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V. Die Wendung

Volltext: Bauen / Taut, Bruno (Public Domain)

sächlich schon eine Einigung von Stadt und 
Land vollzieht. Es ist ein Band gegen- 
seitiger Auffrischung und Erneuerung, ein 
pulsierender Blutstrom von den Sstillsten 
Landschaftsgegenden her bis in das Innere 
der Städte hinein und ebenso zurück. Diese 
Tatsache‘ kann uns die Gelassenheit des 
unbeirrten Weiterarbeitens geben; sie trägt 
die Ruhe der sicheren Hoffnung in sich, 
Wir Bauenden haben einen einfachen ge- 
raden Weg vor uns. Wohin er führt, ist 
nicht genau zu umreißen, wenn man nicht 
Prophet spielen will. Wir stellen unseren 
Beruf wieder auf die Basis des allgemein 
Vernünftigen und, wenn man will, Mensch- 
lichen. Hier gibt es keine Begriffsspaltun- 
gen und Klügeleien. Hier gibt es nicht 
den Künstler auf der einen Seite und den 
Techniker und Konstrukteur oder den Rech- 
ner auf der anderen Seite, sondern hier ist 
eins mit dem anderen unlöslich verbunden. 
Selbst da, wo sich die Fähigkeiten des 
Einzelnen in einer besonderen Richtung ent- 
wickeln, muß dies im Zusammenhang mit 
dem Ganzen geschehen und kann nur das 
Glied einer Kette sein. Für uns ist das 
Bauen keine Bauerei mehr, etwa in dem 
Sinne, wie das Malen zur Malerei wurde. 
Wir wollen unter keinen Umständen unsere 
Häuser so bauen, daß sie nachher in einem 
gerahmten Bilde hübsch aussehen, daß also 
aus Bauen Bauerei und schließlich Malerei 
wird. Ebenso wie die Malkunst an Stelle 
des Begriffs Malerei den Rahmen des ein- 
zelnen Bildes sprengt und alles. umfaßt, was 
nur irgend mit der Farbe und ihrer An- 
wendung zu schaffen hat, ebenso weit spannt 
sich unser Beruf, sobald wir an Stelle des 
bisherigen Wortes und Begriffes Architek- 
tur oder Bauerei die Baukunst oder das 
Bauen setzen. 
Wie weit diese veränderte Berufsauffassung 
in Parallele zu den überberuflichen sozialen 
Geschehnissen und denen der sich verän- 
dernden Wirtschaftsstruktur tritt, ja, wie weit 
sie in ihrer eigenen Formveränderung der 
allgemeinen Entwicklung sogar schon vor- 
aneilt, zeigte sich aus der Überbrückung 
der Grenzen von Stadt und Land. Infolge 
unserer gesamten Entwicklung auf dem Ge- 
biete des Verkehrs, der Gütererzeugung im 
gewerblichen, industriellen und landwirt- 
schaftlichen Leben und der veränderten so- 
zialen Schichtung hat die Abgrenzung der 
einzelnen Stadtgebiete heute keinen Sinn 
mehr. Das ist nach und nach schon zu 
einem Besitz des allgemeinen Denkens und 
Wissens geworden. — Jede einzelne Stadt 
muß bei ihren Ausbreitungsplänen mit dem 
umliegenden Lande rechnen, Und die Groß- 
stadt kann die Linie. ihrer. weiteren Ent- 
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