reine Interesse ist es. 
Von den 135 Berliner Steinbildhauern sind un 
gefähr 65 gelernte Holzbildhauer, 30 Steinmetzen 
3 Modelleure und die übrigen 32 haben als Stein— 
zildhauer gelernt, aber theilweise auch nicht mal alle, 
zum Beispiel in Westfalen ist es Sitte, Stein und Holz 
zugleich gut zu lernen. Außerdem noch diese, welch 
in Grabstein gelernt, Steinmetz, Bildhauer, Schrifthauer, 
Anstreicher und Vergolder, aber keines von Allem richtict 
und sich erst spüter bilden mußten. 
Von hervorgetretenen Mißständen auf Plätzen 
gingen uns Klagen zu über Platz Holzmann, die ihrer 
Bildhauern in Niedrigkeit der Akkordpreise und infolage 
gessen im Arbeitspensum viel zumuthen 
Das ist Berlin, aber schon ein Zeichen der Arbeits— 
sosiakeit! 
Rundschau. 
Zum Kampf der Maschinenbauer Englands 
chreibt das Korrespondenzblatt der Generalkommission 
er Gewerkschaften Deutschlands: 
Während englische Behörden versuchen, eine Einigung 
er streikenden Parteien herbeizuführen und hierbei die 
Arbeiter als gleichberechtigte Faktoren betrachten, zeichne 
ich die preußische Behörde durch das Bestreben aus, 
den Interessen der Arbeitgeber zu dienen. Waren die 
von der englischen Maschinenbauerorganisation nach 
Deutschland gesandten Delegirten schon genöthigt, sich 
jach langjährigem Aufenthalt in dem freien England 
erst wieder an deutsche Polizeieinrichtungen zu gewöhnen 
o genügle das noch nicht, sondern sie sollten die Gast 
reundschaft ihres Mutterlandes in vollem Maße kennen 
ernen Der Genosse Königs wurde in Kiel verhafte⸗ 
ind sollte nach Hamburg transportirt werden. Königs 
tammt aus Hamburg und besaß hier das Bürgerrecht 
Er ist vor 30 Jahren nach England übergesiedelt, kam 
njach Deutschland zurück, um den Krieg gegen Frankreich 
nitzumachen und kehrte nach Beendicund des Kriedes 
nach England zurück. Jetzt, als er nach Deutschland 
kommt, um für einen Streik, der für die deutsche Ar— 
beiterklasse von größter Bedeutung ist, das Interesse der 
deutschen Arbeiter wachzurufen, weist man ihn hinaus 
aus dem Lande, dem er sein Leben und seine Gesundheit 
in der Stunde der Gefahr zur Verfügung stellte. 
Drastischer kann der Dank des Vaterlandes. in deutschem 
Sinne, nicht dargestellt werden. 
Wie immer solche Maßnahmen in Deutschland das 
Gegentheil von dem herbeigeführt haben, was beabsichtigt 
war — wir erinnern uns an die Ausweisung Tom 
Mann's —, so wird das Ergebniß auch dieser neuesten 
Polizeimaßregel kein anderes sein, als daß die deutsche 
Arbeiterschaft mit um so größerer Energie für die Unter— 
tützung der englischen Maschinenbauer Sorge tragen wird. 
Ob eine Einigung zwischen den kämpfenden Par— 
leien auf Grund des Einigungsversuches des Handels— 
amtes herbeigeführt wird, ist noch nicht abzusehen. 
Jedenfalls aber dürfen sich die deutschen Arbeiter nicht 
der Meinung hingeben, das Ende des Kampfes stehe 
bevor. Nach der Entwickelung, die dieser Streik ge— 
nommen, ist auf eine Verständigung wenig zu rechnen. 
Deswegen darf keine Unterbrechung in den Sammlungen 
für die Streikenden eintreten, sondern diese müssen mit 
größerem Eifer bis zur Beendigung des Kampfes fort. 
gesetzt werden. 
2 
Briefkalten der Redakttion. 
Wir müssen die Einsender von Berichten u. dal. noch— 
mals darauf aufmerksam machen, daß sie ihre Briefe 
genügend frankiren müssen. Bei uns laufen älle Woche 
einige nicht genügend oder ganz unfrankirte Sendungen 
ein; wir haben sie im Interesse der Einsender bis jetzt an— 
genommen, was wir in Zuklumft unterlassen werden. Wir 
werden von jetzt ab prinzipiell jeder Postsendung, die nicht 
genügend frankirt ist, die Annahme verweigern, gleichviel 
ob die Briefe mit Absender versehen sind oder nicht. Die 
dadurch entstehenden Unannehmlichteiten haben sich die 
Kollegen dann selbst zuzuschreiben. Aus Ludwigshafen 
haben wir eine gänzlich unfrankirte, und auch Oppäch und 
Lraunschweig nicht genügend fraukirte Vostsendungen er— 
alten D. RPed. 
Anzeigen. 
Sonnabend, den 6. November, feiern die Stein— 
arbeiter Leipzias im Saale des Römischen Hof. 
Pittelstraße, ihr 
diesiühriges Herbstfest, 
bestehend in Konzert und Ball. 
Alle Kollegen von Nah und Fern sind hiermi— 
reundlichst eingeladen. 
Nachruf. 
Am 9. Oktober starb unser Kollege der 
Steinmetz 
Hermann Otto 
im Alter von 42 Jahren an der Berufskrankheit 
Ehre seinem Andenken. 
Die organisirten Steinarbeiter von Chemnit?z 
und Umgédend. 
Nachruf. 
Am 25 Oktober vorschied unser Kosleoe 
MWenzel Schiöer 
aus Neundorf im Alter von 234 Jahren 
Am 28. Oktober verschied unser Kollege 
Tr2ouvott Lencke 
aus Dohma im Alter von 59 Jahren. 
Ehre ihrem Andenken. 
Die Sfeinarheiter im Goftleubafhal. 
—oe 
Am 27. Oktober verschied unser treuer Kollege 
Peter Stryx7 
im Alter von 54 Jahren 10 Monate und 
2 Tage. 
Ehre seinem Andenken. 
Hie Steinarheiter Hannheims 
Drrick vorn F Puoioftes, Wersin S Franienstr 28
	        
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