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12. Gebäude

Full text: Allgemeiner Wirtschaftsplan für die Rieselgüter der Stadt Berlin im Oktober 1904 / Backhaus, Alexander (Public Domain)

Verminderung der Gehändekosten. 
und so fort, bis endlich nach Verlauf von 225 Jahren, der angenommenen 
Dauer des Massivbaues die Ersparnis eine Höhe von 842640000 Mk. 
erreichen würde.“ 
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Es ist weiter nicht unwichtig, den Ausspruch des Amtsrats Schmidt, Löhme 
in einem Vortrag im Klub der Landwirte anzuführen. Schmidt wirtschaftet unter 
ähnlichen Verhältnissen wie die Rieselgüter vor den Toren von Berlin und hat es 
fertig gebracht, ein relativ teuer angekauftes devastiertes Gut nach wenigen 
Tahren mit 7%, zu verzinsen. Er sagt unter anderem folgendes: 
„Meine Herren! Sind aber teuers Stallbauten schon rechnerisch inkorrekt, 
so ist es geradezu ein Verbrechen an dem Geldbeutel und als eine sträf- 
liche Belastung des Gutes zu erachten, massive Scheunen aufzuführen. 
Ich plante eine Scheune für 8 500 cbm Rauminhalt aus Holz mit Doppel- 
pappdach und 10 Torwegen zu bauen, die mit 8 Leuten auf dem Pasch 
mit Doppelstakern vollgefahren werden konnte. Diese Scheune sollte 
inkl. Fuhren 9000 Mk. kosten, während die Kosten für diese Scheune 
massiv ausgeführt auf 34000 Mk. veranschlagt waren, die der Holz- 
scheune daher um 25000 Mk. übertrafen. — Meine Herren, eine solche 
Holzscheune steht, falls sie nicht abbrennt, mindestens 40 Jahre. Inner- 
halb 40 Jahren wächst aber bei einem Zinsfuß von 3'% %, ein Kapital 
durch Zins auf Zins um das 3—4fache. Es entstehen aus den bei dem 
Bau der Holzscheune gegen die massive ersparten 25000 Mk. in ca. 
24 Jahren 50 000 Mk. und in den letzten 16 Jahren aus diesen 50 000 Mk 
sa. 80000 Mk. Von dieser Summe sind abzusetzen: der Betrag für die 
höhere Versicherungsprämie der Holzscheune, die 2 promille, also für 
19.000 Mk. Versicherungssuume (9000 Mk. Scheune, 40000 Mk. Inhalt) 
gleich 98 Mk. pro Jahr beträgt. Diese Summe erhöht sich in 40 Jahren 
mit Berücksichtigung der Zinsen auf ca. 8000 Mk. Nach 40 Jahren baut 
man sich dann eine neue Scheune aus Holz, die vielleicht 12000 Mk. 
kosten wird. Die Rechnung stellt sich nun folgendermaßen: 
Bauersparnis nebst Zinsen nach 40 Jahren ...... . . 80000 Mk. 
davon teuere Versicherung . . . . ; 8000 Mk. 
Neubau nach 40 ‚Jahren . 5 _ 12000_- 20000 - 
Bleibt Reingewinn 60000 Mk. 
Meine Herren! Um 60000 Mk. ist nach 40 .Jahren durch ein sparsam 
aufgeführtes Gebäude das Gut geringer belastet. Ich stehe nicht an, es 
hier öffentlich auszusprechen, daß teilweise der Grund für die traurige 
Lage der deutschen Landwirtschaft in den teuren Bauten, die auf sehr 
vielen großen und bäuerlichen Gütern aufgeführt sind, zu suchen ist. Ich 
kenne manche Güt:r, auf denen sich die Besitzer tot gebaut haben und 
es ist zu wünschen, daß endlich die Erkenntnis von der Notwendigkeit, 
billig zu bauen, sich immer mehr Bahn brechen wird.“ 
Die Berechnungen von Schmidt in bezug auf Scheunen sind auch 
für die städtischen Güter maßgebend. Während Schmidt. bei seiner Bretter- 
scheune, die auf dem Hof steht und einen ganz guten Eindruck macht, nur 1 Mk. 
Baukosten pro Kubikmeter hat, kosten die massiven Bauten auf den städtischen 
(tütern ca. das 3—4 fache. während erstere denselben Dienst leisten.
	        
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