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IV. Würdigung der beiden Unterstrassenbahnen vom verkehrspolitischen Standpunkt

Full text: Bericht über die Entwürfe der Grossen Berliner Strassenbahn zur Anlage von Unterstrassenbahnen in Berlin / Blum, Otto (Public Domain)

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Allerdings kann eingewendet werden, daß der Straßenbahnver- 
kehr von der Straße fortgenommen und unter sie gelegt werden soll 
und daß dadurch oben mehr Raum für Fuhrwerke und Fußgänger 
geschaffen ‘wird. Aber diese Entlastung spielt im Gesamtverkehr 
nur eine recht bescheidene Rolle. Nach den „Erwiderungen“ beträgt 
der Verkehr zwischen Potsdamer und Leipziger Straße von 6 Uhr 
früh bis 10 Uhr abends: 
4 840 Straßenbahnzüge, 
4500 Lastwagen und Omnibusse, 
20000 Droschken und andere Fuhrwerke. 
Dazu mögen noch etwa 150000 Fußgänger kommen. Wenn 
man bedenkt, daß der ganze Aus-, Ein- und Umsteigeverkehr der 
Unterstraßenbahnstationen auch die Straßenoberfläche belastet, kann 
die Entlastung kaum mit mehr als 15%, bewertet werden. Mit 
70 Millionen wird also erreicht, daß 85%, des Gesamtverkehrs der 
Straße verbleibt! 
Ob die Entlastung von 15%, wirklich eintritt, ist nach den bis- 
herigen Plänen noch nicht genau zu übersehen, da noch nicht mit aller 
Bestimmtheit angegeben wird, in welchem Umfang Oberflächenstraßen- 
bahnen auf dem Potsdamer Platz belassen bleiben sollen. Jedenfalls 
wird aber die Entlastung von 15°%09 schon während der Bauzeit des 
Tunnels durch die Zunahme der übrigen Verkehrsarten aufgezehrt. 
Dann liegen die Verhältnisse also genau so wie jetzt. Hierzu kommt 
noch, daß die von der G. B. S. als dem Verkehrsbedürfnis nach 
zwei Jahrzehnten entsprechende Zugzahl von 220 Zügen stündlich in 
den Tunnelverschlingungsstationen überhaupt nicht geleistet werden 
kann. Was soll dann aber geschehen? Werden dann wieder Straßen- 
bahngleise in der Leipziger Straße verlegt? 
Hinsichtlich der Entlastung der Straßen kommt es nun nicht auf 
den Straßenteil von Querstraße zu Querstraße an, denn innerhalb 
dieser Straßenteile gibt es nur zwei aneinander vorbeigleitende Ver- 
kehrsrichtungen, die keine Schwierigkeiten verursachen. Maßgebend 
sind vielmehr die Straßenkreuzungen und die Plätze. Von 
den Straßenkreuzungen werden nur die unwichtigeren (wie z.B. 
Ecke Leipziger- und Mauerstraße) durch den Fortfall der Straßenbahn- 
haltestellen und den Fortfall des Umsteigeverkehrs zwischen Straßen- 
bahn und anderen Verkehrsmitteln entlastet, die wichtigeren aber 
(also Potsdamer Brücke, Potsdamer Platz, Friedrichstraße) erfahren 
nur eine Entlastung durch den Fortfall der Straßenbahnen, aber eine 
Be lastung durch. .die Vermehrung der ein- und aussteigenden Fahr- 
gäste der Unterstraßenbahn und die Vermehrung der dem Umsteige- 
verkehr dienenden Fuhrwerke, außerdem bleibt in der Potsdamer
	        
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