sächlich schon eine Einigung von Stadt und
Land vollzieht. Es ist ein Band gegen-
seitiger Auffrischung und Erneuerung, ein
pulsierender Blutstrom von den Sstillsten
Landschaftsgegenden her bis in das Innere
der Städte hinein und ebenso zurück. Diese
Tatsache‘ kann uns die Gelassenheit des
unbeirrten Weiterarbeitens geben; sie trägt
die Ruhe der sicheren Hoffnung in sich,
Wir Bauenden haben einen einfachen ge-
raden Weg vor uns. Wohin er führt, ist
nicht genau zu umreißen, wenn man nicht
Prophet spielen will. Wir stellen unseren
Beruf wieder auf die Basis des allgemein
Vernünftigen und, wenn man will, Mensch-
lichen. Hier gibt es keine Begriffsspaltun-
gen und Klügeleien. Hier gibt es nicht
den Künstler auf der einen Seite und den
Techniker und Konstrukteur oder den Rech-
ner auf der anderen Seite, sondern hier ist
eins mit dem anderen unlöslich verbunden.
Selbst da, wo sich die Fähigkeiten des
Einzelnen in einer besonderen Richtung ent-
wickeln, muß dies im Zusammenhang mit
dem Ganzen geschehen und kann nur das
Glied einer Kette sein. Für uns ist das
Bauen keine Bauerei mehr, etwa in dem
Sinne, wie das Malen zur Malerei wurde.
Wir wollen unter keinen Umständen unsere
Häuser so bauen, daß sie nachher in einem
gerahmten Bilde hübsch aussehen, daß also
aus Bauen Bauerei und schließlich Malerei
wird. Ebenso wie die Malkunst an Stelle
des Begriffs Malerei den Rahmen des ein-
zelnen Bildes sprengt und alles. umfaßt, was
nur irgend mit der Farbe und ihrer An-
wendung zu schaffen hat, ebenso weit spannt
sich unser Beruf, sobald wir an Stelle des
bisherigen Wortes und Begriffes Architek-
tur oder Bauerei die Baukunst oder das
Bauen setzen.
Wie weit diese veränderte Berufsauffassung
in Parallele zu den überberuflichen sozialen
Geschehnissen und denen der sich verän-
dernden Wirtschaftsstruktur tritt, ja, wie weit
sie in ihrer eigenen Formveränderung der
allgemeinen Entwicklung sogar schon vor-
aneilt, zeigte sich aus der Überbrückung
der Grenzen von Stadt und Land. Infolge
unserer gesamten Entwicklung auf dem Ge-
biete des Verkehrs, der Gütererzeugung im
gewerblichen, industriellen und landwirt-
schaftlichen Leben und der veränderten so-
zialen Schichtung hat die Abgrenzung der
einzelnen Stadtgebiete heute keinen Sinn
mehr. Das ist nach und nach schon zu
einem Besitz des allgemeinen Denkens und
Wissens geworden. — Jede einzelne Stadt
muß bei ihren Ausbreitungsplänen mit dem
umliegenden Lande rechnen, Und die Groß-
stadt kann die Linie. ihrer. weiteren Ent-
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