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Full text: Vom alten Bolze / Pistorius, Fritz (Public Domain)

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jein, m@a8 augenblicklich gilt und doch feinen wahren 
Wert in fih trägt. — 
SHave des Augenbliks, daz wollte er auch jonit 
nicht jein. Die BefchHäftigung mit den Alten Hatte 
ihm gezeigt, daß alle8 feine Zeit währt, und daß man 
Sutes und Bewährtes nicht von heute auf morgen 
über Bord werfen jol. In der Beziehung aber lebte 
ihnı jeine Zeit zu fchnell. Wie HNagte er, als der 
Tateinijdhe Yufjaßg am ©ymnajfitun aufgegeben wurde! 
Wie KÄNagte er ftet8 auch Über den Rückgang der 
Halfifhen Studien! Nie murde er müde, jeinen Abi- 
turienten und bejonders den Neuphilologen unter 
ihnen an8 Herz zu legen, audg Sriechijch zu lernen 
und vor allen Dingen auch ihre Kenntniffe im Lateini- 
ichen zu vertiefen. 
Se älter er wurde, deito mehr murde er ein 
Selchrter, der immer weiter in die bewährte Ver- 
gangenheit zurüctwich, je fjAneller die Welt um ihn 
herum vorwärtz wollte. War e8 da ein Wunder, 
daß er — feine Ruheftand3jahre ließen ihm die Muße 
dazu — ein eifriger laudator temporis acti wurde? 
Sein SGeift, der [Aließlihh nur in der ewig ftill- 
itchenden Vergangenheit lebte, beklagte beifpiel8weife 
tief, daß der Bug der Jegtzeit die freie Tätigkeit der 
Sehrer immer mehr in ein Gehege von Paragraphen 
hineintriebe und fie zu Maichinen mache. Mandmal 
freilich mären fie felber daran {Huld, {po meinte er, daß 
mit ihnen alles {o drunter und drüber ginge. 
„Wifjen Sie,“ Hagte er dann wohl, und dabei 
jchüttelte er traurig den Xopf, „wiffen Sie, wir leben 
in einem techniichen Beitalter! Heute {treben die
	        
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